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Der Landtag in Düsseldorf befasst sich mit dem Thema Kinderarmut. Foto: Jens Kalaene/Archiv

Grundschulkinder in Süd

Schlechte Zähne und Übergewicht

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RECKLINGHAUSEN - Kinder aus sozial schwachen Familien haben deutlich häufiger schlechte Zähne als Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem Armut und mangelnde Bildung der Eltern keine Rolle spielen. Das ist ein Resultat der aktuellen Auswertung der schulzahnärztlichen Untersuchung in den Recklinghäuser Grundschulen.

Dieser Befund bereitet Dr. Sabine Wadenpohl Magenschmerzen: Die Ärztin im Kreisgesundheitsamt stellte diese Entwicklung bei einer Fachtagung zur Vorstellung des „Integrierten Gesundheits- und Bildungsberichts“ für den Kreis Recklinghausen vor, den sie 2017 mit Kolleginnen und Kollegen aus den Kommunen im Kreis erarbeitet hat, und der im Oktober desselben Jahres präsentiert worden war. Rund 90 Teilnehmer waren der Einladung der Stadtverwaltung gefolgt. Das größte Interesse bestand von Seiten von Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen aus Kindertagesstätten. Auch Wohlfahrtsverbände waren vertreten. Von den 52 eingeladenen Ratsmitgliedern waren rund 15 erschienen.

Nord-Süd-Gefälle in der Stadt

Zu Jahresbeginn hatten Lokalpolitiker eine kontroverse Diskussion geführt, ob der Recklinghäuser Süden in der Entwicklung der Stadt abgehängt und die Altstadt durch Entscheidungen der Jamaika-Ratsmehrheit und des Rathauses bevorzugt werde. Das Datenmaterial, das Dr. Wadenpohl präsentierte, zeigt: Es gibt ein Gefälle in der Stadt. Kinder, die in Süd und angrenzenden Stadtteilen aufwachsen, haben geringere Bildungschancen als Gleichaltrige beispielsweise in der Altstadt, in Hochlar oder Stuckenbusch. 73 Prozent der Kinder aus Schulen mit geringem Armutsrisiko verfügen über ein gesundes Gebiss; in Schulen, die in hohem Maße von Kindern aus sozial schwachen Gegenden besucht werden, sind es nur 52 Prozent. Das heißt: Fast jedes zweite Kind hat Karies. Unter diesen 48 Prozent haben 72 Prozent mehr als einen kariösen Zahn. Bei jedem Vierten sind es sogar drei oder mehr. „Diese Kinder können gerade einmal weiches Gemüse essen, weil ihnen das Kauen einfach wehtut“, sagt Dr. Wadenpohl.

Familien frühzeitig fördern

Kranke Zähne sind nur eine Folge, unter denen Kinder aus bildungsfernen Schichten leiden. Übergewicht und motorische Defizite sind weitere. Vor diesem Hintergrund appellierte die Medizinerin, dass Anstrengungen unternommen werden müssten, damit mehr Kinder als bisher vor ihrem dritten Geburtstag in die Kita kommen. Dadurch könnten Kinder aus Familien frühzeitig gefördert werden, die ansonsten zu kurz kämen.

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