Misshandelte Zwillinge

Eltern müssen sich vor Gericht verantworten

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RECKLINGHAUSEN - Eltern von der Hillerheide hatten ihre Zwillingsmädchen so stark misshandelt und vernachlässigt, das zumindest eines der beiden Babys lebenslang auf Pflege angewiesen sein wird. Vier Monate nach Bekanntwerden des Vorfalls müssen sich die 19-Jährige und der 26-Jährige nun vor Gericht verantworten.

Gebrochene Knochen, fast verdurstet und offenbar beinahe zu Tode geschüttelt: Die drei Monate alten Zwillingsmädchen waren am 19. Mai in die Kinderklinik Datteln eingeliefert worden. Weil die Säuglinge sich in dramatischen Zuständen befanden – sichtbar verkrampft, unterernährt, dehydriert (ausgetrocknet), dazu mit blauen Flecken, Rippen- und Schlüsselbeinbrüchen - hatte eine Recklinghäuser Kinderärztin, bei der die Eltern von der Hillerheide zuvor mit den Babys erschienen waren, sofort Notfallmaßnahmen eingeleitet. Der Vater sitzt seitdem in U-Haft, die Mutter wurde davon verschont. Das Sorgerecht wurde per Eilverfahren entzogen. Mindestens eines der Mädchen wurde inzwischen in einer Pflegefamilie untergebracht.

Weil sich der Zustand der Babys offenbar als besonders folgenschwer herausgestellt hat, hat Staatsanwalt Danyal Maibaum die Anklage neben Misshandlung von Schutzbefohlenen auch auf schwere Körperverletzung erweitert. Maibaum: „Bei einem Baby sind dauerhafte neurologische Schädigungen festgestellt worden.“ Es gebe Hinweise auf ein Schütteltrauma. Bei einem Säugling sei ein Wachstumsstillstand der Beine diagnostiziert worden. Das Kind werde wohl ein Leben lang auf Pflegehilfe angewiesen sein. Ob es je laufen oder sehen könne, sei mehr als ungewiss, so Maibaum.

Der Prozess wird bis November vor der 5. Jugendkammer am Bochumer Landgericht starten. Dem 26 Jahre alten Vater drohen ein bis zehn Jahre Haft. Die Mutter (19) könnte noch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Beide Angeschuldigten sind sich nach Angaben ihrer Verteidiger Edgar Fiebig und Jens Tuschhoff allerdings bis heute „nicht bewusst, je etwas gemacht zu haben, was den Babys hätte schaden können.“

Rubriklistenbild: © Foto: Andreas Wegener

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