Gelbe Blumen verteilten die Corona-Skeptiker auf ihrem Weg durch die Innenstadt.
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Gelbe Blumen verteilten die Corona-Skeptiker auf ihrem Weg durch die Innenstadt.

Friedlicher Protest 

Kritik an Maßnahmen: Corona-Skeptiker spazieren durch Recklinghausen

  • Ralf Wiethaup
    vonRalf Wiethaup
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Es ist die Unzufriedenheit mit den aktuellen Verhältnissen, die rund 50 Menschen auf dem Rathausplatz zusammenführt. Sie üben Kritik an den Corona-Schutzmaßnahmen - und haben teils ungewöhnliche Argumente.

  • 50 Menschen versammelten sich am 13. Juni in Recklinghausen vor dem Rathaus.
  • Versammlung als Spaziergang angemeldet.
  • Corona-Skeptiker mit sehr unterschiedlichen Beweggründen. 

Angelockt worden sind sie durch Aufrufe in den sozialen Medien und nicht zuletzt auch durch Flugblätter und Plakate, die an einigen Stellen im Innenstadtbereich zu sehen waren. Am Anfang ist nur schwer zu erkennen, wer überhaupt dazugehört, da sich viele der Anwesenden in kleinen Grüppchen bewegen, die sich scheinbar zufällig vor dem Rathaus verteilen. Das mag der „Versammlungsform“ geschuldet sein, die ausdrücklich ein „Spaziergang für unsere Kinder & Jugend“ sein sollte und eben keine Demonstration, die bei der Polizei angemeldet werden muss.

Recklinghausen: Die Polizei ist nicht zu sehen

Letztere hatte deswegen angekündigt, dass sie genau hinschaut, was sich da am Kaiserwall tut. Doch entweder hat die Polizei auf ihr Kommen verzichtet oder sie hat es so unauffällig gemacht, dass man es nicht bemerkt hat. Sicher ist: Die Ordnungskräfte nicht zu sehen – und sie hätten letztlich auch keinen Grund zum Einschreiten gehabt. 

Schnell wird klar, dass die anwesenden Personen nicht nur rein äußerlich, sondern auch in Gesinnungsfragen keine homogene Gruppe darstellen. Was sie alle eint, ist ein kollektives Unverständnis für die Maßnahmen, die insbesondere Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung des Corona-Virus angeordnet hatten. Gleich mehrfach fällt der Begriff der „Unverhältnismäßigkeit“. Tatsächlich beklagt einer der „Spaziergänger“ einen persönlichen wirtschaftlichen Totalschaden, die meisten anderen sehen sich vor in ideeller Hinsicht beschädigt: „Niemand darf einem das Recht auf Selbstbestimmung nehmen“, erklärte eine ältere Frau, und damit zielte sie vor allem auf die Impfpflicht ab, „die wir komplett ablehnen.“ Aber allein schon die „krankmachenden“ Mund- und Nasenschutze seien ein Indiz für politische Willkür. 

Wann diese getragen werden müssen, erklären wir übrigens in unseren FAQ zur Corona-Krise.

Recklinghausen: "Diese Leute werden nicht gehört" 

Arne Schmitt ist derweil nicht zum ersten Mal am Rathaus: Er hat dort bereits vor zwei Wochen klavierspielend mehr „Mut zum Hinschauen“ angemahnt, und per T-Shirt fordert er auch am Samstag „Respekt für die Andersdenkenden“. Seine Meinung ist eindeutig: „Es gibt genug Ärzte und andere Fachleute, die erklären, dass der Lockdown falsch war und die Bedrohung durch den Corona-Virus nicht größer ist als bei einer Grippe. Doch diese Leute werden ja nicht erhört.“

Recklinghausen: Teilnehmer hat Exhumierung verlangt

Auch Uwe Rüding, der früher auch mal bei den Recklinghäuser Grünen aktiv war, ist gekommen. Er zweifelt die Zahl der Corona-Toten an: „99 Prozent der Verstorbenen waren alt, und sie hatten Vorerkrankungen. Die sind mit dem Corona-Virus, aber nicht durch den Corona-Virus gestorben.“ Deswegen hat er den Landrat auch schriftlich zur Exhumierung der ersten Toten aufgefordert, um diesen Umstand zu belegen. „In Hamburg hat man das gemacht, warum nicht auch hier?“ 

Recklinghausen: Kühne Behauptung - Bill Gates sei der wahre Feind 

Ein anderer Teilnehmer verteilt die „ExpressZeitung“, die in der Schweiz herausgegeben wird und laut Impressum acht Mal im Jahr die „Wahrheit über den Corona-Irrsinn erzählt“, wie der Verteiler erklärt. Bereits auf der Titelseite verdeutlicht eine Karikatur, wie die vermeintliche Wahrheit aussieht: Nicht das Virus ist der Gegner, sondern Milliardär Bill Gates, der nach erfolglosen Versuchen mit der Vogel- und der Schweinegrippe jetzt scheinbar mit Covid-19 ans Ziel gelangt. 

Doch nicht alle „Spaziergänger“ wollen diesen Weg mitgehen. Arne Schmitts Eltern leben noch, und er hat sie in den vergangenen Wochen nur unter gesicherten Umständen getroffen. „Wir sind ja auch dafür, dass Altersheime und ähnliche Institutionen geschätzt werden, aber über alles andere muss offen diskutiert werden“, findet Schmitt. Und deswegen sei man am Rathaus zusammengekommen. Um 16.15 Uhr startet er dann tatsächlich noch – der Spaziergang. Und auf dem Weg durch die Innenstadt verteilen die „Andersdenkenden“ gelbe Blumen – „als Symbol der friedlichen Energie“, wie einer der Teilnehmer erklärt. Und das hätte sogar der Polizei gefallen.

In Dortmund musste die Polizei am 16. Mai bei mehreren Versammlungen einschreiten.

Zu den größten Skeptikern gehört wohl Xavier Naidoo. Er sorgt immer wieder für scharfe Kritik.

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