Ein 28-jähriger Recklinghäuser ist vor dem Bochumer Schwurgericht verurteilt worden.
+
Ein 28-jähriger Recklinghäuser ist vor dem Bochumer Schwurgericht verurteilt worden.

Lebensgefährlicher Hausbrand

Urteil gefällt: 28-Jähriger muss viele Jahre ins Gefängnis

  • Werner von Braunschweig
    vonWerner von Braunschweig
    schließen

Im März 2020 soll er Feuer gelegt haben in einem Haus an der Marienburger Straße. Am Freitag ist am Bochumer Schwurgericht ein hartes Urteil gefällt worden. Der Angeklagte muss viele Jahre ins Gefängnis.

Update, 27. März: Ein Jahr nach einem lebensgefährlichen Hausbrand an der Marienburger Straße hat das Bochumer Schwurgericht am Freitag einen vielfach vorbestraften Strafhäftling zu neun Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Inklusive einer vorab ohnehin noch bis Ende 2022 zu verbüßenden anderen Strafe hat der 28-Jährige damit jetzt fast elfeinhalb Jahre Haft vor der Brust.

Im Einklang mit der Staatsanwaltschaft waren auch die Richter der Überzeugung, dass nur der Angeklagte in der Nacht auf den 8. März 2020 den Brand in dem Wohnhaus gelegt haben kann. Der Tatnachweis sei aufgrund zahlreicher Belastungen, unter anderem dem bewussten Handyausschalten und dem videografierten Durchschreiten des Bahnhofs in Richtung Osten passend zum Zeitfenster des Brandes, „relativ einfach gewesen“, hieß es.

Tatentschluss aus Frust gefasst

„Dass der Angeklagte selbst um den Preis des Todes der Hausbewohner handelte, vermochten wir nicht festzustellen“, sagte Richter Josef Große Feldhaus. Vorrangiges Ziel sei es gewesen, seiner im Haus lebenden Ex-Freundin „Angst einzujagen, sich an ihr zu rächen und sie zu bestrafen“. Diesen Tatentschluss habe der 28-Jährige spontan aus Frust und Wut gefasst.

Die Überzeugung, dass der bis zuletzt bestreitende Angeklagte der Brandstifter gewesen ist, stützte das Gericht nicht zuletzt auch auf eine Parallel-Situation. Schon 2013 hatte in einem Recklinghäuser Wohnhaus einer anderen Ex-Freundin des vierfachen Vaters nach einem Streit eine Fußmatte gebrannt. Der Angeklagte nahm das auf besonders schwere Brandstiftung lautende Urteil äußerlich völlig reglos entgegen. Einen ausführlicheren Bericht gibt es in unserem ePaper.

Update, 23. März: Im Prozess um den gefährlichen Wohnhausbrand an der Marienburger Straße hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag für den Angeklagten lebenslange Haft plus die Feststellung der besonderen Schuldschwere beantragt. Verteidiger Olaf Krekeler dagegen forderte einen Freispruch. Das Urteil will das Bochumer Schwurgericht am Freitag verkünden.

Weiter könnten die Anträge nicht auseinanderliegen: Staatsanwältin Svenja Große-Kreul ist überzeugt, dass nur der vierfache Vater (28) in der Nacht auf den 8. März 2020 das Feuer gelegt haben kann. „Er hat die Tat begangen aus Frust, Ärger und Wut“, sagte die Anklägerin. Auch wenn der Strafhäftling die Brandlegung bestreite, sei er durch zahlreiche belastende Umstände überführt, habe beispielsweise durch einen Trennungszoff mit einer Hausbewohnerin zuvor massive Nachteile erlitten – und damit ein Motiv gehabt. Daher der Antrag: lebenslange Haft wegen achtfachen Mordversuchs. Die zusätzlich beantragte Schuldschwere würde eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausschließen.

Mann aus Recklinghausen beteuert Unschuld

Aus der Sicht von Verteidiger Olaf Krekeler gibt es dagegen keinen einzigen stichhaltigen Beweis, dass der Angeklagte der Brandstifter gewesen sein könnte. Alles vermeintlich Verdächtige beruhe auf Hypothesen, Vermutungen und Spekulationen, das vermeintliche Motiv sei unterm Strich „vollkommen schwammig“. Anwalt Olaf Krekeler: „Der Streit mit der Hausbewohnerin war doch schon zwei Monate lang beendet. Sie war gar kein Thema mehr für ihn.“ Und auch der Angeklagte beteuerte im letzten Wort: „Ich habe den Brand nicht gelegt.“ Einen ausführlicheren Bericht gibt es am Mittwoch, 24. März, im ePaper.

