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Alles muss raus: Stefanie Luhrenberg und Torben Hackbarth, Mitarbeiter in der Tagesstätte für Wohnungslose an der Herner Straße 8, packen schon kräftig Kartons ein, um Platz für die Handwerker zu schaffen.

Umbau der Tagesstätte

Obdachlose müssen sich gedulden

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RECKLINGHAUSEN - Sechs Wochen ohne Tagesstätte: Das wird hart für manchen Wohnungslosen. Zum Glück gibt es ja noch das Gasthaus.

Die Wände sind schon kahl, nur das Bild mit dem markanten Spruch „Eine Bank ist kein Zuhause“ hängt noch in der Tagesstätte für Wohnungslose an der Herner Straße. Dort stapeln sich die ersten Umzugskartons. Am Montag schließt der beliebte Treffpunkt im Haus des Diakonischen Werkes für sechs Wochen, dann übernehmen dort die Handwerker das Kommando. „Die Renovierung ist längst überfällig. Hier muss mal Grund rein“, sagt Abteilungsleiter Peter Erdmann und blickt auf vergilbte Wände und bröckelnden Putz.

„Natürlich ist das ein Einschnitt für unsere Besucher“, weiß Erdmann, „doch zu einem früheren Zeitpunkt konnten wir das nicht organisieren, waren Handwerker-Termine nicht zu bekommen. Da müssen wir jetzt durch.“ Den Plan B, die Räume im laufenden Betrieb zu renovieren, hatten Erdmann & Co. schnell verworfen. „Dann hätten wir drei bis vier Monate im Chaos verbracht.“

Die Männer und Frauen, die sonst an der Herner Straße ein- und ausgehen, finden nun im Gasthaus an der Heilige-Geist-Straße 7 eine Bleibe. „Sie sind dort ebenfalls willkommen“, so Erdmann. Vor 16 Jahren zog die Tagesstätte samt Beratungsstelle aus dem Keller des Diakonie-Gebäudes an der Hohenzollernstraße mitten in die Innenstadt an die Herner Straße 8. Und die Besucher folgten ihnen bereitwillig.

Montags bis freitags finden dort bis zu 30 einen warmen Unterschlupf. Sie können frühstücken und mittagessen, duschen und Kleidung wechseln, Fernsehen gucken und Zeitung lesen. Einmal pro Woche schaut ein Arzt vorbei. Und der Weg in die Beratungsstelle ist dann für die meisten ganz nah. „Das ist unser Vorteil“, erzählt Markus Just vom Beratungsteam. Die drei Sozialarbeiter helfen im Jahr bis zu 300 Menschen, die keine eigenen vier Wände mehr haben oder deren Verlust fürchten. Und ihr Einsatz ist nötiger denn je. „Momentan gibt es keine kleinen Wohnungen, der Markt ist tot“, berichtet Markus Just.

Übrigens: Die Beratungsstelle ist auch weiterhin erreichbar, montags bis freitags während der Sprechstunden von 9 bis 12 Uhr. Allerdings wird nun eine Etage tiefer gehämmert und gebohrt. Fachleute verlegen Leitungen und Fußböden, sie streichen und fliesen, sie bauen neue Türen, ein Bad und Toiletten ein. Eine fünfstellige Summe gibt die Diakonie dafür aus. Den genauen Betrag möchte Erdmann nicht verraten. Am Montag, 5. November, ist das Werk dann vollbracht, öffnet die Tagesstätte wieder ihre Pforten.

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