Missbrauchsprozess

Fast drei Jahre Haft

BOCHUM/RECKLINGHAUSEN - Erst verging sich ein 24-Jähriger aus König Ludwig zweimal an einer elfjährigen Schülerin, dann belästigte er ein anderes minderjähriges Mädchen im Chat. Am Montag wurde der Sexualtäter am Bochumer Landgericht zu zwei Jahren und neun Monaten Jahren Haft verurteilt.

Im Prozess vor der 5. Strafkammer hatte der 24-Jährige ein Geständnis abgelegt. Das elfjährige Mädchen kannte der Angeklagte über einen Kirchenkreis in Wanne-Eickel. Wie es im Prozess hieß, hatte sich die damals Elfjährige in den Angeklagten verknallt. Sie schrieb ihm per SMS „Ich bin ich dich verliebt“ - er fühlte sich geschmeichelt und nutzte das schamlos aus. Zweimal fuhr er mit dem Mädchen zu seiner Wohnung unweit vom Südpark. Zweimal kam es zu sexuellen Handlungen auf dem Bett, einmal verging sich der 24-Jährige sogar bis zum Äußersten an der Schülerin.

Das zweite Opfer hatte im Juni 2014 per „WhatsApp“ Bekanntschaft mit dem 24-Jährigen gemacht. Der Recklinghäuser forderte das damals zwölfjährige Mädchen auf, ihm Nacktbilder zu schicken, fragte zudem nach „Slips, Hotpants oder Tangas“. Weil die Mutter des Mädchens sich in den Chat eingeschaltet hatte, flog der 24-Jährige auf.

Überschattet wurde der Prozess durch einen mutmaßlichen Ermittlungs-Skandal bei der Recklinghäuser Polizei. Eine Beamtin (37) soll krass einseitig gegen den 24-Jährigen ermittelt haben. Staatsanwalt Mathias Közle hatte mit Blick auf den Zeugenauftritt der Polizistin im Prozess zuletzt angekündigt: „Das wird Konsequenzen haben.“ Was nur so viel heißen kann: Auf die Beamtin kommt wahrscheinlich ein eigenes Verfahren wegen Verfolgung Unschuldiger zu.

Hintergrund: Basierend auf den Ermittlungen der Polizistin, war der 24-Jährige im laufenden Prozess auch noch wegen weiterer Sex-Taten angeklagt worden. Bei den Zeugenbefragungen vor Gericht hatte sich dann aber schnell heraus gestellt, dass die Aussagen, vor allem aber die Täterbeschreibungen der Opfer nahezu unmöglich auf den Angeklagten passen.

Ein Opfer hatte in diesem Zusammenhang von einem Täter mit auffälligem rötlichem Haar und einem „Kevin-Kuranyi-Bart“ gesprochen. Was auf den Angeklagten aber gar nicht passt. Daraufhin war im Prozess der Verdacht laut geworden, dass die Polizistin die Zeugenaussagen möglicherweise ganz gezielt in Richtung des Angeklagten passend gemacht hat. Von den zusätzlich angeklagten Taten wurde der 24-Jährige daher freigesprochen.

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