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Das Kreishaus in Recklinghausen ist erst 38 Jahre alt.

Kreishausneubau

SPD und CDU im Clinch

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RECKLINGHAUSEN - Jetzt wehren sich die Sozialdemokraten: Im Zusammenhang mit einem Kreishaus-Neubau wirft der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Cerny Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) und weiteren Christdemokraten Scheinheiligkeit vor.

Hinter vorgehaltener Hand hätten das Stadtoberhaupt und Parteichef Benno Portmann mehrfach betont, dass sie das Projekt begrüßen würden. Sie seien aber offenbar nicht in der Lage gewesen, sich gegen den Vorsitzenden des Kreises Recklinghausen, Josef Hovenjürgen, durchzusetzen.

Die SPD auf Kreisebene hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie den Neubauplan ad acta legen werde. Es sei nicht gelungen, heißt es zur Begründung, die Bürger von dem Projekt zu überzeugen. Tesche warf der SPD im Gespräch mit unserer Zeitung vor, sie habe auf Kreisebene versäumt, die CDU mit ins Boot zu holen. Außerdem sei es „schlicht nicht zu vermitteln“, ein 38 Jahre altes Gebäude abzureißen, um für 130 Millionen Euro einen Neubau zu errichten.

Defizite seiner Partei in der Kommunikation sieht auch Cerny. Es sei nicht gelungen, die Sachargumente zu vermitteln. Daher sei es richtig, sich von der Neubau-Variante zu verabschieden. Künftig müsse die SPD bei solchen Projekten einen breiten Konsens mit den Bürgern erzielen, bevor sie entscheide. Erich Burmeister (Linke) sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, die SPD habe sich verrannt. Es passe einfach nicht in die Zeit, eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe zu beschließen, wenn andernorts „an allen Ecken und Enden das Geld fehlt“.

Ähnlich argumentiert der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Portmann. Bis Ende 2017 sei seine Partei davon ausgegangen, dass ein Neubau finanziell machbar wäre: „Die Auftragssumme von 130 Millionen Euro hat uns allerdings die Sprache verschlagen.“ Das sei misslich, denn es wäre ein „städtebaulich tolles Projekt“, die Kreisverwaltung in direkte Nähe des Hauptbahnhofs zu verlegen. Auch der bisherige Standort an der Kurt-Schumacher-Allee hätte durch Wohnbebauung aufgewertet werden können, sagte Portmann.

Er weist Cernys Vorwurf der Scheinheiligkeit zurück. Anders als die SPD handele die CDU nach dem Prinzip Vernunft. Offensichtlich sei den Sozialdemokraten die Bodenhaftung und der Realismus abhandengekommen. Erst 23.000 Unterschriften und ein Bürgerbegehren hätten sie zum Einlenken bewogen, folgerte CDU-Chef Portmann.

Er kündigte darüber hinaus an, dass seine Partei weiter Unterschriften gegen den Kreishaus-Neubau sammeln werde. Noch vor der Sitzung des Kreistages am 25. September solle das Bürgerbegehren eingereicht werden. Allein die CDU Recklinghausen habe 3000 Unterschriften gesammelt.

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