Die Band Katharsis bei einem Auftritt.
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Michael Malone (v.l.n.r.), Lilia und Tizzle machen Schluss mit Katharsis.

Musik im Vest

Das traumhafte Ende einer Musik-Ära

  • Karo Jankowski
    vonKaro Jankowski
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Die Hertener Band Katharsis trennt sich. Zum Abschied lassen sie ihren Fans aber noch ihre „Traumfänger“-EP da. Karo stimmt all das melancholisch.

Das war alles insgesamt merkwürdig. Ein Satz, der unsere Lebensrealität in fünf Wörtern treffend beschreibt. Korruptionsenthüllungen über Bundestagsabgeordnete, die Entmachtung des Pop-Titans im linearen Fernsehen – wir befinden uns in einem Vakuum irritierender Nachrichten, die schwerlich zu verarbeiten sind. Auf lokaler Ebene manifestiert sich all dieser abgründige Konsens in der Trennung einer wegweisenden Lieblingsband.

Aus Tizzle, Lilia und Michael Malone wurde einst Katharsis. Aus Katharsis werden jetzt wieder Tizzle, Lilia und Michael Malone. Viele Jahre spielten sie den Soundtrack des Vests, hüllten Jugendzentren und lokale Kleinkunstbühnen in feinste Gewänder, gestrickt aus Eloquenz über Liebe, Träume und Vergänglichkeit. Das werden sie gewiss auch weiterhin tun, nur nicht mehr als Katharsis.

Die Stärken der Drei treten hervor

Trotz Abschied, ein Silberstreif am Horizont bleibt: Karfreitag erschien die EP „Traumfänger“. Während Künstler ähnlicher Genres in Strickpullis stromlinienförmig ihre Bahnen ziehen, punkten Katharsis mit Authentizität, Stimmgewalt und dem gewissen Etwas, das man doch so selten findet. Bisher hörte man von den Dreien zumeist Cover-Versionen von alten Tizzle-Tracks und eher vereinzelt Eigenproduktionen. Diesmal ist das anders.

Die zehn Tracks sind brandneu und auch kompositionell das Produkt erstklassiger Teamarbeit. Dass beispielsweise Lilia nicht nur mit ihrer Stimme zu umgarnen weiß, sondern ihre gesungenen Zeilen auch alle selbst zu Papier brachte, hört man ganz unverblümt auf „Stift & Papier“. Aber auch Tracks wie „Notausgang“ oder „Lass uns Fremde bleiben“ profitieren von der Melange aus Lilias packendem Gesang und Tizzles Story-Telling. Herzstück der Platte ist der titelgebende Song „Traumfänger“, auf dem auch Tizzle mit Gesangseinlage überzeugt und Michael Malone ein fantastisches Solo zum Besten gibt.

Dankbar für viele schöne Momente

So sehr Katharsis auch Epiphanie ist, ohne Unterstützung geht es nicht. Für alle Musikgourmets unter Euch gibt es „Traumfänger“ und „Das letzte Lied“ noch mal in der „VoEsco Radio Edit“. Musikproduzent Volker Schumeinski war maßgeblich an der Produktion der Platte beteiligt und hat zwei der Katharsis-Songs in ganz besonderem Licht erstrahlen lassen. Seit dem 1.4. also gibt es die „Traumfänger“-EP auf allen gängigen Streamingdiensten sowie eine erste Video-Auskopplung von „Late Checkout“ auf YouTube. Auch, wenn das das Ende der Ära Katharsis ist, bleibt es um die Drei keinesfalls ruhig – diverse Projekte sind in Planung, versprochen.

Nun, mir bleibt nichts weiter, als zu sagen: „Kann all die Texte nicht vergessen, wie viele Jahre auch vergehen. […] Jedes Wort lebt in mir weiter, ich nehm sie mit auf meine Reise. Geht nicht ums Schaffen oder Scheitern, ich sing sie auch alleine.“ („Das letzte Lied“). Vielen Dank für die schönen Momente, die fantastischen Zeilen, die erhellende Stimmung und den Charakter, den Ihr einer ganzen Region gegeben habt.

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