+
Avril Lavigne trägt wieder ihr strahlendes Lächeln.

Avril Lavigne kommt zurück

Drama-Pop allererster Güte

Nach gesundheitlich desaströsen Jahren ist Avril Lavigne weitestgehend wiederhergestellt und heiß darauf, auf „Head Above Water“, ihrem ersten Album seit über fünf Jahren, musikalisch vom Drama ihres Lebens zu erzählen.

Avril Lavigne ist auf die harte Tour erwachsen geworden. „Eines Nachts habe ich geglaubt, ich sterbe. Irgendwie hatte ich meinen Frieden mit dem Tod gemacht“, sagt sie, mehr als drei Jahre nach dieser traumatischen Erfahrung. „Meine Mutter lag neben mir im Bett und hielt mich fest. Ich hatte das Gefühl, dass ich ertrinke.“ Mit letzter Atemkraft habe sie zu Gott gebetet, dass er ihr helfen möge, ihren Kopf über Wasser zu halten. „In diesem Moment“, so Avril, „begann mein Songwriting für das neue Album. Es war so, als wäre ich auf eine sprudelnde Quelle gestoßen. Das war ein unerwarteter Moment der großen Befreiung. Die Worte und Melodien sprudelten ab diesem Zeitpunkt unablässig durch mich durch.“

Nun klingt die Schilderung, in einem Moment mit dem Leben abgeschlossen zu haben und im nächsten gleich wieder an die Arbeit zu denken, etwas verwegen, aber man muss etwas ausholen bei der Geschichte von Avril Lavignes sechstem Album.

Avril war sehr krank. Während der Tournee zu ihrem vorherigen, 2013 erschienenen Werk, „Avril Lavigne“ muss sie eine Zecke gebissen haben, sie fühlte sich schwächer und schwächer, doch bis die Diagnose „Lyme-Borreliose“ (eine Form der Hirnhautentzündung) Ende 2014 endlich feststand, verging viel Zeit.

Vorbei ist es mit der Berufsjugendlichkeit

In den folgenden zwei Jahren verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit zu Hause in Beverly Hills im Bett, umsorgt von ihrer Mutter. Schleppt sich zum Piano, wann immer sie kann. Dadurch haben die neuen Lieder nicht mehr viel mit der alten Avril gemeinsam. Auf „Head Above Water“ ist die Unbeschwertheit der bisherigen Avril verschwunden. Als Soundtrack zur Kissenschlacht taugt lediglich die fetzige Retropopnummer „Dumb Blonde“, in deren Text die Kanadierin freilich mit dickem Kuli unterstreicht, eben kein doofes Blondchen zu sein. Vorsichtig fröhlich ist vielleicht noch „Love Me Insane“, in „Crush“ und „Goddess“ nähert sich Madame Avril gar dem Jazz. Aber im Mittelpunkt des Albums stehen Ermutigungs- und Selbstertüchtigungshymnen wie „Birdie“, „It Was In Me“ oder „I Fell In Love With The Devil“ . Das ist Drama-Pop allererster Güte, im Stil von Christina Aguilera oder Anastacia.

Avril verabschiedet die Hörerinnen aus diesem Album mit einer Kampfansage „Warrior“ („I won’t bow, I won’t break, I won’t give up“). Sehr ernst, sehr nordamerikanisch, aber auch sehr wirkungsvoll. „Wir alle haben Herausforderungen zu bestehen. Ich selbst bin lebendig und stärker als je zuvor aus der Schlacht meines Lebens hervorgegangen. Ich verheimliche und verstecke nichts. Und ich hoffe, dass dieses Album anderen Menschen Mut macht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Waltroper Parkfest: Frida Gold setzt Schlussakkord - eine andere Band imponiert auch
Waltroper Parkfest: Frida Gold setzt Schlussakkord - eine andere Band imponiert auch
"Kinderwelt" soll nach Feuer wiederaufgebaut werden: So sieht die Planung aus
"Kinderwelt" soll nach Feuer wiederaufgebaut werden: So sieht die Planung aus
Kobra in Herne ausgebüxt - vier Häuser sind evakuiert
Kobra in Herne ausgebüxt - vier Häuser sind evakuiert
Ist das Kunst oder kann das weg - Nebenschauplätze beim Parkfest
Ist das Kunst oder kann das weg - Nebenschauplätze beim Parkfest
Kobra in Herne ausgebüxt, Bahnsperrungen aufgehoben, "Kinderwelt" soll wieder aufgebaut werden
Kobra in Herne ausgebüxt, Bahnsperrungen aufgehoben, "Kinderwelt" soll wieder aufgebaut werden

Kommentare