Update, 18. März: Im Prozess um den gefährlichen Wohnhausbrand an der Marienburger Straße haben zwei Gutachter dem Angeklagten zwar psychische Störungen, aber unterm Strich zweifellos eine uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Folgt das Bochumer Schwurgericht der Expertise im Falle einer Verurteilung, bedeutet das für den mutmaßlichen Brandstifter eine Bestrafung mit der vollen Härte des Gesetzes.

Das Gutachterduo Dr. Sabine Nowara (Rechtspsychologin) und Dr. Egbert Kühn (Psychiater) gelangte nach einem Explorationsgespräch mit dem vielfach verurteilten Strafhäftling am Donnerstag übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass der 28-Jährige einerseits eine anti-soziale Persönlichkeitsstörung aufweise. Obendrein seien bei ihm „psychopathische“ Auffälligkeiten festzustellen. Der notwendige Schweregrad für eine Abmilderung der Zurechenbarkeit sei dadurch aber keinesfalls erreicht. „Aus unserer Sicht ist der Angeklagte voll verantwortlich“, lautet das Fazit der Sachverständigen. Eine Gefährlichkeitsprognose in seinem Fall sei „sehr ungünstig“. Mehr dazu gibt‘s im ePaper.

Update, 15. März: Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Montag der Prozess um den lebensgefährlichen Wohnhausbrand an der Marienburger Straße fortgesetzt worden. Ein Vater, der mit der damaligen Hausbewohnerin, die laut Anklage durch das Feuer aus Rache ermordet werden sollte, im Clinch lag, beteuerte am Bochumer Schwurgericht: „Ich habe mit dem Brand nichts zu tun.“

Der Bauhelfer (39) räumte zwar ein, seinerzeit „sauer“ auf die Anwohnerin gewesen zu sein. Anlass dafür sei gewesen, dass die zweifache Mutter ihn beim Jugendamt wegen eines angeblichen Po-Tritts gegen seine kleine Tochter angeschwärzt hatte. Dass er deswegen absichtlich ein Feuer lege, könne er aber ausschließen. „Das würde ich niemals bringen“, versicherte der Zeuge den Bochumer Richtern.

Zeuge hat Alibi für die Brandnacht

Er habe der Anwohnerin nach einem handfesten Streit im Treppenhaus des Wohnhauses zwar tatsächlich angedroht: „Das wirst du noch bereuen.“ Diesen Spruch wollte der 39-Jährige aber allein bezogen auf eine damals kassierte Ohrfeige verstanden wissen. Für die Brandnacht habe er zudem ein Alibi.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein vielfach verurteilter Strafhäftling (28) am 8. März 2020 bei einem Wochenend-Ausgang das Feuer gelegt hat, um sich an seiner Ex-Freundin zu rächen. Angeblich konnte er die Trennung nicht akzeptieren. Auch der 28-Jährige will nichts mit dem Brandanschlag zu tun haben.

Er will damals in einer Kneipe gezecht und dann mit dem Nachtbus spät nach Hause gefahren sein. Ein Türsteher erinnerte sich, den mutmaßlichen Brandstifter mit versteinerter Miene beim Betreten der Kneipe beobachtet zu haben: „Er ist wie ein Gipsmann durch die Tür gegangen.“ Der Mordversuch-Prozess wird fortgesetzt.

Update, 26. Februar: Mit der Vernehmung des ersten direkt betroffenen Opfers ist am Freitag der Prozess um einen lebensgefährlichen Wohnhausbrand an der Marienburger Straße fortgesetzt worden. Eine 85-jährige Rentnerin leidet bis heute unter den Folgen der dramatischen Flammen-Nacht. „Wenn ich abends im Bett liege, geht mir das immer wieder durch den Kopf“, sagte die Seniorin am Bochumer Schwurgericht.

Die Nacht auf den 8. März 2020 wird die Anwohnerin wohl nie mehr vergessen. Sei habe bis kurz nach Mitternacht Fernsehen geschaut und sei dann schlafen gegangen. Anderthalb Stunden später sei sie „durch ein Piepen von einem Rauchmelder“ aus ihrer Tiefschlafphase gerissen worden.

