Karriereboost oder Risiko: Lohnt sich ein Vollstudium im Ausland?
+
Ein Studium in Ländern wie Spanien oder den USA klingt für viele verlockend. Aber es gibt einiges zu beachten.

Ratgeber Studium

Uni-Abschluss im Ausland

Auslandsaufenthalte während der Studienzeit sind sehr beliebt. Was ist aber bei einem Vollstudium außerhalb Deutschlands zu beachten?

Spanien, Frankreich, Großbritannien: Auslandsaufenthalte auf Zeit gehören mittlerweile für immer mehr Studierende zum Curriculum. Das zeigen etwa Daten, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) 2019 zusammengestellt hat. Während ein Erasmus-Aufenthalt im Schnitt nach etwa fünf bis sechs Monaten wieder zu Ende ist, dauert ein Vollstudium im Ausland mehrere Jahre. 

Wer vor solch einer großen Überlegung steht, hat natürlich viele Fragen: Was ist bei der Planung zu berücksichtigen? Und ist der Aufenthalt wirklich vorteilhaft für den späteren Jobeinstieg in Deutschland? Klar ist: Ohne Vorbereitung geht es nicht. Besonders für ein Vollstudium im Ausland ist im Vorfeld viel zu regeln.

Wolfgang Gairing vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) empfiehlt Studierenden daher, bereits 12 bis 14 Monate vorher zu wissen, wohin es gehen soll. Die Fristen und Unterlagen, die für eine Bewerbung nötig sind, unterschieden sich teilweise erheblich von denen für deutsche Hochschulen. In Großbritannien etwa müssen sich Interessierte dem Experten zufolge bereits im Januar bewerben – für angehende Bachelorstudierende bedeutet das viel Stress noch vor den Abiturprüfungen. Sprachzertifikate oder Eignungstest, wie der Graduate Management Admission Test (GMAT) für Business Schools, müssten in vielen Fällen ebenfalls vor Bewerbung oder Studienstart abgelegt werden.

 „Außerdem ist es viel schwieriger, sich über einen Studiengang oder Studienort im Ausland zu informieren“, gibt Gairing zu bedenken. Wenn die Wunschuniversität in den USA, statt in der Heimat- oder Nachbarstadt liegt, kann man sich diese vorher nicht einfach anschauen. Ob sich Studierende am Campus wohlfühlen, welchen Eindruck die Hochschule macht – all das bleibt dann womöglich bis zum Umzug offen.

Die Finanzen sind ein weiteres Thema, über das sich Studierende Gedanken machen müssen, die ihren Bachelor oder Master im Ausland absolvieren wollen. So seien die Studiengebühren vor allem in den USA und Großbritannien enorm hoch, sagt Gairing. Hier würden auch Stipendien des DAAD die Kosten nicht vollständig decken. Ob sich das finanzielle Engagement später auszahlt, sei nicht immer abzuschätzen. Das bestätigt Matthias Rauhut von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit.

Die Reintegration in den deutschen Arbeitsmarkt könne mit einem Hochschulabschluss aus dem Ausland schwieriger verlaufen, als bei Absolventen, die einen deutschen Abschluss vorzuweisen haben. „Man muss sich genau überlegen, warum man sein ganzes Studium im Ausland absolvieren möchte“, so sein Rat. Wer beispielsweise seine berufliche oder private Zukunft im Zielland sieht, für den sei ein Vollstudium im Ausland kein Problem.

Fallstricke vor der Rückkehr

Falls man aber nach Deutschland zurückkommen möchte, seien einige Fallstricke zu beachten. So ist vorab zu prüfen, ob der Studienabschluss in Deutschland anerkannt wird. Das betrifft Rauhut zufolge insbesondere Studiengänge für staatlich regulierte Berufe, wie Arzt, Lehrer oder Anwalt, die in Deutschland mit einem Staatsexamen abgeschlossen werden. Darüber hinaus seien Inhalte und Begriffe nicht eins-zu-eins übertragbar und für Arbeitgeber manchmal undurchsichtig. „Darum empfehlen wir, den Bachelor in Deutschland zu machen und dann den Master beispielsweise in Großbritannien“, so der Berater. Wolfgang Gairing sieht dies ähnlich. Er hält es ebenso für den besseren Weg, nicht das ganze Studium im Ausland zu absolvieren. (Philipp Schulte)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Bemerkenswert, wozu der Kanal-Schlamm aus Waltrop jetzt genutzt wird
Bemerkenswert, wozu der Kanal-Schlamm aus Waltrop jetzt genutzt wird
Siedler in Marl sauer über Ekel-Gestank - was Müllsortierer Alba dazu sagt
Siedler in Marl sauer über Ekel-Gestank - was Müllsortierer Alba dazu sagt
"Ein ruhender Diamant"   Hochkarätiger Verstärkung  für den 1. FFC Recklinghausen 2003
"Ein ruhender Diamant"   Hochkarätiger Verstärkung  für den 1. FFC Recklinghausen 2003
Video
Recklinghausen: Einzelhändlerin kämpft gegen den Leerstand | cityInfo.TV
Recklinghausen: Einzelhändlerin kämpft gegen den Leerstand | cityInfo.TV
Nach bewaffnetem Kiosk-Überfall: Polizei fahndet nach zwei Männern
Nach bewaffnetem Kiosk-Überfall: Polizei fahndet nach zwei Männern

Kommentare