Im blauen T-Shirt erschien der Angeklagte zum Prozessauftakt.
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Im blauen T-Shirt erschien der Angeklagte zum Prozessauftakt.

Missbrauchsprozess

Marvins Befragung vor Gericht geht weiter

  • Werner von Braunschweig
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Der Hauptbelastungszeuge Marvin K. ist vor Gericht vernommen worden. Zuvor wurde der Vernehmungstermin etliche Male verschoben.

Update, 7. Dezember: Im Missbrauchsprozess um den Fall Marvin haben die Richter am Montag die Vernehmung des 16-jährigen Belastungszeugen in nicht-öffentlicher Verhandlung fortgesetzt. Nach dreieinhalb Stunden Befragung wurde die Zeugenbefragung aber erneut unterbrochen. „Am 17. Dezember“, so bestätige Gerichtssprecher Michael Rehaag, sollen nun unter anderem auch die Verteidiger Gelegenheit erhalten, Marvin an einem dann dritten Zeugentermin ihre Fragen zu stellen.

Der vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung an der Hochstraße jahrelang untergebracht und in mehr als 450 Fällen sexuell missbraucht haben. Entdeckt worden war Marvin Ende 2019 in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank.

Der Angeklagte Lars H. schweigt vor Gericht. Der von seinen Anwälten geforderten Pausierung der Befragung Marvins war das Gericht am Montag nicht nachgekommen. Offiziell sind am Bochumer Landgericht noch Termine bis zum 18. Dezember anberaumt, es dürften aber noch weitere hinzukommen.

Update, 4. Dezember: Im Prozess um den Fall Marvin will die Verteidigung die für Montag geplante Fortsetzung der audiovisuellen Vernehmung ausbremsen und weiterhin eine Befragung Marvins im gleichen Saal mit dem Angeklagten durchsetzen. Am Freitag wurde deswegen ein weiterer Befangenheitsantrag gestellt.

Verteidiger fordert neues Gutachten

Die Kritik von Verteidiger Markus Kluck zielt auf das jüngste Gutachten einer Sachverständigen. Die Psychologin hatte mit Blick auf eine Vernehmung dringend keinerlei direkte Konfrontation Marvins mit dem Angeklagten nahegelegt - und damit eine Kurskorrektur beim Gericht herbeigeführt. „Den Jungen einer solchen Situation auszusetzen, käme einer wissentlichen Gefährdung des Kindeswohls gleich“, hatte sich die Sachverständige festgelegt.

Für Verteidiger Kluck ist die Psychologin damit über das Ziel hinausgeschossen: Der Anwalt forderte die Einholung eines neuen Gutachtens. Die Weiterbefragung Marvins müsse bis dahin pausieren.

Update, 1. Dezember: Im Prozess um den Fall Marvin haben die Bochumer Richter am Dienstag damit begonnen, den 16-jährigen Belastungszeugen zu vernehmen. „Der Nebenkläger hat dabei die erhobenen Vorwürfe gegen den Angeklagten im Wesentlichen bestätigt“, erklärte Gerichtssprecher Michael Rehaag. Abgeschlossen ist die Zeugenbefragung aber noch nicht.

Separater Sitzungssaal für Marvin K.

Am Bochumer Landgericht ist für die Vernehmung Marvins extra ein separater Sitzungssaal mit Videotechnik ausgestattet worden, um eine direkte Konfrontation mit seinem mutmaßlichen Peiniger Lars H. zu vermeiden. „Technisch hat bisher alles reibungslos funktioniert“, so Gerichtssprecher Michael Rehaag. Weil Marvin nach etwa zweieinhalb Stunden allerdings Ermüdungserscheinungen gezeigt habe, sei die Vernehmung um 14.35 Uhr unterbrochen worden. Die Befragung soll am 7. Dezember fortgesetzt werden.

Urteil soll noch zum Jahresende fallen

Geht es nach der 8. Strafkammer, dann soll der am 5. Juni gestartete Prozess möglichst noch in diesem Jahr mit einem Urteil beendet werden. Aktuell sind Sitzungstage bis zum 18. Dezember anberaumt. Der vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung an der Hochstraße in mehr als 450 Fällen sexuell missbraucht haben. Entdeckt worden war der Jugendliche bei einer Kinderporno-Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank. Der Angeklagte Lars H. schweigt zu den Vorwürfen.

Update, 23. November: Mehr als fünf Monate nach dem Auftakt im Prozess um den Fall Marvin konnte der heute 16-jährige Hauptbelastungszeuge immer noch nicht vernommen werden. Am vergangenen Samstag platzte am Bochumer Landgericht abermals ein Vernehmungstermin – denn Marvin selbst weilt zurzeit in Quarantäne.

Der Grund: Er soll kürzlich mit einem später positiv auf das Corona-Virus getesteten Betreuer in einem Auto gesessen haben und habe sich freiwillig in Quarantäne begeben. Den Bochumer Richtern reichte dies mangels einer offiziellen Quarantäne-Anordnung zunächst nicht als Entschuldigungsgrund aus. Weil Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau später erklärt haben soll, dass sie partout nicht mit Marvin in einem Raum sitzen möchte, platzte am Ende auch dieser Vernehmungstermin – wie zuvor schon im Juni, Juli und August. Wie es heißt, läuft die Quarantänezeit von Marvin am Mittwoch ab. Danach wird wohl erneut ein Zeugentermin anberaumt werden.

Erstmeldung, 11. November: Im Anschluss an den letzten Sitzungstag am 4. November ist einer der Schöffen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nun stehen alle Richter der 8. Strafkammer vorerst unter Quarantäne. Der Missbrauchsprozess um Marvin K. ist damit erst einmal lahmgelegt. Auch Marvins Vernehmung am 14. November ist bereits gestrichen.

Die betroffene 8. Strafkammer hat die nächsten drei geplanten Verhandlungstage am 14., 16. und 17. November aufgehoben. Die drei Berufsrichter wurden unter behördliche Quarantäne gestellt, ebenso die Schöffen. „Auch alle weiteren Verfahrensbeteiligten und die Justizvollzugsanstalt sind vonseiten des Gerichts unverzüglich informiert worden“, erklärte Gerichtssprecher Michael Rehaag.

Unterbrechung bis Januar 2021 möglich

Die Richter planen, den Prozess am 21. November fortzusetzen. Ob sich das umsetzen lässt, ist aber noch unklar. Denn sicher ist: Unabhängig vom Quarantäne-Ablauf kann das Verfahren nicht ohne eine vollständige Wiedergenesung des infizierten Laienrichters fortgesetzt werden. Nach derzeitigem Stand ist rechtlich eine Maximal-Unterbrechung des Prozesses bis Januar 2021 möglich.

Antrag auf einstündiges Verhandeln zurückgewiesen

Ausgerechnet am letzten Verhandlungstag hatte sich das Gericht noch ausführlich mit der Corona-Infektionsgefahr auseinandergesetzt und einen Antrag der Verteidigung auf höchstens einstündiges Verhandeln zurückgewiesen. Dem im Prozess schweigenden Lars H. wird vorgeworfen, den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung an der Hochstraße hundertfach missbraucht zu haben.

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