Eine nunge Frau (von hinten fotografiert) sitzt zu Hause an ihrem Laptop, arbeitet und telefoniert zeitgleich mit dem Handy am linken Ohr.
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Auch in Online-Seminaren sind typische Studierendencharaktere anzutreffen, wie die Surferin: Den Kopf überall, aber nicht bei der Vorlesung.

Online-Semester

Verschiedene Typen im Zoom-Seminar

  • Annika Mittelbach
    vonAnnika Mittelbach
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Annika kam nun auch in den Genuss eines Online-Kurses. Dabei fiel ihr auf, dass Web-Seminare wirklich sehr tief blicken lassen.

Bislang bin ich – aufgrund meines fortgeschrittenen Studiums – der zweifelhaften Ehre entgangen, an einem Zoominar, also einem Seminar über die Plattform Zoom, beizuwohnen. Ich habe ehrlich gesagt nicht ganz verstanden, was den ganzen Unmut meiner Kommilitonen verursacht hatte, denn eigentlich ist der Gedanke, die Seminare auch gemütlich aus dem Bett heraus wahrzunehmen und zu Hause bleiben zu können, gar nicht so übel gewesen in meiner Vorstellung.

Jetzt habe ich als fleißiges Bienchen aber doch noch ein Zoominar belegt – einen Intensivkurs über mehrere Stunden. Dabei ist mir dann nicht nur aufgegangen, was so nervig daran ist, sich den ganzen Tag den Po vor dem Laptop platt zu sitzen, sondern auch, was einem im Zoominar für unterschiedliche Typen begegnen. Fast so wie auf dem Campus – aber eben nur fast.

Der Mensch als technisches Fiasko

Der Streber: Den Streber kennen wir natürlich alle auch von Präsenzveranstaltungen. Er oder sie loggt sich in der Regel schon mindestens 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn ein und wartet sehnsüchtig darauf, dass das Rumstrebern endlich losgehen kann. Die riesige Zwei-Liter-Wasserflasche steht griffbereit ebenso wie alle möglichen Marker, Radiergummi und Lineale. Während des Seminars wird das Mikro in der Regel nicht mal stummgeschaltet, weil der Streber immer was zu sagen hat.

Der technische Fehler: Im Gegensatz zu dem Streber und als Pendant zum ewigen Zuspätkommer im Real-Life gibt es diejenigen, die ich gerne „die technischen Fehler“ nennen möchte. Sie haben Probleme sich in das Zoom-Meeting einzuloggen, ihre Kamera funktioniert nicht und wenn Ihr Mikro an ist, rauscht und quietscht es, was das Zeug hält. Die Lösung? Mikro und Kamera einfach ganz auslassen. Ein Schelm, wer da denkt, dass der „technische Fehler“ vielleicht nicht die ganze Zeit hochkonzentriert vor dem PC sitzt.

Online-Kurse sind immer noch seriöse Veranstaltungen

Der Surfer: Es ist leider höchst verlockend, besonders bei nicht allzu spannenden Zoominaren „mal eben“ was im Internet nachzuschauen – ganz wie in einer richtigen Vorlesung halt auch. Doch leider weitet sich das „mal eben“ gerne in stundenlanges sinnloses Surfen aus. Das fällt vor allem auf, wenn die Leute auf einmal anfangen zu lachen, obwohl es keinen Anlass im Seminar gibt oder, noch schöner, sie nicht auf persönliche Ansprache reagieren.

Der Soziale: Wenn alle Teilnehmer ihre Kamera anhaben, macht es besonders Spaß diejenigen zu beobachten, die keine Privatsphäre zu Hause haben. Der Klassiker sind Partner, die verschlafen in Unterwäsche im Hintergrund durchs Zimmer huschen, Mitbewohner, die sich einfach nicht abwimmeln lassen oder Katzen, die am liebsten auf der Tastatur ihr Mittagsschläfchen machen möchten. Der Soziale versucht dann krampfhaft, Uni und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Ihn oder sie sieht man im Grunde immer nur im Profil, weil er oder sie im ständigen Dialog nicht nur mit den Seminarteilnehmern, sondern auch den Mitbewohnern steht.

Der sozial Verwirrte: Manche fühlen sich so wohl in ihrer Jogginghose vor dem PC, dass sie ganz vergessen, dass eine Univeranstaltung ja schon ein Stück weit auch eine offizielle Veranstaltung ist, die ein gewisses Maß an Anstand und Disziplin erfordert. Diese Typen melden sich dann auch gerne, um Witze oder Anekdoten aus ihrem Leben zu erzählen, weil sie sozial verwirrt sind, und denken, das Zoominar ist genauso wie ein digitaler Spieleabend mit den Freunden. Ist es nicht. Nur so als Info.

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