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Mit Humor und Sachverstand: Stadtführer Ludger Streich interessierte sich schon immer für die Petruskirche. Auch während seiner abendlichen Führungen im Kostüm des Nachwächters führt sein Weg dort vorbei.

Serie: Mein Lieblingsplatz

Ludger Streich ist der Nachtwächter in Recklinghausen

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Recklinghausen - Ludger Streich führt mit Humor durch die Stadt und hat immer eine lustige Geschichte parat. Sehr gerne hält er an der Petruskirche.

Der Mann hat Humor – und so tritt er auch auf. Stadtführer Ludger Streich will die Menschen zum Lachen bringen. Er möchte sie „einfangen“ mit spannenden, fantasievollen und vor allem lustigen Geschichten. Zugegeben, die schmückt der 56-Jährige auch schon mal etwas aus. „Ich bete nicht einfach nur Daten und Zahlen herunter“, sagt er. Auf seinen Touren hält Streich besonders gerne an der Petruskirche – seinem Lieblingsort!

Begeistert blickt Streich hoch zum Turm des ältesten Gebäudes der Stadt. Das stammt aus dem Jahr 1247 und ist im spätromanischen Stil erbaut, verrät Streich. „Wir waren schneller als die Kölner, denn die legten erst ein Jahr später los und brauchten viel länger für ihren Dom.“ Er grinst. Als ehemaliger Messdiener und Kirchenmusiker fühlt er sich dem Recklinghäuser Gotteshaus eng verbunden. Aber das ist es nicht allein. „Hier spiegelt sich die Geschichte der Stadt wider, hier hat sich das Leben abgespielt.“

So ist St. Peter auch das erste Stein-Gebäude Recklinghausens. „Das Material kam aus dem Steinbruch von Oer-Erkenschwick.“ Ruck, zuck schlüpft Streich in seine Rolle. Plötzlich ist er nicht mehr der Familienvater, nicht mehr der Beamte der Stadtverwaltung, sondern der leidenschaftliche Stadtführer, der sich vor vier Jahren der Gilde angeschlossen hat und der bei seinen abendlichen Touren gerne das Kostüm des Nachwächters überstreift. „Für Stadtgeschichte habe ich mich immer schon interessiert“, berichtet der Mann mit der eckigen Brille und dem aufmerksamen Blick, der in Grullbad groß geworden ist.

Langsam geht er um die stattliche Kirche herum. Er könnte eine Menge erzählen. „Doch so viel Platz haben Sie gar nicht“, meint er und lächelt wieder so verschmitzt. Wie wäre es mit dem Klassiker für unsere Leser? Streich muss nicht lange überlegen. Es ist die Geschichte des Baumeisters, die an diesem Ort nicht fehlen darf. Der wurde und wurde nämlich nicht fertig mit der Petruskirche. Um den Zeitplan einzuhalten, schloss er einen Pakt mit dem Teufel. Als Lohn für seine Hilfe forderte Satan die Seele des Baumeisters. Als sich die Arbeiten dann überraschend zügig dem Ende näherten, wurde dem Baumeister angst und bange. Und er ersann eine List. Er setzte den letzten Stein einfach nicht ein…

Halt. Stopp. Der Experte ist in seinem Element, und die Sage geht noch weiter. Aber so viel Platz haben wir dann tatsächlich nicht. Also kürzt Streich ab, erzählt vom Stadtbrand 1500, dass die Kirche wieder auf- und bei der Gelegenheit die Sakristei angebaut wurde. Doch in einem anderen, einem filigraneren Stil. „Diesmal war es Gotik.“ Den Mix komplett macht der Turm, der 1670 nach einem Blitzeinschlag erneuert werden musste. Eine 72 Meter hohe Haube ersetzte fortan die Spitze. Und die kam in Barock daher.

Faszinierender Blick auf das Gewölbe

Selbstverständlich war er auch schon mal oben bei den Giganten, die die Stunde schlagen, bei den berühmten Bronze-Glocken des niederländischen Meisters Gerard van Wou: St. Peter, St. Johannes und Maria. Sie hängen neben ihren unbekannten Geschwistern Clemens August, Ludgerus und Michael. Der „Türmer“, der einst in einem winzigen Kabuff lebte, übernahm das Läuten. Und der Blick vom Dachboden aus hinab auf das sternförmige Gewölbe fasziniert Streich ebenfalls.

Aber zurück in die Gegenwart. Es gibt nämlich noch einen Grund, warum Streich diesen Ort und genau diesen so schätzt: „Er verbindet das Alte mit dem Modernen“, sagt er und zeigt zum neuen Museum hinüber, das einen reizvollen Kontrast zur historischen Petruskirche bildet…

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