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Mama, Schwester, Oma, Opa, Papa und der kleine Bruder: Alle freuen sich über Isabells (3.v.l.) Landung.

Around the world

„Das hat mein Leben verändert“

Australien - Als 15-Jährige entschied sich Isabell, alleine nach Australien zu fliegen, um dort zur Schule zu gehen. Jetzt blickt sie zurück auf die Zeit dort, die etwas mit ihr gemacht hat.

Sich von einer ganz anderen Lebensweise verabschieden zu müssen, ist echt schwierig. Da alles Gute irgendwann ein Ende hat, ist heute die Zeit für mich, nach 279 Tagen nach Deutschland zurückzukehren.

Bevor ich nach Australien gegangen bin, habe ich alles verlassen, mein Zuhause, meine Familie und meine Freunde. Allein, mit damals noch 15 Jahren, bin ich ans andere Ende der Welt geflogen. Es war das wundervollste, verrückteste und schwierigste Jahr meines Lebens. Es ist sehr eigenartig, daran zurückzudenken, wie es war, als ich hierher kam und keinen kannte. Ich kannte meine Gastmutter nicht wirklich, meine Schule nicht, mein Umfeld nicht. Auch wenn ich vorher viele Bilder gesehen hatte, kannte ich trotzdem rein gar nichts. Ob es mir Angst gemacht hat? Absolut nicht.

Natürlich hat es mich etwas eingeschüchtert und solche Fragen kamen immer mal wieder auf wie „Werde ich Freunde finden? Werde ich meinen Traum erfüllen können? Werde ich mich wohlfühlen und glücklich sein?“, aber Angst hatte ich nicht. Ich war ziemlich glücklich, von Null zu starten und neue Orte und Leute kennenzulernen, die mit mir zusammen meine Veränderung miterleben können.

Mit Sicherheit kann ich sagen, dass es mein Leben verändert hat. Ich kann nicht in Worte fassen, wie viel mir diese aufregende Erfahrung bedeutet. Es fühlt sich einfach immer noch so irreal an. Ich war einfach in Australien für zehn Monate und schon ist es vorbei? Es kommt mir vor wie ein Film über mein Leben. Ich meine, nicht viele haben diese Möglichkeit, doch ich hatte sie.

Ich habe herausgefunden, wie fremde Menschen mir so wichtig werden können in kurzer Zeit, dass ich sie sogar Familie nennen kann. Wir Austauschschüler, die Internationals, waren wirklich wie eine große Familie. Ich bin Menschen auf einer anderen Ebene nahegekommen, was ich mir nie hätte vorstellen können, da ich immer Zeit brauche, um Personen wirklich blind vertrauen zu können. Doch hier hat es einfach direkt Klick gemacht. Woran es gelegen hat, kann ich nicht wirklich sagen. Vermutlich daran, dass wir einfach dasselbe durchmachten. Und man weiß: je mehr Leute, umso spaßiger ist es einfach. Ich habe so viele Internationals aus vielen Ländern kennengelernt, die ich dann in Brasilien, Chile, Mexiko, Norwegen, Belgien, Dänemark und noch ein paar anderen Ländern besuchen fahren möchte.

Alle Entscheidungen musste ich alleine treffen

Abgesehen von den ganzen spaßigen Sachen hat mich diese Erfahrung einfach als Person verändert. Ich habe alle meine Entscheidungen hier alleine getroffen und ich denke, dass ich mich zu 100 % gefunden habe. Ich bin selbstständiger geworden. Ich hatte keinen, auf den ich mich verlassen konnte, außer mich selber. Hinzu kommt, dass ich selbstbewusster geworden bin und viel mehr an mich glaube, dass ich alles erreichen kann, was ich möchte. Ich weiß aber auch, dass man hart dafür arbeiten muss. Ich bin viel offener gegenüber Menschen und unbekannten Situationen geworden, was ich direkt in den ersten Monaten gemerkt habe.

