Autokorso von Corona-Leugnern
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Unter dem Motto „Fahrzeugkorso für die Gesundheit“ fuhren die Teilnehmer der Demo am Sonntag durch Recklinghausen, hier an der Alten Grenzstraße.

„Fahrzeugkorso für die Gesundheit“

Farbbeutel und Ei geworfen - Polizei schreibt mehrere Anzeigen nach Autokorso

  • Kathrin Grochowski
    vonKathrin Grochowski
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  • Thomas Fiekens
    Thomas Fiekens
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Mit einem Autokorso haben Corona-Leugner am Sonntag (20.12.) in Recklinghausen gegen die Schutzverordnung und die aus ihrer Sicht verfehlte Politik demonstriert. Die Polizei stellte mehrere Anzeigen.

Update, 22. Dezember: Der fast zweistündige Autokorso von Corona-Kritikern und -Skeptikern am Sonntag durch Teile des Stadtgebietes hat für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Allein auf der Facebook-Seite dieser Zeitung gibt es bislang mehr als 600 Kommentare zum Thema.

Laut Polizeisprecherin Ramona Hörst schlossen sich in der Spitze 93 Fahrzeuge der Wagenkolonne an. „Aus verkehrstechnischer Sicht verlief das Ganze störungsfrei“, berichtet die Behördensprecherin. Allerdings habe es drei Vorfälle gegeben, bei denen Passanten am Straßenrand gegen Demo-Teilnehmer vorgingen. Die Polizei hat Strafanzeigen geschrieben.

„Es gab einen Tritt gegen ein Auto, außerdem haben Unbekannte im Bereich Herner Straße/Bruchweg einen Farbbeutel gegen einen Wagen geworfen“, teilt Ramona Hörst mit. Vier Verdächtige seien zunächst vor der Polizei davongelaufen, später wurden ihre Personalien aufgenommen. „Und als sich der Korso auflösen wollte, ist an der Herner Straße ein Ei gegen ein Auto geflogen“, so Hörst weiter. Auch hier nahmen die Beamten die Personalien einer Verdächtigen auf.

Autokorso in Recklinghausen sorgt für Diskussion im Netz

Diese Vorfälle und die Diskussion im Internet zeigen: Nicht alle Bürger waren und sind mit derartigen Aktionen einverstanden. So gab es unter anderem Beschwerden über die Umweltbelastung durch die Fahrzeugkolonne und Klagen über Lärmbelästigung durch Hupkonzerte und lautstarke Gesänge wie „Maskenlos durch die Nacht“.

Zudem wurde bei Facebook die Frage aufgeworfen, ob der Autokorso von Leuten, die Teile des Rechtsstaates infrage stellen bzw. nicht akzeptieren, überhaupt genehmigt werden musste. Polizeisprecherin Hörst dazu: „Versammlungsfreiheit ist ebenso wie Meinungsfreiheit ein hohes Gut.“ Die Demo sei ordnungsgemäß angemeldet worden, die Fahrstrecke wurde im Vorfeld abgesprochen. „Der Autokorso wurde in dem Sinne nicht genehmigt, sondern lediglich bestätigt. Wer sich an die Spielregeln hält, wird von der Polizei begleitet.“

Bisher keine weitere Aktion in Recklinghausen angemeldet

Innerhalb der Kolonne hätten die Beamten keine Verstöße gegen Verkehrsregeln oder die Corona-Schutzverordnung festgestellt. Und: Bisher seien keine weiteren Aktionen dieser Art in Recklinghausen angemeldet.

Erstmeldung, 20. Dezember: Nach Angaben eines Sprechers der Polizei in Recklinghausen hatten sich die Teilnehmer zunächst an der Vestlandhalle getroffen. Angemeldet wurde der von den Behörden genehmigte Aufzug unter dem Motto „Fahrzeugkorso für die Gesundheit“ von einem Castrop-Rauxeler. Er hatte im Vorfeld mit 150 teilnehmenden Fahrzeugen gerechnet, am Ende setzten sich laut Polizei etwa 70 Autos an der Herner Straße in Bewegung.

Passanten in Recklinghausen reagieren mit Kopfschütteln

Die Kolonne fuhr über die Bochumer Straße, durch Süd und König Ludwig nach Ost, von dort in Richtung Innenstadt zur Wallumrundung, weiter durchs Nordviertel und zurück zur Vestlandhalle. Zahlreiche Autos mit Kennzeichen auch aus Essen, Unna, Dortmund und Düsseldorf waren mit herzförmigen Luftballons versehen, zudem waren Plakate mit Slogans wie „Wir gemeinsam für unsere Freiheit!“ an den Wagen angebracht. Unterwegs riefen die Fahrzeuginsassen immer wieder „Wir brauchen keine Maske!“. An den Straßenrändern sorgte der Autokorso vielfach für Kopfschütteln bei Passanten, einige empfanden das Gebaren der Demonstranten als aggressiv. Etliche unbeteiligte Rad- und Autofahrer mussten zwangsweise anhalten, um die Demo-Teilnehmer passieren zu lassen. Beamte der Polizei sicherten den Autokorso ab. Der sollte ursprünglich nur eine Stunde dauern, zog sich aber in die Länge.

Erst am Samstag hatte ein aus der „Querdenker“-Szene bekannter Straßenmusiker für einen größeren Polizeieinsatz auf dem Altstadtmarkt gesorgt. Auch am Sonntag hatte das Kreisgesundheitsamt neue Corona-Infektionen in Recklinghausen gemeldet.

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