Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten
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Ein Wirrwarr aus Unterlagen, Notizen und Büchern steht einem vor jeder Hausarbeit bevor. Der Spaßfaktor hält sich in Grenzen.

Das 5-Phasen-Modell der Trauer

Die endlose Odyssee mit den Hausarbeiten

  • vonMiriam Schulemann
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Miriam ist durch verschiedene Phasen gegangen, während sie ihre Seminararbeit geschrieben hat. Vielleicht erkennt Ihr Euch ja auch wieder.

  • Miriam musste vor Kurzem eine Hausarbeit für die Uni schreiben und hat dabei verschiedene Stadien der Trauer durchgemacht: Von Wut über Depression bishin zur Akzeptanz
  • Herausgekommen ist tatsächlich noch eine abgabetaugliche Hausarbeit für ihr Seminar

Nach wochenlangem Leid und Verzweifeln habe ich nun endlich das scheinbar Unmögliche geschafft: Ich habe meine Hausarbeit in der Uni abgegeben. Während des Schaffungsprozesses habe ich das gesamte 5-Phasen-Modell der Trauer frei nach Elisabeth Kübler-Ross durchgemacht.

Phase 1: Verleugnung oder: Ich hab noch sooo viel Zeit Noch drei Wochen bis zur Abgabe 

Ich habe gerade erst meine anderen Prüfungen hinter mir und möchte mich einfach nur entspannen. Ich schaue Superhelden-Filme auf Netflix, feiere Karneval in Köln (mit mindestens zwei Tagen Nachwirkungen) und umgehe die immerhin schon ausgeliehene Fachliteratur bei der Auswahl meiner Bettlektüre sehr geschickt. Hausarbeit? Ja, da war mal was. Aber nichts ist so wichtig wie die 5. Staffel von Brooklyn Nine-Nine und die ausführliche Hintergrundrecherche zu den einzelnen Figuren.

Phase 2: Wut oder: Ich schmeiße meinen Computer aus dem Fenster 

Grrrrr, wer auch immer das Prinzip der Hausarbeit erfunden hat, dem mögen beim Händewaschen stets die Ärmel herunterrutschen. Allein das Geräusch der Tasten meiner Tastatur macht mich wahnsinnig. Außerdem verfluche ich mal mehr, mal weniger explizit meine Professorin, die die Hausarbeit zu Ende Februar statt wie normalerweise üblich zu Ende März vorliegen haben will. Auf den Monat Februar bin ich übrigens auch sauer, weil er kürzer ist als die anderen Monate. Kann man Monate eigentlich verklagen? 

Phase 3: Verhandeln oder: Wie, zwölf Seiten Buchstabensalat sind nicht ausreichend?! 

Zwölf Seiten Hausarbeit können lang werden, aber mit meiner ausgefuchsten Spezialstrategie namens „Viele Worte, wenig Info“ strecke ich die Sätze, wo ich nur kann, um die Seitenanzahl irgendwie vollzubekommen. So wird aus Soziologe X, (geb. 1980) im Handumdrehen „Der Soziologe Herr Professor Doktor X, der im Jahre 1980 in Y geboren wurde ...“.  Geschrieben wird in der Schriftart „Arial“, weil sie mehr Platz einnimmt als „Times New Roman“. Zum Glück bin ich auch inoffizielle Weltmeisterin im Verschachteln von Sätzen, was außerordentlich hilfreich beim Schreiben von wissenschaftlichen Hausarbeiten ist.

Zusätzlich schraube ich noch etwas am Zeilenabstand und Seitenrand herum. Ich finde tatsächlich den perfekten Punkt zwischen hilfreich und unauffällig. Ich fühle mich schon fast ein wenig kriminell, aber ich fühle mich zugegebenermaßen auch wohl so am Rande der Legalität. 

Phase 4: Depression oder: Ich werde bis in alle Ewigkeiten da dran sitzen 

Da ist er, der erste Heulkrampf. Ich komme nicht mehr weiter, diese gähnend weißen Flächen in meinem Word-Dokument wollen sich einfach nicht weiter füllen. Am liebsten würde ich meine Professorin anrufen und mich von der Prüfungsleistung abmelden. Mir liegt wissenschaftliches Arbeiten überhaupt nicht, und das wird sich niemals ändern. Ich will nur noch Schokolade, Stapelchips und Lakritz, ein Bett und eine Decke, die ich mir über den Kopf ziehen kann. Soll sich die blöde Hausarbeit doch selbst schreiben, ich will nicht mehr. Ich bin eine miserable Studentin! 

Phase 5 : Akzeptanz oder: Mit einem Lächeln ins Verderben rennen 

So langsam wird mir wirklich alles egal. Ich weiß, dass mir wissenschaftliches Arbeiten nicht liegt, also wäre es dumm, auf eine gute Note zu hoffen. Ich erwarte ja schließlich auch nicht, dass mir die Müllabfuhr Gold dafür bezahlt, dass sie meinen Abfall mitnimmt. Das Einzige, was jetzt noch zählt, ist die Einhaltung der Deadline. Ich tippe wie eine Wahnsinnige, und irgendwie kriege ich die Seitenanzahl tatsächlich noch voll. Gut, mein Geschreibsel wirkt ein wenig wirr, aber es ist vollbracht. 

Ich habe zwölf Seiten Text, einen Titel mit 21 Wörtern und ein bemerkenswert unprofessionelles Endergebnis. Ich spiele kurz mit dem Gedanken, die ausgedruckten Seiten in einen Müllbeutel einzuwickeln und so abzugeben, um die Sache etwas kreativer zu gestalten, aber das hält mein Umfeld komischerweise für etwas überdramatisch. Beim Schließen der circa 36 Tabs an meinem PC denke ich schon nicht mehr daran, dass ich theoretisch auch durchfallen könnte. (Miriam Schulemann) 

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