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Ausgelassen: (v.l.) Wolfgang Pantförder, Martina Moskau-Ruhnau, Andreas Becker, Thomas Walder und Heinz-Bernd Einck im Narrenmodus.

Närrische Ratssitzung

Geglückte Rückkehr

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RECKLINGHAUSEN - Die Rückkehr der Närrischen Ratssitzung in den Großen Saal des 111 (!) Jahre alten Rathauses bot einen Paukenschlag, mit dem nicht zu rechnen war: Auf einmal hatte Recklinghausen ein Prinzenpaar, wenn auch nicht für lange.

Dem Vernehmen nach war es Putzfrau Elfriede (Dymke), die bei Reinigungstätigkeiten im frisch renovierten Gebäude ein gut konserviertes Prinzenpaar in den verstaubten Kellerräumen gefunden hatte: Und weil Recklinghausen in dieser Hinsicht eine äußerst schmerzhafte Vakanz aufzuweisen hat, wurde das Duo gleich reaktiviert – für die Dauer der Sitzung. Die ehrenwerten Tollitäten waren: Steffen I. (Klahn) und Martina I. (Moskau-Ruhnau). Er im vollen Prinzenornat, sie in einem Traum aus Viskose und Elastan. Und es war letztlich ein Rathaus-Mitarbeiter, der sich beim Anblick der Prinzessin zu der verträumten Aussage verstieg, dass der Begriff der Lieblichkeit nunmehr neu definiert werden müsse.

Der Einzug des Prinzenpaares samt Gefolge um 11.18 Uhr war stilecht, und als der Bürgermeister symbolisch den Stadtschlüssel überreichte, wurde sein Vorschlag, das offensichtlich funktionierende Prinzenpaar auf Lebenszeit zu verpflichten, vom anwesenden Narrenplenum einstimmig angenommen. Einen Scheck über 3333,33 Euro für das Carnevalskomitee Vest Recklinghausen (CVR) hatte Christoph Tesche auch noch dabei, im Gegenzug erhielt er dafür ein schwarzes Schwein.

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Närrische Ratssitzung auch in ihrer 58. Auflage nur ein Erfolg werden konnte, zumal es so schien, als wäre der „Neunerrat“ der handelnden Akteure nie wirklich weg gewesen: Ex-Bürgermeister Wolfgang Pantförder moderierte im Stil des jungen Thomas Gottschalk, es wurde gesungen und gescherzt, was das Zeug hielt, und wenn dabei die eine oder andere Pointe auf der Strecke blieb, dann schieben wir das an dieser Stelle einfach mal auf die günstigen Preise für Bier und Sekt, was den Geräuschpegel im „ausverkauften“ Ratssaal doch recht flink ansteigen ließ.

Ansonsten punkteten die Verantwortlichen vor allem mit „Standardsituationen“: Uli Engelmann und Heinz-Bernd Einck ließen als keifende „Moppas“ einmal mehr erahnen, dass es nicht nur schön sein muss, wenn man älter wird. Die Spottrocker um Thomas Walder, Steffen Klahn und nochmals Einck lieferten grundsolides Grünen-, Beamten- und Landrats-Bashing ab, und teilten am Ende noch mit, dass Cay Sübercrüb künftig Pflegestufe zwei erhalte – „für betreutes Arbeiten“. Und der „Düsselbecker“ alias „Landesandi“ Becker, der auch als rotes Kraftpaket angekündigt wurde, verteilte mit kräftiger Stimme wieder kräftige Karnevalshäme, die nicht zuletzt auch der neue Pressesprecher abbekam, der „ja jetzt auch offiziell für das Rathaus schreiben darf“. Letzterer wurde in der Sitzung gleich mehrfach erwähnt, nur bei der Namensfindung taten sich die Akteure schwer. Man einigte sich schließlich auf „Hermann Bückmann“.

Und dann war da noch Mathias Richter, der als „blau-gelber Narr“ so etwas wie der Cristiano Ronaldo der etwas anderen Ratssitzung ist: Möglicherweise nicht ganz so schön, aber mindestens so gefährlich und treffsicher. Als Mann mit einem weiten Horizont klärte er das Publikum nicht zuletzt darüber auf, wie sehr das weltpolitische Geschehen sich auch in Recklinghausen niederschlage – am Beispiel von Donald Trump und Mexiko: So habe man ja gehört, dass Christoph Tesche und der erste Beigeordnete Georg Möllers sich nicht mehr so gut verstehen würden, und am Ende aller Auseinandersetzung um zusätzliche Räume habe der Bürgermeister dann befohlen, dass eine fünf Meter hohe Mauer errichtet wird, damit der Möllers nicht mehr rüberkäme. „Und das Beste ist“, so Richter: „Der Möllers hat sie bezahlt.“

Um 13.45 Uhr war schließlich Schluss, der Ausmarsch erfolgte zu den Klängen von „Ich bin ein Recklinghäuser“ und mit dem Schwenken von Knicklichtern. So lassen sich Ratssitzungen ertragen.

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