Einen roten Stoffball ziehrt das Gesicht eines wütenden Smileys.
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Das Studienjahr macht Vivien* nur noch wütend.

Meinung einer Studentin

Studieren während der Corona-Krise

Online-Seminare, Kamera-Pflicht und Internetprobleme: Studierende haben in diesem Semester mit vielen Problemen zu kämpfen. Vivien* (Name v.d.Red. geändert) macht das sauer und auch die Tatsache, dass das scheinbar nur wenige kümmert.

Vorweg: Studierende sind gerade nicht diejenigen Menschen, denen es am allerschlechtesten geht. Die meisten von uns sind weder Risikopatienten oder -Patientinnen noch arbeiten wir auf Intensivstationen o. Ä.. Aber während in der Tagesschau fast täglich die Lage der Arbeitnehmenden im Homeoffice diskutiert wird, fragt kein Mensch nach uns.

Zwei Semester verbringen wir jetzt schon ausschließlich vor dem Bildschirm – das sind je nach Studienfach ein Drittel der gesamten Studienzeit. Man hat es sich dann doch anders vorgestellt, dieses Studieren. Studieren sei die beste Zeit im Leben, sagen die meisten – nun, wir bekommen das verlorene Jahr nicht zurück. Alle verlieren in dieser Zeit quasi ein Jahr sagen nun wohl manche, aber das ist eben so richtig wie falsch. Denn, ja: Jeder hat seit letztem März ein Jahr verloren, das anders geplant war. Aber was gegen die Aussage spricht, ist, dass Studierende ein Jahr von einem begrenzten Zeitraum (3-5 Jahre) verlieren. Zeit in der man eigentlich sorglos und frei sein sollte, ein Jahr, dessen Fokus auch auf sozialen Erfahrungen und neuen Horizonten liegen soll.

Kamera an - Privatsphäre aus

Mir ist klar, dass außer Corona niemand etwas dafür kann! Wofür aber jemand etwas kann, ist, wie damit umgegangen wird. Statt die Anforderungen anzupassen und hinzunehmen, dass dieses Studienjahr ein anderes ist, sind viele Dozierende wahnsinnig in Sorge um das Einhalten ihrer Prüfungsordnungen oder sonstiger (fadenscheiniger) Aspekte. Sie drängen uns dazu, in Seminaren unsere Kameras einzuschalten – auch wenn unser Arbeitszimmer in der Regel auch unser Schlafzimmer ist –, sonst könnten wir ja einfach verschwinden (z.B. in die Küche oder aufs Klo, ich mein, wo soll man sonst auch hin?!).

Ganz durchtriebene Dozierende weigern sich auch, Vorlesungsunterlagen oder Aufzeichnungen hochzuladen, damit man zur Teilnahme am Seminar gezwungen ist – was nicht nur halblegal, sondern auch besonders schön ist, wenn man mal Internetprobleme hat und dann in der mündlichen Prüfung leider nicht sagen kann, was Herr Professor am 24.11 um 10.23 Uhr gesagt hat.

Plötzlich viel mehr Arbeitsaufwand als vor Corona

Alle anderen laden gerne irgendwelche Beschäftigungsmaßnahmen im Rahmen von vier Stunden Arbeit hoch (man hat ja gerade schließlich sonst nichts zu tun). Seit Corona verbringe ich pro Woche mindestens zehn Stunden mehr mit der Uni. Und das stumpf vorm PC, entweder umgeben von zeitweise ablenkenden WG- oder Familienmitgliedern oder ganz alleine und einsam. Hebt meine Laune zwar nicht, aber hey, zwei Dozierende haben uns in einer Rundmail immerhin die „Nummer gegen Kummer“ mitgeschickt.

Bei den Klausuren müssen wir uns zum Glück keine Sorgen machen. Außer Laptop, Drucker Scanner, einem abgeschlossenen Raum und einer stabilen Internet-Verbindung brauchen wir ja nichts und fürs Drucken bekommen wir sogar fünf Minuten extra. Nachschreibtermine gibt es nicht. Danke.

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