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Seit 25 Jahren in der Drogenhilfe tätig: Peter Appelhoff.

Drogen

Cannabis freigeben! Das fordert einer, der es wirklich wissen muss

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Der Leiter der Drogenhilfe fordert eine Cannabis-Freigabe, um den Schwarzmarkt trockenzulegen. 

Peter Appelhoff (59) ist Geschäftsführer der Drogenhilfe. Er wirft der Landesregierung vor, sie lasse die Abhängigen im Stich. Seit der Umstellung auf den Euro sei der Zuschuss für die Beratungsstelle unverändert. Bewährt habe sich das Alkoholverbot am Busbahnhof, sagt er im Interview.

Vor acht Tagen hat die Drogenhilfe gemeinsam mit der Gastkirche der im vergangenen Jahr verstorbenen Drogenabhängigen gedacht. Wie haben Sie diesen Tag erlebt? 

Appelhoff: Es war sehr bewegend - wie stets in den Jahren zuvor. Viele unserer Klienten waren da, sie waren interessiert und betroffen. Bei den meisten Toten handelt es sich ja um Menschen, die sie kannten. 

Wobei die Zahl der Verstorbenen höher sein dürfte. Woran machen Sie das fest?

"Polizei-Statistik erfasst nicht alle Todesfälle"

Appelhoff: Die Polizei zählt nur die Todesopfer in ihrer Statistik, die nachweislich und eindeutig durch Drogen gestorben sind. Das sind Spritzdrogen-Konsumenten. Um es plastisch zu machen: Wenn jemand mit der Spritze im Arm aufgefunden wird. Es gibt aber auch solche, die durch eine Folgeerkrankung des Drogenkonsums sterben, beispielsweise durch eine Leberzirrhose. Ein anderes Beispiel: Ich hatte auch mal einen Klienten, der eine Überdosis knapp überlebte. Allerdings lag er bewusstlos so lange auf seinem Arm, dass wegen Minderdurchblutung Teile der Haut abgestorben waren. Weil er die Wunde nicht richtig behandeln ließ, ist er dann an einer Blutvergiftung gestorben. Solche Todesfälle werden von der Statistik der Polizei nicht erfasst. 

Wie bewerten Sie die politische Diskussion um die Legalisierung von Cannabis? 

Appelhoff: Ich bin dafür, Cannabis freizugeben. Dadurch würde der Schwarzmarkt ausgetrocknet und Dealern die Grundlage entzogen. Denn es werden hohe Gewinne erzielt, selbst für minderwertigen Stoff - was oft verheerende Folgen hat. Eine gezielte staatliche Abgabe würde ich daher begrüßen. Allerdings nur an Erwachsene.

"Alle Einkommenschichten konsumieren"

Ist Drogenkonsum hauptsächlich ein Problem in bildungsfernen Schichten? 

Appelhoff: Nein. Er erfasst alle Einkommensschichten. 

Im Zusammenhang mit dem Anstieg von Straftaten am Busbahnhof und dem Alkoholverbot als Folge hat sich die Szene an den Rand des Bahnhofs verlagert. Hat sich das bewährt?

Appelhoff: Ein klares Ja. Am Busbahnhof ist es ruhiger geworden - da war es in der Tat zu Auseinandersetzungen nach übermäßigem Alkoholkonsum gekommen. Also hat sich das Alkoholverbot bewährt. Und die Rechnung der Stadt, die Szene nicht komplett zu verdrängen, ist auch aufgegangen. Im Rathaus wäre man weit weniger erfreut, wenn die Szene vor dem Palais Vest säße. Auch wir sind froh, dass sie nicht zerschlagen worden ist. Das hätte unsere Arbeit sonst deutlich erschwert.

Wie groß ist die Szene?

 Appelhoff: Unsere Streetworker haben kürzlich an einem Tag 100 unterschiedliche Personen angetroffen, als sie mit dem Sprinter da waren. Manche bleiben über viele Stunden dort, andere nur kurz, um Spritzen zu tauschen.

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