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Bleibt weiterhin geschlossen: die Sinn-Filiale an der Breiten Straße in Recklinghausen.

Einzelhandel in der Corona-Krise

Sinn-Filiale dürfte am Montag öffnen, doch Unternehmen spricht sich dagegen aus

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Ab Montag dürften auch Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern unter Auflagen öffnen. Doch die Sinn-Filiale spricht sich dagegen aus.

  • Sinn-Sprecher Friedrich-Wilhelm Göbel vermisst Planungshorizont
  • "Derzeitige Regelung ist reine Willkür"
  • Filiale am Markt soll weiterhin geschlossen bleiben

Update, 23. April: Erst will die Sinn-Filiale am Altstadtmarkt öffnen und darf nicht, jetzt darf sie und möchte aber scheinbar nicht mehr. Wie die Landesregierung am Mittwoch verfügte, dürften ab kommenden Montag, 27. April, -  unter gewissen Auflagen - auch die Geschäfte öffnen, die ihre Verkaufsfläche auf höchstens 800 Quadratmeter Verkaufsfläche reduzieren können.

Das beträfe unter anderem das Modeunternehmen Sinn am Altstadtmarkt, doch Unternehmenssprecher Friedrich-Wilhelm Göbel spricht sich deutlich gegen eine übereilte Öffnung aus.

Investition in Recklinghausen sei verschenktes Geld

„Das ist aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen nicht zu rechtfertigen – und das betrifft ja nicht nur Recklinghausen. Wir könnten jetzt schnell in einigen Filialen viel Geld investieren, um am Montag zu öffnen, doch wenn wir dann ohnehin in absehbarer Zeit wieder aufmachen dürfen, wäre das verschenktes Geld“, erklärt Göbel.

Er ärgert sich über das Durcheinander, das die Politik gerade verursacht: „Die agieren wie ein Hühnerhaufen.“ Göbel setzt jetzt auf den 30. April, an dem über weitere Lockerungen beraten wird: „Sollte es nicht dazu kommen, müssen wir eventuell umdenken.“

Erstmeldung, 16. April: Die verkündeten Lockerungen im Zuge der Corona-Krise sorgen für großen Ärger bei der Modekette Sinn. Die Eigentümer prüfen gerade, ob eine Klage gegen den Staat Aussicht auf Erfolg hat. Unternehmenssprecher Friedrich-Wilhelm Göbel ist enttäuscht, dass die Filiale in Recklinghausen vorerst nicht wieder öffnen darf. "Meine Erwartungshaltung war, dass die Regierung eine zeitliche Perspektive eröffnet, dass wir am 2. oder 4. Mai wieder loslegen können. Jetzt ist alles noch viel schlimmer als vorher. Wir haben überhaupt keinen Planungshorizont mehr." Das sei "völlig inakzeptabel" und zeige, "dass die Politiker kopflos und mit wenig gesundem Menschenverstand handeln". 

Friedrich-Wilhelm Göbel ist Unternehmenssprecher von Sinn.

Eine Teilöffnung des Ladens, um so auf eine Verkaufsfläche von weniger als 800 Quadratmetern zu kommen, hält Göbel für schwierig. "Sie können nicht einfach nur einen Teil des Geschäftes öffnen. Fluchtwege und Brandschutz gilt es zu berücksichtigen, Sie müssen mit der Versicherung sprechen und das Sortiment hin und herräumen." Auch den Online-Vertrieb sieht Sinn-Sprecher Göbel nicht als Alternative. Er geht mit der Politik hart ins Gericht: "Die derzeitige Regelung ist reine Willkür. Da hätte man auch sagen können, jedes zweite Geschäft darf öffnen. Zumal wir in den großen Geschäften die Abstandsregelungen doch viel besser einhalten können als in kleinen." Er führt das Beispiel Österreich an, wo pro Kunde 20 Quadratmeter Fläche erlaubt seien. "Das wäre für uns eine gute Lösung. Mehr als 70 Kunden haben wir fast nie gleichzeitig im Laden." 

Es geht auch um Arbeitsplätze in Recklinghausen

Friedrich-Wilhelm Göbel glaubt, dass das Unternehmen die aktuelle Situation "vielleicht noch bis Mai" durchhalten könne. "Wir wollen möglichst viele oder am besten alle Arbeitsplätze halten. Eventuell geht das am Ende nur mit einer Insolvenz." Die 40 Mitarbeiter des Recklinghäuser Modehauses befinden sich derzeit allesamt in Kurzarbeit.

Alle Entwicklungen im Zuge der Corona-Krise in Recklinghausen lesen Sie in unserem Ticker.

Eine zentrale Nord-Süd-Verbindung in Recklinghausen ist endlich für den Verkehr freigegeben.

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