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Ein Löwen-Tattoo allein reicht nicht, um am Charakter des Bewerbers zu zweifeln, entschied das Gericht (Symbolbild).

Gerichtsurteil

Kurioser Rechtsstreit: Recklinghäuser Polizeibewerber darf Löwen-Tattoo tragen

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Weil der Polizei das Tattoo eines Bewerbers aus Recklinghausen nicht passte, lehnte sie ihn ab. Es wecke Zweifel an dessen Charakter. Zu Unrecht, entschied ein Gericht. 

  • Die Polizei hatte den Bewerber aus Recklinghausen aussortiert
  • Das Tattoo wirke gewaltverherrlichend
  • Unzulässig, entschied das OVG Münster

Steht das Tattoo eines zähnefletschenden Löwenkopfs bei einem Polizeibewerber für eine gewaltverherrlichende Einstellung? „Nein“, urteilte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster am Donnerstag. 

Ein Bewerber aus Recklinghausen war von der Ausbildungsbehörde der NRW-Polizei wegen des Tattoos aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen worden. Es wecke Zweifel an der Charakterlichen Eignung des Bewerbers, weil es aggressiv und gewaltverherrlichend wirke, so die kuriose Begründung der Behörde. 

Tattoo reicht nicht, um am Charakter zu zweifeln

Der Recklinghäuser hatte geklagt und bereits vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen recht bekommen. Darauf wollte das Land NRW es aber nicht beruhen lassen und zog vor das OVG. Doch auch dieses stellte fest: Die Ablehnung war unzulässig.

Aus dem 22 mal 18 Zentimeter großen Tattoo auf der linken Brust auf den Charakter des Bewerbers zu schließen, gehe zu weit. Der „fein konturierten, realitätsgetreuen Abbildung eines männlichen Löwenkopfes in brüllender Manier“ komme kein eindeutiger Inhalt zu, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stelle. Um Zweifel an der charakterlichen Eignung des Kandidaten zu begründen, brauche es weitere Anhaltspunkte.

Polizeibewerber aus Recklinghausen bestreitet gewaltverherrlichende Einstellung

Der Recklinghäuser selbst hatte eine gewaltverherrlichende Einstellung bestritten. Aus seiner Sicht stehe der Löwe für „Stärke, Mut und Macht“, zitiert ihn das OVG in einer Mitteilung. Mit dem Urteil muss er wieder in den Kandidatenkreis für die Polizeiausbildung zum 1. September aufgenommen werden. Die Auswahltests hatte er bereits erfolgreich absolviert.

Weniger Erfolg vor Gericht hatte ein Polizist in einem ähnlichen Fall. Er darf sich nicht tätowieren lassen.

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