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Tödliches Ende einer Autofahrt: Eine 88-Jährige starb im Dezember 2018, sieben weitere Menschen wurden an der Bushaltestelle verletzt.

Drama an Bushaltestelle 

Familienvater nach Todesfahrt in Recklinghausen zu drei Jahren Haft verurteilt

Das Urteil ist gesprochen: Der Hertener, der im Dezember mit seinem Auto in eine Bushaltestelle gefahren war und eine 88-Jährige getötet hat, muss für drei Jahre ins Gefängnis. 

Damit folgten die Richter am Landgericht Bochum der Forderung der Staatsanwaltschaft. Zusätzlich zu der Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Fahrens ohne Führerschein hat das Gericht den Familienvater (33) aus Herten mit einer vierjährigen Führerscheinsperre belegt.

Mit 37 km/h ins Wartehäuschen gefahren

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der Mann am Unfalltag im Dezember 2018 vorsätzlich mit Schlafmitteln in einen Zustand versetzt habe, in dem er sich nicht ans Steuer hätte setzen dürfen. Allerdings sah das Gericht keine Anzeichen für einen Mord- oder Suizidversuch. Auf dem Rückweg nach Herten habe der 33-Jährige nach dem Kreisverkehr an der Hertener Straße die Kontrolle über sein Auto verloren und sei mit 37 km/h in das Wartehäuschen gefahren. An der Bushaltestelle hielten sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Menschen auf. Neben der 88-jährigen Frau, die später ihren schweren Verletzungen erlag, wurden sieben weitere Passanten verletzt.

Angeklagter nimmt Urteil ohne Regung auf

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne äußerliche Regung mit gesenktem Kopf auf. Wie im gesamten Prozess wirkte er ruhig und gefasst. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Berichterstattung von Mittwoch, 25. September:

Die Staatsanwaltschaft hat am Bochumer Schwurgericht eine dreijährige Haftstrafe für den Autofahrer, einen 33-jährigen Familienvater aus Herten, beantragt. Die Verteidigung hingegen hält als Sanktion für den „tragischen Verkehrsunfall“ eine zweijährige Bewährungsstrafe für ausreichend. Der Pkw des Angeklagten war am 20. Dezember 2018 um 14.53 Uhr in eine vor der Bushaltestelle „Paulusstraße“ wartende Menschenmenge gefahren. Neben der 88-jährigen Seniorin wurden damals sieben weitere Passanten verletzt.

Angeklagter soll am Steuer telefoniert haben

Staatsanwältin Patricia Preuß nimmt dem Angeklagten seine Erklärung, er sei damals lebensmüde gewesen und am Steuer eingeschlafen, nicht ab. Sie geht vielmehr davon aus, dass der 33-Jährige während der Autofahrt „telefoniert hat und abgelenkt war“. Preuß: „Der Angeklagte war am Steuer mit allerhand anderen Dingen beschäftigt. Das ist der Grund, warum es zu dem Unfall mit einer getöteten Frau und mehreren Verletzten gekommen ist.“

Freilassung aus der Psychiatrie im August

Rechtlich sei das Geschehen als fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis zu werten, so die Anklägerin. Von einer absichtlichen Fahrt in die Menschenmenge wegen eines geplanten Mitnahme-Suizids, wie ursprünglich in der Mordanklage angenommen, war bereits seit der vorzeitigen Freilassung des Angeklagten aus der Psychiatrie-Unterbringung im August nicht mehr die Rede gewesen.

"Ich war an dem Tag nicht Herr meiner Sinne"

Der Angeklagte hatte im Prozess über Verteidiger Jens Tuschhoff erklären lassen: „Ich bin eingeschlafen und weiß nur, dass ich ganz plötzlich wieder aufgewacht bin.“ Verteidiger Siegmund Benecken sieht gar keinen Anhaltspunkt, an den Angaben zu zweifeln. „Ich halte es sogar für erwiesen, dass er eingeschlafen ist“, so der Marler Strafverteidiger. Und auch der Angeklagte beteuerte in seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung noch einmal: „Ich war an dem Tag nicht Herr meiner Sinne. Es tut mir leid, was damals geschehen ist.“

Von Werner von Braunschweig

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