Miet-Toiletten in rot, gelb und grün
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Rainer Haags und Dijbril Sarrs Miet-Toiletten kommen in den Landesfarben daher. Nur die Eingangstür ist grau.

Ungewöhnliche Geschäftsidee

Unternehmer aus Recklinghausen schafft Arbeitsplätze im Senegal - mit Dixi-Klos

  • Ulrike Geburek
    vonUlrike Geburek
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Rainer Haag (60) besitzt eine Wein-Agentur und hatte mit stillen Örtchen nichts im Sinn - bis zum Jahr 2017. Da hat der Recklinghäuser Miet-Toiletten nach Afrika gebracht und Arbeitsplätze geschaffen.

Es waren die südafrikanischen Weine, die Rainer Haags Interesse für den afrikanischen Kontinent geweckt haben. 1999 flog er erstmals nach Südafrika, 2002 lernte er den mittlerweile pensionierte Lehrer Walter Schorm kennen, der seit vielen Jahren Hilfsaktionen in den Dörfern Senegals auf den Weg bringt und Rainer Haag die Armut im Senegal näher brachte.

Seit Jahren schon unterstützt Rainer Haag 25 Kinder, die die Privatschule „Collège Mboutou Sow“ in Kaolack besuchen. „Wir müssen unbedingt in Bildung investieren“, sagt der Unternehmer. Denn ein großer Teil der senegalesischen Bevölkerung besteht aus Analphabeten. Darum wirbt er um Paten, die den Jungen und Mädchen den Schul-Besuch bezahlen (siehe Info). „Die öffentlichen Schulen sind schlecht. Damit kommen sie nicht weit“, berichtet Haag. Seine Wahl fiel darum auf die Privatschule mit gutem Ruf. Doch mittlerweile weiß Haag auch: „Wir brauchen dort Arbeitsplätze.“

Dixi-Klos aus Recklinghausen schaffen Jobs im Senegal

Haag überlegte und kam schließlich auf die Idee eine Firma für Miet-WCs zu gründen. „Denn seit 2017 ist im Senegal das öffentliche Urinieren verboten“, berichtet Rainer Haag, „aber es gab keine Toiletten.“ Die Idee war geboren. Zumal: „Ich habe mal während des Studiums beim Unternehmen Dixi-Klo gejobbt und kannte mich aus.“

In Dijbril Saar, den Cousin seines besten Freundes fand Rainer Haag einen motivierten Mitstreiter. Dann hieß es, kurz gesagt, ein Unternehmen gründen, beim Notar alles klar machen, mobile Klos kaufen, einen Lastwagen noch dazu, den Hochdruckreiniger, die Pumpe, einen Fäkalien- und den Frischwassertank nicht zu vergessen. Fertig. Ab aufs Schiff. Und tschüss.

20 Miet-WCs stehen in Keur Massar

Nun stehen die 20 Miet-WCs an Baustellen, vor Moscheen oder auf Militär-Stützpunkten und zwar in Keur Massar, einer Stadt im Senegal mit 300.000 Einwohnern in der Nähe von Dakar. Dijbril Sarr stellte die nötigen Kontakte her. Rainer Haag und sein Geschäftspartner konnten schnell die ersten zwei Mitarbeiter einstellen: für Organisation, Vermietung, Reinigung und Transport. Weitere 30 WCs sollen folgen. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass die stillen Örtchen aus Recklinghausen picobello sind ... Einen ausführlicheren Bericht mit weiteren Fotos gibt‘s im E-Paper.

„Lebensmittelhilfe“ im Kampf gegen den Hunger

Um den schlimmsten Hunger zu lindern, organisiert Rainer Haag Essenszuschüsse für die Ärmsten in seinem Projekt. Mit je 25 Kilo Reis, fünf Litern Öl und zwei Kilo Milchpulver im Monat kommen die 15 acht- bis zehnköpfigen Großfamilien über den Monat. Von 25 Euro kann eine von ihnen sieben Monate lang leben. Rainer Haag freut sich über jeden Unterstützer.

Helfen können die Menschen auch, wenn sie eine Patenschaft für ein Kind übernehmen, damit es das „Collège Mboutou Sow“ in Kaolack besuchen kann. Die Lehrer betreuen die Kinder dort von der Grundschule an. Später können die Schüler drei Abschlüsse machen, in etwa vergleichbar mit dem Haupt- und Realschulabschluss sowie dem Abitur. Zwischen 250 und 420 Euro beträgt der jährliche Patenbeitrag (je nach Stufe).

Wer sich an der Lebensmittelhilfe beteiligen, eine Patenschaft übernehmen oder Geld spenden möchte, kann Rainer Haag eine Mail schicken: r.haag@invito-weine.de

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