„Medizinische Flüchtlingshilfe“

Medikamente gesucht

RECKLINGHAUSEN - Inmitten der Flüchtlingswelle 2015 hatte der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Anlaufstelle am Neumarkt 34 in Süd ins Leben gerufen. Asylsuchende bekommen eine medizinische Grundversorgung und werden durchs deutsche Gesundheitssystem gelotst. Jetzt braucht man dort Medikamente.

260 Patienten wurden 2017 behandelt, im Vorjahr waren es noch 500. Die Palette der behandelten Erkrankungen reichte vom Schnupfen, über die Sportverletzung bis zum Hautausschlag. Gesucht werden nun vom SkF nicht mehr benötigte Arzneimittel, die einwandfrei verpackt sind und deren Verfallsdatum noch nicht abgelaufen ist. Der Sozialverband bittet die Bürger, einen Blick in ihren Arzneischrank werfen. „Bevor das Verfallsdatum überschritten ist, erfüllen nicht mehr benötigte Medikamente bei uns einen wirklich guten Zweck“, versichert Koordinator Pascal Thyron.

Die „Medizinische Flüchtlingshilfe“ des SkF ist keineswegs eine Konkurrenz zur ärztlichen Versorgung in Stadt und Kreis. „Die Klienten bekommen bei uns Tabletten für die Erstbehandlung und gehen am nächsten Tag zum niedergelassenen Arzt“, erklärt Thyron. In Härtefällen werde unentgeltlich Hilfe geleistet. „Ein Grippepaket aus der Apotheke für 20 Euro kannst du nicht mal eben bezahlen, wenn du von 300 Euro lebst“, fügt Thyron an.

Es gibt aber auch Patienten mit einem behandlungsbedürftigen Befund, bei denen der Kostenträger nicht alle notwendigen Medikamente bezahlt. „Die Rahmenbedingungen sind vom Gesetzgeber eng gefasst“, erklärt Ute Pahnke, Vize-Vorsitzende des SkF. In solchen Fällen finanziert der Wohlfahrtsverband die Behandlung aus Eigenmitteln und Spenden.

Auch wenn die Zahlen rückläufig sind, sieht der SkF weiter einen ausreichenden Bedarf und will den Dienst langfristig aufrechterhalten. Der Verband gründete die „Medizinische Flüchtlingshilfe“ im November 2015, um unbürokratisch zu helfen. Koordinator Thyron: „Die Asylbewerber sind mit dem deutschen Gesundheitssystem anfangs nicht klargekommen.“ Vier Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen untersuchen seitdem die Flüchtlinge bei akuten Notfällen. Dr. Markus Dechêne führt jeden Donnerstag von 17.30 bis 19.30 Uhr die Sprechstunde durch. Kinderarzt Dr. Dirk Weinrich besucht die kleinen Patienten direkt in den Unterkünften. Dr. Ursula Langhorst deckt montags den Bereitschaftsdienst von 10 bis 12 Uhr ab und Dr. Christine Gathmann von „pro familia“ stellt sich je nach Bedarf zur Verfügung.

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