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Der Angeklagte wird noch am Dienstag aus der Haft entlassen.

Haltestellen-Drama in Recklinghausen

Alles nur ein Unglück? Im Prozess um die Todesfahrt in Recklinghausen gibt es eine verblüffende Wendung

Der Prozess um den angeklagten Todesfahrer vor dem Bochumer Gericht hat eine entscheidende Wende genommen. Die Richter erhören die Worte der Verteidiger. 

Im Prozess um die Autofahrt in eine Menschenmenge an der Hertener Straße mit einer Toten hat der Angeklagte aus Herten am Dienstag sein Schweigen gebrochen. „Ich bin eingeschlafen und weiß nur, dass ich ganz plötzlich wieder aufgewacht bin“, hieß es in einer von seinem Anwalt Jens Tuschhoff verlesenen Erklärung. 

Weil die Verteidiger die Beweislage für ein Tötungsdelikt inzwischen als absolut unhaltbar einstufen, haben sie zudem die sofortige Freilassung des 33-Jährigen beantragt.

Richter entlassen den Angeklagten

Die Richter des Bochumer Schwurgerichts haben sich im Anschluss an den Antrag des Verteidiger-Duos Siegmund Benecken und Jens Tuschhoff sofort zu einer intensiven Beratung zurückgezogen. Und dann entschieden sie: Knapp acht Monate nach der Tat ließen sie den seitdem in einer Psychiatrie untergebrachten „Todesfahrer“ (33) aus Herten frei.

Zur Begründung hatten die Anwälte vorgetragen, dass nach zahlreichen Zeugenvernehmungen kein dringender Tatverdacht im Hinblick auf ein vorsätzliches Tötungsdelikt mehr zu erkennen sei. 

„Kein einziger Zeuge“, so hieß es, habe beispielsweise von einer bewussten Lenkbewegung des Angeklagten gesprochen. Das stehe absolut im Gegensatz zu der Behauptung der Staatsanwaltschaft in der Mordanklage, der Angeklagte habe sein Auto „als eine Art Waffe“ eingesetzt.

Er soll am Steuer eingeschlafen sein

Verteidiger Siegmund Benecken: „Nach alldem, was wir bislang im Prozess gehört haben, ist davon auszugehen, dass der Angeklagte am Steuer eingeschlafen ist und deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat.“

In einem unbeobachteten Moment will sich der Familienvater damals die Autoschlüssel vom Auto seiner Mutter „aus der Schublade genommen“ haben und losgefahren sein. Während der Fahrt zum Kanal habe er mit Blick auf seine schwangere Frau seine Selbstmordabsichten dann aber doch wieder aufgegeben und den Pkw zurück in Richtung Herten gesteuert. An der Hertener Straße sei es dann passiert. „Auf dieser Fahrt bin ich dann plötzlich eingeschlafen“, so der 33-Jährige. Dann müsse es zu der Kollision mit den wartenden Passanten an der Bushaltestelle gekommen sein, bei der eine 88-jährige Seniorin ums Leben gekommen ist.

"Ich war entsetzt"

„Als ich gesehen habe, was ich angerichtet habe, war ich entsetzt“, so der der Angeklagte. Bis heute, so der 33-Jährige, quäle ihn der Gedanke an das, was passiert ist. „Ich habe unheimliches Leid verursacht und kann mich bei allen Betroffenen nur entschuldigen, wobei ich weiß, dass das den Geschädigten und Angehörigen nicht weiterhilft. Ich würde alles darum geben, die Sache wieder ungeschehen zu machen und möchte mich tausendmal entschuldigen.“

Gänzlich unbestraft kommt der „Todesfahrer“ aber in keinem Fall davon. In Betracht kommt dann weiterhin eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, womöglich auch wegen fahrlässiger Tötung. Neben einer Haftstrafe könnte auch weiterhin eine Unterbringung des Angeklagten in der geschlossenen Psychiatrie infrage kommen.

Bei einem früheren Verhandlungstermin im Juli waren zwei Zeuginnen zu Wort gekommen. Im Juni berichtete der Angeklagte, Stimmen gehört zu haben.

Zwei Frauen aus Bochum sollen im großen Umfang mit sogenannten Schönheitskorrekturen illegal Kasse gemacht haben. Eine Beschuldigte sei in 35 Fällen, die andere in 33 Fällen angeklagt, sagte eine Sprecherin des Bochumer Landgerichts.

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