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Enno Bunger zählt zu Deutschlands besten Singer-Songwritern. Sein jüngstes Werk heißt „Was berührt, das bleibt“ und ist trotz der Verarbeitung von Schicksalsschlägen keine reine Depri-Platte geworden.

Enno Bunger mit "Was berührt, das bleibt"

Leben, Tod und ein Hauch Mut

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Enno Bunger: Das Album "Was berührt, das bleibt" des Singer-Songwriters erhält traurige Songs - und eine Message.

Herzzerfetzend traurige Momente finden sich auf „Was berührt, das bleibt“, dem vierten Album des Sängers und Songschreibers Enno Bunger. Trotzdem machen diese Lieder über den Tod und das Leben vor allem eins: Mut. 

Enno Bunger lebt zwar seit Jahren in Hamburg, aber er kommt aus Ostfriesland, aus Leer. „In Ostfriesland“, sagt er, „sind die Menschen innerlich herzlich, aber sie tragen ihre Gefühle nicht zur Schau. Von der Mentalität her sind wir eher ruhig bis stoisch. Um so richtig emotional sein zu können, brauchen wir unsere Kunst.“ 

"Es gab nicht viel zu lachen"

„Was berührt, das bleibt“ hat Enno Bunger sein viertes Album genannt. Traurigere, ernstere, aufrichtigere und auch schönere Lieder als die darauf enthaltenen elf wird man in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr zu hören bekommen. „Es gab bei mir in den letzten Jahren nicht viel zu lachen“, sagt der 32-Jährige in feinstem norddeutschem Understatement. „Vermutlich hätte ich einen Therapeuten aufsuchen müssen, und wahrscheinlich werde ich das auch noch tun, aber ich entschied mich, zunächst mal über die Geschehnisse zu schreiben, die mich so fertiggemacht haben. Denn ich glaube daran, dass die größte Scheiße der beste Dünger für Kreativität sein kann.“

Das Leben hat dem Sänger und Songschreiber aus Norddeutschland, wie er es selbst im Song „Glaube an die Welt“ formuliert, in den vergangenen Jahren jedenfalls so richtig mit Anlauf in die Fresse gehauen. Seine Freundin Sarah erkrankte an Krebs (und überlebte). Lena, die Frau seines Schlagzeugers und besten Freundes Nils Dietrich, jedoch verstarb an Leukämie, nachdem sie vorübergehend bereits als geheilt galt. Beide Frauen waren längst noch keine 30, als sie die Diagnose bekamen. „Die Hoffnungen, die keimen und wieder eingerissen werden, die ewigen Aufs und Abs, der Verlust eines geliebten Menschen – das ist der Stoff dieser Platte.“ 

Wieder auf die Beine kommen

In den ersten Monaten nach Lenas Tod schreibt Enno nichts, er sitzt nur zuhause rum und versucht, irgendwie klarzukommen. „Wir wussten alle nicht mehr, wohin mit uns. Wie wir uns gegenseitig stützten und füreinander da waren, wie wir versuchten, wieder auf die Beine zu kommen, auch davon handeln diese Lieder.“ 

„Ponyhof“ ist eine vertonte Hochzeitsrede Schließlich setzt sich Enno ans Klavier und lässt die Musik aus sich herausfließen. Eines der ersten Stücke, das er „ohne Internet und freiwillig eingesperrt auf Borkum“ schreibt, ist „Ponyhof“, praktisch die Vertonung jener Rede, die er im August 2017 als Trauzeuge auf der Hochzeit von Nils und Lena hielt. „Das war einer der schönsten Tage meines Lebens“, erinnert sich der Sänger und Songschreiber, der mit sechs Jahren das Klavierspiel erlernte und nach hunderten von selbstorganisierten Konzerten 2010 sein erstes Album herausbrachte. 

Wenn Bäume Konfetti streuen...

Die Melancholie prägt Ennos Werk von Beginn an, auf dem Album „Wir sind vorbei“ (2012) geht es quasi monothematisch um eine damalige Trennung. Aber so weit und so tief in sein Innerstes wie auf „Was berührt, das bleibt“, wagte er sich noch nie vor. „Die Bäume streuen Konfetti“, den Song über Lenas Beerdigung nur drei Monate nach der Hochzeit, kann man kaum trockenen Auges zu Ende hören. 

Dass trotz des tragischen Ursprungs weder lyrisch noch musikalisch eine reine Depri-Platte entstanden ist und manche Stücke, wie zum Beispiel die Durchhalte-Hymne „Stark sein“ ganz schön kernig und im Stil der frühen Oasis produziert sind, das kann man Enno Bunger kaum hoch genug anrechnen. Sich zwar runterziehen, aber nicht für alle Zeiten unterkriegen zu lassen, darum geht es ihm. Und so handelt „Bucketlist“ davon, seine Wünsche und Träume nicht länger unnötig aufzuschieben, sondern in die Tat umzusetzen, „um am Ende, wann immer dieses Ende kommt, sagen zu können, dass es ein schönes Leben war.“

Enno Bunger live auf Tour: 8. Oktober, 20 Uhr. Zeche Carl, Essen. Karten gibt es ab 24,20 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

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