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Wenn bei Miriam doch auch nur alles so glatt laufen würde wie auf dem Foto ...

Online-Sommersemester 2020

Ein Auszug aus dem Online-Semester-Logbuch

  • vonMiriam Schulemann
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Die Uni läuft aktuell nur von zuhause aus. An sich kein großes Problem, wären da nicht die vielen kleinen digitalen Gemeinheiten.

„Na, wie läuft das Online-Semester?“, ruft mein Nachbar und winkt mir, den Sicherheitsabstand gewissenhaft einhaltend, über drei Reihenhausgärten hinweg fröhlich zu. Ich lache, der kaputte Drucker im Keller lacht, und der vollkommen überlastete Uni-Server lacht ebenfalls. 

Die schleichende Digitalisierung im deutschen Bildungswesen lässt nett grüßen und bietet uns mit dem aktuellen coronabedingten Online-Semester eine einzigartige Komödie, deren Unterhaltungswert man nur anerkennen kann, wenn man über einen wirklich sehr schrägen Humor verfügt. Einige Auszüge der ersten Semesterwoche nun exklusiv auf Scenario.

Online-Semester, 1. Tag: 

Die zentrale Online-Lernplattform für unsere Uni führt, pünktlich zum ohnehin verspäteten Semesterstart, „ungeplante Wartungsarbeiten“ durch. Dateien lassen sich weder hoch- noch herunterladen, und die Vorlesungsvideos werden nicht richtig angezeigt. Nun gut, dann habe ich heute wohl noch einen weiteren Tag frei. 

2. Tag: 

Einer meiner Professoren hat sich vorbildlich viel Mühe gemacht und sich für die Aufzeichnung seiner Vorlesungsvideos technisch neu ausgerüstet. Neben den angezeigten Folien der Präsentation sieht man ihn in einem kleinen Fenster in seinem Büro sitzen und seine Inhalte erklären. Durch das professionelle Mikrofon ist die Tonqualität absolut top. Eigentlich schade, dass er nach circa einer Viertelstunde mit einer unbedachten Handbewegung das Mikrofon aus Versehen ausgeschaltet hat und das Video von ihm unbemerkt nun volle 45 Minuten als Stummfilm weitergeht. Na ja, shit happens.

3. Tag: 

Meine Dozentin für das heutige Seminar hat eine Video-Konferenz gestartet. Die Lernplattform bricht auf der Stelle komplett zusammen. Mehr muss über die Leistungsfähigkeit der Technik an unserer Uni eigentlich nicht gesagt werden.

4. Tag:

Im Online-Semester tun sich ganz neue Fragen auf, zum Beispiel: „Sollte ich in einem Chat mit dem Professor Emojis benutzen oder nicht?“ Außerdem gewähren die Videos interessante Einblicke in das Privatleben der Lehrenden. Da ruft schon einmal mitten in einer Erläuterung zu Freuds Psychoanalyse ein Kind nach seiner Mama, oder der Ehemann rauscht im Hintergrund mit dem Staubsauger vorbei. Reality-TV vom Feinsten, und das ohne Werbeunterbrechung! 

5. Tag:

Katastrophenalarm: Der Drucker, der sowieso schon oft genug durch strikte Befehlsverweigerung mein Studium zu sabotieren versuchte, gibt nur noch ein trotziges Rattern von sich und verwandelt durchschnittlich 6 von 10 eingezogenen Papierbögen in ein verschmiertes Etwas. Die Blätter, die noch unbeschadet den Drucker verlassen, sind nicht lesbar, da die Patrone entgegen des angezeigten 31(!)-prozentigen Füllstands so gut wie leer zu sein scheint. 

Ich haue einmal kräftig auf das Gehäuse, was den Drucker leider nicht im geringsten beeindruckt. Da ich auf diese garstige Gerätschaft angewiesen bin, muss noch am selben Tag ein neues Exemplar her. Mein Vater sponsert freundlicherweise das für mich überlebensnotwendige Gerät (nicht alle Helden tragen Umhang!). Das schräge Abenteuer Online-Semester kann also nahtlos weitergehen! Mal sehen, was noch so alles passiert.

Miriams letztes nervenaufreibendes Erlebnis fand ebenfalls online statt, allerdings auf einer Plattform für Kleinanzeigen. Sie wollte eigentlich ganz easy ihre alte Spielekonsole verkaufen, eigentlich ... 

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