Angeklagte Lars H.
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Mit verdecktem Gesicht sitzt der Angeklagte Lars H. neben seinen Verteidigern im Gerichtssaal des Landgerichts Bochum.

Missbrauchsfall Marvin

Richter lehnen „Schnarchgutachten“ ab - Verteidiger stellen neue Beweisanträge

  • Werner von Braunschweig
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Der wegen Missbrauchs im Fall Marvin angeklagte Lars H. ist laut eines Gutachtens uneingeschränkt schuldfähig. Die Richter lehnten nun ein von seinen Verteidigern gefordertes Gutachten ab.

Update, 3. Februar: Im Prozess um den Fall Marvin haben die Richter am Bochumer Landgericht ein zuletzt beantragtes „Schnarchgutachten“ abgelehnt, mit dem die Verteidigung die Beweiskraft eines Videos erschüttern wollte. Die Anwälte des Angeklagten Lars H. aus Grullbad haben danach aber sofort rund ein Dutzend neue Beweisanträge gestellt.

Verteidiger Markus Kluck beantragte unter anderem, die behandelnden Ärzte von Lars H. als Zeugen zu vernehmen. Hintergrund ist unter anderem ein Schädelhirntrauma. Der Angeklagte will nach eigenen Angaben im Kindergartenalter unter einen Bus geraten sein, später ist bei ihm Epilepsie ausgebrochen.

Zwei Sachverständige hatten zuletzt aber praktisch ausgeschlossen, dass die schweren Kopfverletzungen schuldmildernde Auswirkungen auf die Persönlichkeit von Lars H. genommen haben. Durch einen Ablehnungsantrag wollen die Verteidiger nun ein weiteres psychiatrisches Gutachten erreichen. Stand Mittwoch wird der Prozess am 11. Februar fortgesetzt.

Meldung, 15. Januar: Im Missbrauchsprozess am Landgericht Bochum haben zwei Sachverständige dem Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Außerdem wurden am Donnerstag, 14. Januar, erstmals auch eigene Erklärungen des Angeklagten zu den mutmaßlichen Übergriffen auf den anfangs 13-jährigen Marvin bekannt.

Sexuelle Kontakte zu Marvin nicht ausgeschlossen

Lars H., der seit Prozessbeginn im Juni zu den Vorwürfen schweigt, hatte sich nach seiner Festnahme im Dezember 2019 sowohl mit Psychiaterin Maren Losch als auch mit Rechtspsychologin Sabine Nowara unterhalten. Und dabei regelmäßige sexuelle Kontakte zu Marvin keinesfalls ausgeschlossen. „Marvin wollte ja, dass ich jeden Abend etwas mache“, hatte Lars H. behauptet. Und damit in den Augen beider Sachverständigen nicht nur Verantwortungs- und Kritiklosigkeit, sondern auch beachtliche Bagatellisierungstendenzen offenbart. Angeblich will er Marvin damals auch allein „aus Mitleid“ bei sich in seiner Wohnung in Recklinghausen-Grullbad aufgenommen haben.

Gutachten attestiert „Hang zu erheblichen Straftaten“

Dass Lars H. im Laufe der Jahre pädophile Interessen ausgeprägt habe, davon gehen beide Gutachterinnen aus. In Bezug auf Marvin war im Prozess sogar von Zügen einer Liebesbeziehung die Rede. „Die Anklagevorwürfe als richtig unterstellt, hatte er in Marvin einen ‚Ersatz-Partner‘“, hieß es. Mit Blick auf eine möglicherweise über eine Gefängnisstrafe hinaus anzuordnende Sicherungsverwahrung bescheinigten beide Sachverständige Lars H. einen „Hang zu erheblichen Straftaten“ und auch eine äußerst „ungünstige Gefährlichkeitsprognose“. Es sei hochwahrscheinlich, dass er unbehandelt und in Freiheit sofort wieder Kontakte zu pubertierenden Jugendlichen suchen würde, hieß es.

Angeklagter aus Recklinghausen scheint gelangweilt

Der angeklagte Recklinghäuser Lars H. verfolgte die Ausführungen der Sachverständigen teils kopfschüttelnd, teils gähnend und demonstrativ gelangweilt. Der 45-Jährige soll Marvin hundertfach sexuell missbraucht haben. Entdeckt worden war der heute 16-Jährige Ende 2019 zufällig bei einer Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Schrank.

Hier geht es weiter zu unserer bisherigen Berichterstattung im Fall Marvin.

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