Im blauen T-Shirt erschien der Angeklagte zum Prozessauftakt.
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Im blauen T-Shirt erschien der Angeklagte zum Prozessauftakt.

Bochumer Landgericht

Marvin in Quarantäne - Vernehmungstermin zum wiederholten Mal geplatzt

  • Werner von Braunschweig
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Die für Samstag angesetzte Vernehmung Marvins ist zum wiederholten Mal verschoben worden. Der Grund: Der Hauptbelastungszeuge befindet sich in Quarantäne.

Update, 23. November: Mehr als fünf Monate nach dem Auftakt im Prozess um den Fall Marvin konnte der heute 16-jährige Hauptbelastungszeuge immer noch nicht vernommen werden. Am vergangenen Samstag platzte am Bochumer Landgericht abermals ein Vernehmungstermin – denn Marvin selbst weilt zurzeit in Quarantäne.

Der Grund: Er soll kürzlich mit einem später positiv auf das Corona-Virus getesteten Betreuer in einem Auto gesessen haben und habe sich freiwillig in Quarantäne begeben. Den Bochumer Richtern reichte dies mangels einer offiziellen Quarantäne-Anordnung zunächst nicht als Entschuldigungsgrund aus. Weil Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau später erklärt haben soll, dass sie partout nicht mit Marvin in einem Raum sitzen möchte, platzte am Ende auch dieser Vernehmungstermin – wie zuvor schon im Juni, Juli und August. Wie es heißt, läuft die Quarantänezeit von Marvin am Mittwoch ab. Danach wird wohl erneut ein Zeugentermin anberaumt werden.

Erstmeldung, 11. November: Im Anschluss an den letzten Sitzungstag am 4. November ist einer der Schöffen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nun stehen alle Richter der 8. Strafkammer vorerst unter Quarantäne. Der Missbrauchsprozess um Marvin K. ist damit erst einmal lahmgelegt. Auch Marvins Vernehmung am 14. November ist bereits gestrichen.

Die betroffene 8. Strafkammer hat die nächsten drei geplanten Verhandlungstage am 14., 16. und 17. November aufgehoben. Die drei Berufsrichter wurden unter behördliche Quarantäne gestellt, ebenso die Schöffen. „Auch alle weiteren Verfahrensbeteiligten und die Justizvollzugsanstalt sind vonseiten des Gerichts unverzüglich informiert worden“, erklärte Gerichtssprecher Michael Rehaag.

Unterbrechung bis Januar 2021 möglich

Die Richter planen, den Prozess am 21. November fortzusetzen. Ob sich das umsetzen lässt, ist aber noch unklar. Denn sicher ist: Unabhängig vom Quarantäne-Ablauf kann das Verfahren nicht ohne eine vollständige Wiedergenesung des infizierten Laienrichters fortgesetzt werden. Nach derzeitigem Stand ist rechtlich eine Maximal-Unterbrechung des Prozesses bis Januar 2021 möglich.

Antrag auf einstündiges Verhandeln zurückgewiesen

Ausgerechnet am letzten Verhandlungstag hatte sich das Gericht noch ausführlich mit der Corona-Infektionsgefahr auseinandergesetzt und einen Antrag der Verteidigung auf höchstens einstündiges Verhandeln zurückgewiesen. Dem im Prozess schweigenden Lars H. wird vorgeworfen, den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung an der Hochstraße hundertfach missbraucht zu haben.

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