Brennende Styroporplatten fielen von der Decke

„Im ersten Moment ging es mir in den Kopf, dass irgendetwas explodiert ist.“ Als sie die Schlafzimmertür geöffnet hatte, sah sie sofort Qualm und Flammen. Brennende Styroporplatten fielen von der Decke. „Ich bin im Nachthemd und barfuß ins Treppenhaus gelaufen“, so der Zeugin. Dann habe sie ein Polizist nach draußen begleitet.

Sowohl körperlich („Ich hatte die Füße und eine Hand verbrannt“) als auch seelisch waren die Folgen der Brandnacht massiv. Die Seniorin musste ihre zerstörte Wohnung verlassen, war monatelang auf Pflegeunterstützung angewiesen. Inzwischen lebt sie wieder in in „ihrer“ Wohnung.

Anklage lautet auf Mordversuch

Laut Staatsanwaltschaft soll ein vielfach verurteilter Strafhäftling bei einem Wochenend-Ausgang das Feuer gelegt haben, um sich an seiner Ex-Freundin, die in dem Mietshaus wohnt, zu rächen. Der 28-Jährige bestreitet das. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

Erstmeldung, 22. Februar: Die Bewohner hatten großes Glück in jener Nacht im März vorigen Jahres. Sie kamen mit leichten bis mittleren Brandverletzungen davon. Gleich an mehreren Stellen soll der vorbestrafte Recklinghäuser Feuer gelegt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich an seiner Freundin rächen wollte. Die hatte kurz zuvor per SMS mit ihm schlussgemacht.

Fluchtwege bewusst abgeschnitten

Gegen zwei Uhr nachts soll der wegen Diebstahls verurteilte Mann, der gerade Hafturlaub genoss, Wäschestücke auf den Fußmatten der vier Wohnungen verteilt, angezündet und so bewusst auch die Fluchtwege versperrt haben. Es sei allein glücklichen Umständen und der rechtzeitigen Brandentdeckung zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist, hieß es. Alle acht Hausbewohner, darunter zwei Kinder und eine 84 Jahre alte Dame schwebten laut Anklage in Lebensgefahr.

Eine Anwohnerin (39) von der Marienburger Straße berichtete als Zeugin, dass sie nachts durch ein lautes „Piep-Geräusch“ (offenbar von einem Brandmelder) aufgeschreckt sei und den Notruf abgesetzt habe. „Ich bin dann sofort rüber und habe überall geschellt“, so die Augenzeugin. Die Seniorin erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades an den Füßen. Im Nachthemd sei sie nach draußen geführt worden.

Verteidiger Olaf Krekeler erklärte, sein Mandant habe das Feuer nicht gelegt. Der 28-jährige vierfache Vater habe zum vermeintlichen Tatzeitpunkt in einer Kneipe gezecht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Anspruch auf Entschädigung: Anwalt aus Recklinghausen reicht Corona-Petition ein
Anspruch auf Entschädigung: Anwalt aus Recklinghausen reicht Corona-Petition ein
Anspruch auf Entschädigung: Anwalt aus Recklinghausen reicht Corona-Petition ein
18 weitere Corona-Infektionen - Inzidenz bei 219 in Recklinghausen
18 weitere Corona-Infektionen - Inzidenz bei 219 in Recklinghausen
18 weitere Corona-Infektionen - Inzidenz bei 219 in Recklinghausen
Neuer Teich und Bassins im Stadtgarten - Stadt stellt konkrete Pläne vor
Neuer Teich und Bassins im Stadtgarten - Stadt stellt konkrete Pläne vor
Neuer Teich und Bassins im Stadtgarten - Stadt stellt konkrete Pläne vor
Unfall an der Overbergstraße in Recklinghausen mit 100.000 Euro Schaden: War es ein illegales Rennen?
Unfall an der Overbergstraße in Recklinghausen mit 100.000 Euro Schaden: War es ein illegales Rennen?
Unfall an der Overbergstraße in Recklinghausen mit 100.000 Euro Schaden: War es ein illegales Rennen?
Vier neue Corona-Infektionen - Inzidenz steigt auf 105 in Recklinghausen
Vier neue Corona-Infektionen - Inzidenz steigt auf 105 in Recklinghausen
Vier neue Corona-Infektionen - Inzidenz steigt auf 105 in Recklinghausen

Kommentare