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Einziger Nicht-Bier-Trinker auf der Party? Kein Problem, findet Lucas.

Verzicht auf Alkohol

Ihm sollte man lieber das Wasser reichen

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"Alkohol? Nein danke!" Lucas trinkt nie Bier und Co. Er hat aber gute Gründe dafür, ist aber auch Partytrinkern gegenüber tolerant.

Es ist ein Phänomen, das mir, wenn ich unterwegs bin, des Öfteren begegnet: Auf mein „Nein“ bekomme ich nur fragende Blicke zurück. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es häufig vorkommt, dass ich die einzige Person oder eine der wenigen Personen bin, die sich von der Masse unterscheidet. Falls Ihr Euch jetzt fragt, was mich von anderen Menschen abhebt, ist die Antwort einfach: Alkohol. 

Für viele gehört er in der heutigen Zeit einfach dazu. Häufig hört man ja Sätze wie „Wir müssen mal wieder ein Bier zusammen trinken gehen.“ Nur: Warum muss ein Bier mit einem Treffen verbunden sein? Ich habe in meinem Leben bisher noch keinen Alkohol getrunken – warum genau, kann ich tatsächlich nicht sagen. Für mich hat es sich einfach so ergeben. Dass es in meinem Alter immer mehr Menschen gibt, die Alkohol trinken, ist mir vor allem auf meinen bisherigen Abschlussfeiern bewusst geworden.

Zum Teil war ich aus meiner Klasse der Einzige, der mit einem Wasser gefeiert hat. Das war komisch. Nicht selten höre ich Aussagen wie „Mit ein paar Bier ist es viel lustiger“ oder „Das entspannt ein bisschen“. Mag aus der Sicht derjenigen vielleicht stimmen, und ja, ich weiß auch nicht, wie es ist, mit Alkohol zu feiern. Aber all die Aussagen schaffe ich auch ohne Alkohol. Da ich persönlich auch jemand bin, der vorher alles gerne geplant hat und auch noch eine gewisse Kontrolle über jede Situation haben möchte, fällt mir der Griff zur Wasser- statt zur Bierflasche auch immer leichter.

„Don’t drink and drive“ mit neuer Bedeutung 

Eine Frage, die ich auch häufiger zu hören bekommen, ist, ob ich aufgrund meiner Behinderung nichts trinken darf. Soviel sei vorweggenommen – doch, ich dürfte, aber ich möchte nicht. Zudem bekommt der Satz „Don’t drink and drive“ bei mir als Rollstuhlfahrer eine völlig neue Bedeutung. Was mich an der ganzen Geschichte mit dem Trinken stört, ist auch, die Auswirkungen zu sehen, die der Alkohol auf meine Mitmenschen hat. Wenn ich spätabends unterwegs bin und mir an- oder betrunkene Menschen entgegenkommen, hoffe ich im ersten Moment, dass sie den Rollstuhl sehen und ich sie nicht im nächsten Moment auf dem Schoß sitzen habe. 

Schlechte motorische Fähigkeiten der Mitmenschen

Den Höhepunkt erreicht es für mich bei Veranstaltungen, wo viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen, wie zum Beispiel der Kirmes oder dem Oktoberfest. Diese Feste meide ich so gut wie möglich. Durch meine (natürlich bedingte) veränderte Sitzhöhe, kommt es mir sowieso schon deutlich bedrückender vor, als es ist. Wenn dann allerdings noch die motorischen Fähigkeiten meiner Mitmenschen nur noch bedingt funktionieren, finde ich das eher mittelprächtig. Nicht selten gleicht der Weg dann eher einem Hindernisparcours oder Hürdenlauf. Wenn ich irgendwann mal meinen Führerschein besitzen sollte (und ich hoffe, es dauert nicht mehr lange), dann freuen sich meine Freunde – die Rolle des Fahrers ist dann zumindest schnell geklärt. 

Aber ich freue mich genauso, denn dann ist die Antwort für mich auf all die Fragen schnell und einfach: „Ich trinke nichts, denn ich bin der Fahrer.“ Diese Rolle nehme ich dann gerne an. Um aber nicht alles negativ aussehen zu lassen – natürlich gibt es auch positive Aspekte des Keinen-Alkohol-Trinkens. Ich habe das Gefühl, dass ich Momente bewusster genieße. Klingt vielleicht für den einen oder anderen von Euch komisch, aber einzelne Augenblicke nehme ich so vielleicht ein bisschen anders, beziehungsweise detaillierter wahr. 

Zudem fällt mir auf, dass viele Menschen entspannter, lockerer und ja, auch hilfsbereiter sind, wenn sie etwas getrunken haben. Das ist für einen Menschen wie mich, der ab und zu auf fremde Hilfe angewiesen ist, von Vorteil. Oft entwickeln sich aus eher zufälligen Treffen auch sehr lustige Unterhaltungen, die einem noch länger im Gedächtnis bleiben. Ich jedenfalls freue mich auf die nächste Veranstaltung mit meinen Freunden oder auch fremden Leuten und stoße dann gerne mit ihnen und auch mit Euch an. 

Ob bei einem Bier oder einem nicht alkoholischen Getränk – das darf jeder selbst entscheiden… (Lucas Kurth)

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