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Wiedersehensfreude: Marie, ihre Eltern und ihr kleiner Bruder genießen die gemeinsamen Tage in Kapstadt – mit viel Sightseeing, aber auch wertvollen „kleinen Momenten“.

Marie in Südafrika

Eine Woche Familienurlaub

TEIL 8 - Es ist soweit: Endlich kommt die Familie zu Besuch! Marie hat dafür extra einen Urlaubs-Masterplan entwickelt mit Pinguinen, Gondelfahrt und Insider-Führungen.

Bis letzte Woche habe ich mir über Heimweh keine Gedanken gemacht, es war immer so viel los und man hat einfach viel zu viel erlebt – und ehe man sich‘s versieht, steht die Familie dann ja auch schon wieder vor der Tür.

Ich habe aus diesem Grund sogar Urlaub bekommen und kann damit die ganze Woche mit ihnen verbringen. Es ist fast so, als wäre es ein ganz klassischer Familienurlaub – nur dass ich hier wohne und Freunde habe, die meine Eltern noch nie gesehen haben. Aber das wird sich ändern!

Bevor ich meine Eltern und meinen Bruder allerdings mit all meinen Bekanntschaften, meiner Gastmutter und meinem Alltag vertraut mache, lasse ich sie erst mal ankommen. Denn auch nach all den Monaten ist Kapstadt für mich noch immer atemberaubend… da kann man sich vorstellen, wie die Stadt wirkt, wenn man sie das erste Mal richtig sieht. Und ich kenne ja bereits die besten Ecken, an denen es einem die Sprache verschlägt – und das heißt bei uns schon etwas!

Mit der Gondel hoch zum Tafelberg

Aber nun der Reihe nach: Zuallererst hieß es Auspacken. Ganz nach dem Motto „Familienurlaub“ habe ich die Tage nämlich bei meiner Familie im Hotel verbracht, um mehr Zeit mit ihnen zu haben. Ich konnte ihnen ja schon monatelang nicht mehr richtig auf den Keks gehen, da muss ich jetzt jede Möglichkeit ergreifen, um das nachzuholen! Erst mal wurde aber geredet, geredet und geredet und auch wenn ich nie wirklich Heimweh hatte, so tat es in dem Moment echt gut, alle um mich zu haben. Man hat sich direkt wie zuhause gefühlt – unabhängig vom Wetter, dem Hotel und den ganzen Koffern.

Auch das WLAN im Hotel war eine willkommene Abwechslung. Man gewöhnt sich zwar daran, kaum Internet zu haben, aber dennoch beschwert man sich nicht, wenn man welches bekommen kann. Es ist schon erstaunlich, wie viel umständlicher das Leben ohne WLAN ist…

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Nach einem gesprächsreichen ersten Tag, fing am nächsten Morgen offiziell der Urlaub an. Und wie sich das für einen typisch deutschen Touristen gehört, wurden in den nächsten Tagen zuallererst einmal die berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Kapstadt abgeklappert. Wir sind den Tafelberg mit der Gondel hochgefahren, haben uns den berühmten botanischen Garten und den Park in Kapstadt angesehen, waren an den bunten Häusern im Boo-Kaap und – weil ich meinen Papa kenne – habe ich auch das ein oder andere Museum mit eingeplant.

Es war schon verrückt, dass ich dieses Mal alles geplant habe. Seit ich denken kann, hat das sonst immer mein Papa gemacht. Aber irgendwie hat dieser neue Aspekt perfekt zu der momentanen Situation gepasst.

Apropos neue Situation, während des Urlaubs habe ich meinen Eltern und meinem Bruder auch Sophia vorgestellt, meine Abenteuerpartnerin. Mit ihr zusammen sind wir ans Kap der guten Hoffnung und zum Pinguinstrand gefahren – eines der Highlights hier, die Sophia und ich uns auch noch aufgehoben haben.

Es war einer der schönsten Tage hier in Kapstadt, die Aussicht über die Halbinsel war unglaublich schön, das Wetter war sonnig und fast wolkenlos, aber durch etwas Wind war es angenehm warm. Und das Wort Pinguinstrand sagt eigentlich schon alles weitere. Was braucht man mehr als sich Pinguinbabys am Strand anzugucken und zu sehen wie sie watscheln und mit ihren Flügeln wedeln. Pinguine mitten in der Sonne am Sandstrand! Das klingt zwar irgendwie merkwürdig, war aber so süß, dass ich am liebsten ein paar Kleine mitgenommen hätte :). Wenn ich mir jetzt aber im Nachhinein die Fotos angucke, sieht es in meinen Augen komisch aus, Sophia und meine Familie auf einem Foto zu sehen. Nicht, weil der Tag in irgendeiner Weise angespannt oder so war, sondern weil auf ihnen meine Welt hier in Afrika und zuhause wortwörtlich aufeinandertreffen. Je länger man sie jedoch betrachtet, desto natürlicher wirkt es.

Die Woche ging schnell vorbei

Natürlich hat es sich auch gut angefühlt, meine Eltern und meinen kleinen Bruder um mich zu haben. Von der ersten Minute an war es so, als wäre ich nie weg gewesen (ein paar längere Umarmungen beim Wiedersehen einmal ausgenommen).

In der Woche haben wir uns so viel angesehen, dass hier gar nicht genug Platz wäre, um über alles zu erzählen. Ich kann aber sagen, dass es eine der schönsten Wochen hier in Kapstadt war, obwohl die schönsten Momente nicht unbedingt die größten Attraktionen waren, sondern die ganzen vielen kleinen Momente beim Frühstück, vor dem Einschlafen, beim Spielen oder wenn man sich um die Dusche gestritten hat – all diese Momente, in denen man sich einfach geborgen und wohl gefühlt hat, als wäre man zuhause und nie fortgegangen…

So schön die Woche auch war, so schnell ging sie leider auch wieder vorbei. Die Koffer wurden erneut gepackt und es ging auf zum Flughafen. Und dann hieß es schon wieder: Abschied.

Marie Dechêne (18, Recklinghausen) verbringt die nächsten sechs Monate in Kapstadt. Dort hilft sie im Rahmen des Freiwilligendienstes Rainbow-Garden-Village (RGV) für jeweils zwölf Wochen in Tageskliniken und in einem Special-Care-Center für geistig beeinträchtige Menschen. Bei Scenario erzählt sie von ihren Eindrücken.

In dem Moment selbst hat es sich irreal angefühlt sich zu verabschieden, denn ich habe nicht wirklich realisiert, dass ich meine Familie jetzt für weitere Monate nicht mehr sehen und drücken kann. Aber anstatt traurig zu sein, habe ich mich eigentlich gefreut, dass sie überhaupt da waren und ich ihnen alles einmal hautnah zeigen konnte. Und Monate vergehen hier sowieso schneller als irgendwo sonst auf der Welt.

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