"Volle Krönung"

Kaiser Franz mit neuer EP

Der Recklinghäuser Musiker Kaiser Franz begegnet dem Leben aufrecht und mit Charakter. Ein Ethos, das er schon optisch transportiert: Löchrige Jeans, abgewetzte Lederjacke – dieser Kaiser braucht kein Chichi, um sich die Krone aufzusetzen. Das tut er am liebsten in seinem Thronsaal, also auf der Bühne, wo er das Publikum mit seiner gleichsam rauen wie eindringlichen Stimme sowie seiner respektlos-charmanten Art in den Bann zieht. Die Message, die der aufgrund eines Geburtsfehlers bewegungseingeschränkte Künstler mit seinem eingängigen Alternative-Rock und den hintergründigen deutschen Texten transportiert, ist dabei weniger die eigene royale Aura als vielmehr eine mitreißende Freude am Leben mit packender „Jeder kann alles schaffen und sich selbst zum Kaiser krönen“-Attitüde.

Zu hören gibt es das auch auf der aktuellen Vier-Track-EP „Volle Krönung“, eine Veröffentlichung, die eindrucksvoll des Kaisers Fähigkeit zeigt, mit Sprache Räume zu erschließen und mit Worten Bilder zu malen. Die Texte aus der Franz-Feder sind mal heiter, mal nachdenklich und immer fesselnd. Mit an Bord war als musikalischer Komponist/Gitarrist/Bassist das Dortmunder Szene-Urgestein Mike Zero. Da der Multi-Instrumentalist leider kurz nach den Recording-Sessions verstarb, sind hier seine letzten Aufnahmen zu hören.

Das Schlagzeug wurde von keinem Geringeren als Bobby Schottkowski (Tank, ex-Sodom) eingetrommelt. Aufnahme, Arrangements, Mastering und Produktion der Songs übernahm quasi als kaiserlicher Hofkapellmeister Siggi Bemm (Woodhouse Studios), der in der Vergangenheit mit unzähligen namhaften Künstlern – die Bandbreite reicht von Udo Lindenberg bis zu den Thrash-Metallern Kreator – zusammenarbeitete.

www.kaiserfranz-hofkapelle.de

Die vier versammelten Songs bieten einen spannenden Querschnitt des kaiserlichen Schaffens. Da gibt es das im Grunde programmatische Stück „Wenn Träume fliegen“ mit gleichsam klassischem wie modern interpretiertem Alternative-Rock. Der Song „Alles was bleibt“ kommt derweil breitbeinig stampfend daher, ausgestattet mit robustem E-Gitarren-Sound. Das bissige „Sissi Superstar“ rechnet mit all den Selfie-Sternchen ab, deren Prominenz sich einzig und allein auf die eigene Inszenierung in sozialen Netzwerken gründet und deren oberflächliche Glitzerwelt so rein gar nichts mit der bodenständigen und im Grunde ganz und gar unroyalen Wirklichkeit von Kaiser Franz zu tun hat. „Tattoo“ ist eine Hymne an die Freundschaft, die munter in Blues- und Rockgefilden wildert.

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