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Gynäkologen des Prosper-Hospitals müssen sich vor Gericht verantworten.

Mutmaßlicher Behandlungsfehler

Nach Not-Kaiserschnitt und Urteil: So reagiert das Prosper-Hospital

Bei Reyhans Geburt im Prosper-Hospital in Recklinghausen wurde offenbar zu lange gezögert. Nun verzichtet die Klinik auf die Berufung.

  • Richter verurteilten Gynäkologen zu Zahlung von Schmerzensgeld
  • Prosper-Hospital ficht 450.000 Euro Urteil an
  • Entschluss, Reyhan mittels eines Not-Kaiserschnitts zur Welt zu holen, sei zu spät erfolgt

Update, 27. April, 12.15 Uhr: Das Prosper-Hospital hat seine Berufung gegen ein Urteil des Landgerichts Bochum im Zusammenhang mit der Klage gegen einen mutmaßlichen Behandlungsfehler bei der Geburt der kleinen Reyhan vor fast sechs Jahren zurückgezogen. Dies geht aus dem Schriftverkehr zwischen den Anwälten des Krankenhauses und der Anwältin der Familie des Kindes, Christel Dymke, hervor. 

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Rechtskräftig ist das Schmerzensgeld-Urteil der Bochumer Richter aber nicht. Dafür müsste der damals behandelnde Gynäkologe ebenfalls darauf verzichten, Berufung einzulegen.

Er und das Prosper-Hospital waren am 12. Februar wegen eines festgestellten „groben Behandlungsfehlers“ zusammen zur Zahlung von 450.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Darüber hinaus sollten beide Verurteilten grundsätzlich auch für alle künftigen materiellen Folgeschäden aufkommen müssen.

Erstmeldung, 25. April: Reyhan kam am 2. Juni 2014 mit irreparablen Hirnschäden auf die Welt. Eine eigenständige Lebensführung wird ihr nie möglich sein. Nun geht der Rechtsstreit um einen mutmaßlichen Behandlungsfehler in die zweite Instanz. 

Das Schmerzensgeld-Urteil des Bochumer Landgerichts ist nicht rechtskräftig. „Die Akten gehen zum Oberlandesgericht in Hamm“, bestätigte Gerichtssprecher Michael Rehaag. 

Gynäkologen zu sechsstelliger Schmerzengeldsumme verurteilt

Die Richter der 6. Zivil-Kammer in Bochum hatten am 12. Februar das Prosper-Hospital und den damals behandelnden Gynäkologen wegen eines festgestellten „groben Behandlungsfehlers“ zusammen zur Zahlung von 450.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Zudem sollten beide Verurteilten grundsätzlich auch für alle künftigen materiellen Folgeschäden aufkommen müssen. 

Der Entschluss, Reyhan mittels eines Not-Kaiserschnitts zur Welt zu holen, sei seinerzeit mindestens 24 Minuten zu spät gefallen, hatten die Richter in erster Instanz geurteilt.

Ärzte argumentieren mit Auf- und Ab der Herztöne

Angesichts der schon zuvor teils dramatisch gesunkenen Herzschlag-Frequenz hätte viel früher gehandelt werden müssen. Die Beklagtenseite, die im Vorfeld 50.000 Euro Ausgleich gezahlt hat, hatte argumentiert, dass sich die Herztöne von Reyhan während der Geburt immer mal wieder erholt hätten und somit ein Abwarten mit der Einleitung einer Not-Kaiserschnitt-Geburt erklärt.

Richter sehen Gynäkologen verantwortlich

Die Richter erklärten das Zeitversäumnis verantwortlich für die Hirnschäden der kleinen Reyhan. Die Berufungsverhandlung wird vor dem 26. Zivilsenat am Oberlandesgericht (OLG) in Hamm stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Von Werner von Braunschweig

Die kleine Amalia hatte es eilig. Bereits auf dem Weg ins Krankenhaus kam sie im Rettungswagen zur Welt.

Eine 58-jährige Frau ist im Mai 2017 Prosper-Hospital nach einer Bauch-Operation gestorben. Der behandelnde Arzt musste sich deswegen vor Gericht verantworten.

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