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Nachbarschaftstreffen: Peter Stein (l.) zeigt Rudolf Strunk Arbeiten, die sein Opa 1918 nach einem Blatt der Platane fertigte, die im Garten der Alten Apotheke steht.

Historisch

Eine Hundertjährige im Apothekergarten

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RECKLINGHAUSEN - Mitten in der Altstadt steht eine Platane, die mehr als 100 Jahre hinter der Rinde hat. Und es gibt eine verblüffende Verbindung zwischen Apotheker Strunk und Juwelier Stein.

Wenn die Platane sprechen könnte, würde sie gewiss viele Geschichten erzählen. Schließlich hat sie im Laufe von weit mehr als 100 Jahren alles mitbekommen, was bei Familie Strunk von der Alten Apotheke passierte. Aber auch viele Nachbarn kannten und kennen den großen Baum, der viel Raum im versteckten Garten einnimmt und über die Mauer zur Kellerstraße ragt. Einer von ihnen ist Thomas Stein.

„Ich habe schon als Junge hier im Garten unter der Platane gespielt“, verrät er. Denn Ludger Strunk, Bruder des Apothekers Rudolf, war sein Freund. Was die „Nachbarskinder“ erst seit Kurzem wissen: Auch ihre (Ur-)Großväter einte schon die Platane.

Vermutlich hat August Strunk (1846-1919) einst den Baum gepflanzt. Er hatte 1873 die „Duddenhausensche Apotheke“ übernommen, zog mit seiner jungen Frau Maria in das stattliche Fachwerkhaus und gründete eine große Familie. „Ich habe mit meiner Tante gesprochen, die bald 97 Jahre alt wird. Sie erinnert sich, dass der Baum schon riesig war, als sie noch ein kleines Mädchen war“, berichtet Rudolf Strunk.

Sein Großvater, ebenfalls mit Namen Rudolf, leitete die Apotheke bereits, als der junge Goldschmiedemeister Robert Stein sich 1918 selbstständig machte. Am 19. September, heute vor 100 Jahren, zeichnete er in seinen Skizzenblock ein Platanenblatt. Darauf ist sein Enkel Thomas bei der Suche nach Entwürfen für eine Jubiläumskollektion gestoßen.

Auch wenn das erste Geschäft des Opas damals noch nicht an der Breiten Straße, sondern direkt „um die Ecke“ am Königswall war, ist Thomas Stein überzeugt: „Die Vorlage hatte Großvater aus dem Garten von Strunk.“ Zwar verwendete der Goldschmied das Motiv nie für ein Schmuckstück, aber er trieb es in Kupfer. Diese Arbeit können Passanten ein Jahrhundert später im Schaufenster von Enkel Thomas Stein, gegenüber der Alten Apotheke, bewundern.

Doch nicht nur der Juwelier hält die Erinnerung an seine Vorfahren aufrecht. Das tut auch Apotheker Rudolf Strunk. Nicht nur das denkmalgeschützte Fachwerkhaus bedarf fortwährender Pflege, sondern ebenso die Platane im Garten. „Mein Vater hat die großen, V-förmigen Äste mit Eisen verstärken und eine Dränage legen lassen, damit der Stamm nicht fault“, berichtet er. In jedem Frühjahr wird der Baum von Experten gründlich beschnitten, damit die Äste nicht unter der Last des üppigen Laubes abbrechen. Strunk betont: „Wir hängen alle sehr an dem Baum.“ Schließlich ist der auch ein grüner Zeitzeuge.

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