Hintergrund

Der neue Paulusanger polarisiert

RECKLINGHAUSEN. Es verspricht, ein städtebauliches Schmuckstück zu werden: Der neue Paulusanger, in exponierter Lage direkt neben der Altstadt, soll in architektonischer und ökologischer Hinsicht ein Vorzeige-Viertel für die Stadt der Zukunft werden. Unter unseren Lesern gehen die Meinungen allerdings auseinander, wie unsere nebenstehende Online-Umfrage zeigt.

Baudezernent Dietmar Schwetlick spricht von einem „neuen Gründerzeit-Viertel“. In der Tat ergibt sich mit dem Abriss der alten Berufskollegs zwischen Kemna- und Herner Straße ein weites „Spielfeld“ für neue Ideen und einen großen städtebaulichen Wurf. Jetzt liegt das städtebauliche Konzept der beiden Planungsbüros aus Düsseldorf und Aachen vor. Es beruht auf dem Siegerentwurf des Kölner Büros JSWD, der aus dem Architekturwettbewerb der Stadt hervorgegangen war. Im Zentrum des Entwurfs steht eine üppige „grüne Promenade“. Eine fußläufige Allee soll sich von der Herner Straße bis zur Kemnastraße ziehen. Dazwischen Ruhe- und Spielplätze, Boulebahnen, Wasserlandschaften – kurzum: lebendige Treffpunkte städtischen Lebens. Links und rechts der Allee, an verkehrsberuhigten Einbahnstraßen, sollen rund 60 Wohneinheiten entstehen. Einzel-, Reihen- oder Doppelhäuser – vieles ist möglich. Das Tor zum neuen Quartier sollen zwei Mehrfamilien- und Bürohäuser an der Kemnastraße bilden. Nach den Vorstellungen der Planungsbüros sollen die neuen Häuser die Formensprache des benachbarten schmucken Paulusviertels aufnehmen, jedoch ohne zu „historisieren“. Erwünscht ist vielmehr eine moderne Interpretation. Unterschiedlichste Hausformen, Farben und Dachhöhen sowie innerstädtisch aus der Mode gekommene Vorgärten sollen realisiert werden. Und dennoch sei es möglich, ein harmonisches Ensemble zu kreieren. Die Amsterdamer Grachtenhäuser, so die Architekten, seien der beste Beweis, dass dies sehr wohl funktionieren kann. Bei dem (neben den „Arcaden“) wichtigsten Projekt der Innenstadt-Entwicklung der kommenden Jahre soll nichts dem Zufall überlassen werden. Damit die hohe städtebauliche Qualität auch tatsächlich verwirklicht wird, schlagen die Architekten vor, dass die Stadt einen Gestaltungsrahmen für das neue Viertel bindend vorgibt. Ein Planungsforum aus Stadt und externen Beratern wird dann über die Entwürfe befinden. Erstmals soll dabei ein sogenannter Bildqualitätsplan erstellt werden. Das heißt: Entschieden wird nicht auf der Basis abstrakter Strichzeichnungen, sondern der Entwurf wird mithilfe digitaler Technik in einer Fotomontage bildlich dargestellt und in das Ensemble eingepasst. Die Politiker im Stadtentwicklungsausschuss waren begeistert von dem Konzept, äußerten aber Bedenken, ob dieses anspruchsvolle Bauen denn für Normalverbraucher zu finanzieren sein würde. Vage Schätzungen sprechen von Baupreisen von etwa 2 300 Euro pro Quadratmeter. Solche Bedenken sind nach Ansicht der Bauverwaltung verfrüht: Noch stehe gar nicht fest, wo der Grundstückspreis angesiedelt werde, die Hausgrößen seien sehr variabel. Zudem könnte das Viertel auch in puncto Finanzierung innovative Wege gehen: Wie man hört, sollen Privatleute Interesse bekundet haben, eine Genossenschaft zu gründen, um hier gemeinsam Mehr-Generationen-Wohnen zu realisieren. Am 18. Januar wird das Projekt Paulusanger der Öffentlichkeit in einer Bürgerversammlung im Rathaus präsentiert. Der weitere Zeitplan: Anfang 2010 Abriss der Kollegs, Ende 2010 Beginn der Vermarktung, Mitte 2011 Baubeginn.

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