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Viele Mädchen glauben sie alleine seien für die Verhütung verantwortlich. So auch Rita - aber damit ist für sie nun Schluss.

Die passende Verhütungsmethode finden

Abschied von der Pille

Das Verhütungsmittel ist Fluch und Segen zu gleich: Es verändert Frauen auf vielen Ebenen. Rita hat es daher nun nach elf Jahren abgesetzt.

Elf Jahre habe ich die Pille genommen, und in den letzten Jahren der Einnahme habe ich angefangen, mir vermehrt darüber Gedanken zu machen, was ich da eigentlich zu mir nehme: Etwas, was meine Natur vollkommen unterdrückt und mir womöglich schadet. 

Natürlich habe ich die neue Pillendebatte, die in den letzten Jahren vermehrt in der medialen Berichterstattung angeklungen ist, mitverfolgt. Trotzdem habe ich die Pille erst Jahre später abgesetzt. Einige Male habe ich meinen Gynäkologen auf Nebenwirkungen und Langzeitfolgen angesprochen, dieser versicherte mir aber, ich habe die Pille bisher sehr gut vertragen und daher nichts zu befürchten. Außerdem habe ich praktisch seit meinem 14. Lebensjahr drei langfristige Beziehungen gehabt, wo Verhütung natürlich eine wichtige Rolle gespielt hat. Mir kam es gar nicht in den Sinn, dass sich damals meine Freunde um die Verhütung hätten kümmern können. Es war klar, dass das Frauensache ist. 

Vor vier Monaten habe ich mich endlich überwunden, die Pille abzusetzen, habe mir im Voraus Literatur besorgt, um zu wissen, was auf mich zukommt. 

Als ich von den Nebenwirkungen des Absetzens las, habe ich beinahe gezögert, weil dadurch anscheinend so einige Probleme auf mich zukommen würden, mit denen ich mit der Pille nicht zu kämpfen habe… mal ganz davon abgesehen, dass ich nun schwanger werden könnte. Viele junge Frauen nutzten das Singledasein, um mit der Pille aufzuhören; ich stecke weiterhin in einer Beziehung und hab mich trotzdem überwunden, weil ich meinem aktuellen Partner vertraue.

Ich vertraue ihm, dass er in dieser Phase der hormonellen Umstellung die Verantwortung für die Verhütung tragen wird – die Verantwortung, die ich elf Jahre lang getragen habe. Zum ersten Mal wird mir klar, dass Verhütung die Kooperation von Frau UND Mann erfordert und überhaupt nicht an mir als Frau hängenbleiben MUSS. 

Ohne Pille tickt der Körper plötzlich anders

Die Folgen des Absetzens sind möglicherweise Akne, fettige Haare, Haarausfall, Ausbleiben der Regelblutung, schmerzhaftere Blutungen, Wassereinlagerungen und so einiges mehr. Und ja, ich habe ein paar Pickel bekommen, die ich mit der Pille nie hatte. Das habe ich der neueren Generation der Pille zu verdanken, die für reinere Haut und volleres Haar sorgt. Aber neben diesem tollen Beauty-Effekt weist sie ein deutlich höheres Thromboserisiko auf als die Pillen der älteren Generation. Außerdem habe ich einige Jahre lang geraucht und damit das Risiko zusätzlich erhöht. 

Dass ich neben dem Streuselkuchen in meinem Gesicht nun auch Haarausfall und einen in Lichtgeschwindigkeit fettenden Haaransatz habe, ist aber okay, denn ich habe jetzt verstanden, dass ich meinem Körper eine Pause erlauben muss, eine Pause von der „Hormonkeule Pille“. Jetzt ist er auf sich allein gestellt und muss lernen, zu funktionieren. Und dafür muss ich meine Fruchtbarkeit verstehen. 

So bin ich auf das Konzept der „Natürlichen Familienplanung“ gestoßen. Diese Methode ermöglicht Frauen die „intensive Wahrnehmung von Körpersignalen und ein Verständnis für die physiologischen Vorgänge“. Genau das wollte ich. Ich wollte endlich meinen eigenen Körper verstehen und ihm zuhören.

Direkt nach dem Absetzen habe ich also mit NFP begonnen, protokolliere fleißig jeden Morgen meine Körpertemperatur, trage sie in eine Kurve ein, beobachte weitere Symptome zur Fruchtbarkeitswahrnehmung und warte einen Temperaturanstieg ab, gepaart mit entsprechend Nebensymptomen… Aber: Es passiert nichts. Warum? Hat die Pille Schuld? Es sind vier Monate vergangen, ich habe meine Regel noch nicht bekommen. 

Nach anfänglicher Panik und einem regen Austausch mit anderen Frauen in einer speziell für NFP vorgesehenen Facebook-Gruppe, der meine Panik übrigens verschlimmerte, habe ich mich beruhigt. Jede Frau ist anders. 

Ein Medikament für den gesunden Körper?

Es ist also völlig okay, dass ich die Zeit brauche, die ich eben brauche. Tatsächlich ist es kaum einer Frau bewusst, wie gravierend der Unterschied zwischen synthetischen Hormonen (in der Pille, im Nuvaring oder in der Hormonspirale) und den körpereigenen Hormonen ist. Die Pille ist ein Medikament, welches im Grunde genommen gesunde Körper behandelt. Oral eingenommene Medikamente gelangen in unseren Blutkreislauf, beeinflussen unsere Leber, die Schilddrüse, die Nebennieren, unseren Darm und vielleicht auch unsere Psyche. 

Ich möchte die Pille nicht verteufeln, denn sie kann für viele Frauen eine ungeheure Erleichterung darstellen, insbesondere wenn man an Endometriose oder PCO (eine Störung im hormonellen Regelkreis, die unter anderem zu einer unregelmäßigen Menstruation und verstärktem Haarwuchs führt) leidet. Aktuell steigen aber immer mehr Frauen auf natürliche Verhütungspraktiken um oder auf die klassischen Barrieremethoden. Hauptsache, der Körper ist nicht mehr fremdgesteuert. Mag sein, dass die Pille immer noch die sicherste und vor allem auch einfachste Methode darstellt, aber sie lässt uns vergessen, wie wir funktionieren. 

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