Gerade, in diesem Moment sitze ich am Flughafen und warte auf mein Boarding. Meine Gastfamilie hat sich soeben von mir verabschiedet – mit zwei anderen Freundinnen. Es ist einfach so unreal. Ich bin so niedergeschlagen und ich kann nicht aufhören, an die ganze Zeit und die tollen Leute, die ich hier kennenlernen durfte, zu denken. Meine Gastschwester hat mir ein Fotoalbum geschenkt, wo sie sehr viele Bilder reingeklebt hat. Es ist so eine süße Idee und toll, dass ich es mir in Zukunft immer mal wieder anschauen kann. Außerdem lese ich gerade mein Abschiedsbuch, wo meine Freunde aus Australien mir was Kleines reingeschrieben haben, damit ich sie nie vergesse.

Jetzt ist es einfach vorbei. Aber irgendwie auch nicht. Kann man mit einem Auslandsjahr überhaupt jemals abschließen? Ich denke eher nicht, irgendwie hat es mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin. Ich bin so verwirrt, da ich mich zum Teil auch freue. Mein Zuhause, meine Familie, einfach alle und alles wiederzusehen. Alles zu sehen, wonach ich mich doch das ganze Jahr lang nach gesehnt habe. Es ist so eigenartig, da ich traurig bin von meinem Zuhause hier wegzugehen, aber auch glücklich bin, zu meinem anderen zurückzukehren.

Wieder hinzufliegen wäre nicht dasselbe

Ich wünschte, ich könnte hierbleiben und einfach meine Familie und Freunden hierhin holen, aber das geht leider nicht und ich denke, dass ich es einfach akzeptieren muss. Viele Leute verstehen einfach nicht, dass ich mir hier ein ganzes Leben in zehn Monaten aufgebaut habe und es nie wiederhaben kann. Klar, kann ich mal für eine kürzere Zeit wieder nach Australien fliegen, trotzdem ist es nicht dasselbe. Ich kann hier nicht mehr zur Schule gehen, meine ganzen International-Freunde sind auch nicht mehr da, es wird einfach nicht das sein, was es jetzt ist.

Das ist, was mich traurig macht: Ich wusste von Anfang an, wenn ich Deutschland verlasse, dass ich wiederkomme und ich immer noch zur Schule gehe und zu Hause lebe, aber hier ist es komplett anderes. Ich habe mein ganzes Leben von den letzten zehn Monaten in einen großen Koffer gepackt. Hört sich das nicht verrückt an, wenn man es ausspricht?

Ein Auslandsjahr ist nicht nur da, um eine Sprache fließend sprechen zu können, es ist viel mehr als das. Es ist ein Stück Erwachsenwerden. Man ist gezwungen, sich zurechtzufinden, muss seine Entscheidungen alleine treffen, lernen, alleine zu leben und kann aber auch reisen so viel, wie es möglich ist.

Trotzdem: Wenn ich ehrlich bin, gibt es auch Grund zum Freuen auf mein Zuhause in Recklinghausen. Meine Gastmutter zum Beispiel hat mir einfach nur Essen und ein Dach über den Kopf gegeben, wofür ich ihr natürlich unfassbar dankbar bin, aber es gab nie diese Beziehung wie zu meinen Eltern. Trotzdem habe ich jeden einzelnen Tag genossen in Australien, weil ich wusste, dass dort meine Zeit begrenzt ist.

Ich danke allen Leuten, die ich hier getroffen habe. Mein Auslandsjahr wäre nicht dasselbe ohne sie. Das alles hat mir auch gezeigt, wie wichtig Freunde und Familie sind. Ohne meine Familie hätte ich das alles nicht geschafft, sie haben mich immer unterstützt.

Ein Auslandsjahr zu machen, ist einfach nur empfehlenswert und ich hoffe, dass ich durch meine kleinen Einblicke hier bei „Around the world“ ein paar Leute angeregt habe, mehr von der Welt sehen zu wollen und über sie zu lernen.

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