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Detlef Halle in der Baubude an der Ludwig-Erhard-Allee. Foto: Wiethaup

Ludwig-Erhard-Allee

Zwei Wochen Restrisiko sind noch eingeplant

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RECKLINGHAUSEN - Blindgänger-Funde hinter dem Hauptbahnhof gehören fast schon zum Alltag – gleich drei gab es in der letzten Woche. Doch in rund zwei Wochen soll der Spuk ein Ende haben. Detlef Halle freut sich darauf...

Der städtische Oberbauleiter ist genervt – so eine Baustelle wie die der Ludwig-Erhard-Allee hat er definitiv noch nicht kennengelernt. „Das glaubt mir ja sowieso niemand: Aber in meiner 26-jährigen Tätigkeit bei der Stadt hatte ich noch nie zuvor eine Baustelle, bei der überhaupt ein Stillstand eingetreten ist.“ Und dann kam die Ost-Tangente, wie die Straße zwischen der Oer-Brücke und dem früheren Capitol-Kino an der Dortmunder Straße in der Planungsphase zunächst hieß: „Hier passiert jeden Tag etwas anderes. Es ist wirklich stressig.“

Allerdings: Die Leidenszeit ist aller Voraussicht nach endlich, rund um Ostern will man die Suche nach den amerikanischen Weltkriegsbomben einstellen. Dass es am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche gleich zu drei Funden kam, ist nicht ganz zufällig: Wie wir bereits berichteten, ist der gesamte noch zu untersuchende Bereich in 15 Felder aufgeteilt.

Und derzeit befinden sich die Spürnasen von der Firma Schollenberger aus Celle im 14. und vorletzten Feld – und das hat es im reinsten Wortsinne in sich: An ganzen 61 Punkten muss noch einmal gebuddelt werden, um festzustellen, ob dort nun Blindgänger stecken – oder eben nur alte Metallteile oder Schlacken.

Eigentlich sind bislang nicht erst 16, sondern schon 18 nicht detonierte Bomben gefunden worden, bei zwei Exemplaren handelte es sich jedoch um sogenannte Zerscheller. Diese sind beim Aufprall auf den Boden geplatzt, aber nicht explodiert. Eine Entschärfung ist nicht mehr nötig, der noch vorhandene Sprengstoff muss dennoch sorgsam abtransportiert werden.

Zur Erinnerung: Eher zufällig hatte Baggerführer Franz-Josef Pötter von der Heinrich-Walter-Bau (HWB) im Frühjahr 2018 in schneller Folge vier Blindgänger aus dem Boden geholt, dann stoppte die Bauberufsgenossenschaft die Arbeiten. „Und zwar völlig zurecht“, erklärt Oberbauleiter Detlef Halle, „das war lebensgefährlich“.

Bei einer Test-Suche, bei der eine (entschärfte) Bombe eingegraben wurde, stellte man fest, dass die Bodenbeschaffenheit eine Lokalisierung von der Oberfläche aus nicht zulässt, und so entschied man sich für die Ochsentour. An immer noch unfassbaren 9000 Punkten bohrte die Firma Tauber aus Münster bis Ende Januar 2019 zumeist sieben Meter in die Tiefe, steckte ein 57 Zentimeter breites PVC-Rohr hinein, ließ eine Sonde hinab und schickte die Ergebnisse zur Auswertung zu den Fachleuten bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Diese erklärten letztlich, dass an 461 Stellen noch einmal der Bagger tätig werden muss. Detlef Halle regt an, dass doch die Leute vom Guinness-Buch der Rekorde mal vorbeischauen sollten: „Denn wir haben hier ganz sicher den am besten untersuchten Baugrund weit und breit.“

Ein Restrisiko gibt es bei der Suche natürlich, aber es ist kalkulierbar, wie der Ingenieur erläutert: „Aufgrund der Sondierungen weiß man ja, in welcher Tiefe etwas liegt. Und dem, was da ist, nähert man sich vorsichtig, manchmal buddelt man das letzte Stück auch per Hand.“

Rund 1,5 Millionen Euro kostet das ganze Vorgehen, doch dabei wird es nicht bleiben. Die Firma HWB verlangt Stillstandskosten, die zum Teil sicher berechtigt sind, wie Detlef Halle erklärt: „Aber wir lassen uns hier nicht ausnehmen. Die sollen nicht glauben, dass bei der Stadt nur Ahnungslose arbeiten.“

Vermutlich im Mai werden die Kanal- und Straßenbauarbeiten an der Ludwig-Erhard-Allee wieder aufgenommen. Die Fertigstellung der Straße wird dann noch bis 2020 auf sich warten lassen, frühestens im April werde dies geschehen, schätzt Detlef Halle. Damit hätte sich die Bauzeit um rund anderthalb Jahre verlängert, ursprünglich hatte man die Einweihung für den November 2018 geplant.

Sicher ist aber auch: Der Boden ist natürlich komplett perforiert, er muss vor dem eigentlichen Weiterbau erst einmal neu verdichtet werden. Zeitgleich fragt die Verwaltung bei der Bezirksregierung in Münster an, ob es nicht Fördermittel gibt, um die unerwarteten Mehrkosten aufzufangen. „Schließlich machen wir das ja nicht aus Spaß. Es geht hier ja um die Sicherheit der Menschen, da hatten wir keine Wahl“, so Detlef Halle.

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