Ein Mädchen steht vor einer weißen Wand. Sie zieht ängstlich sich den Kragen ihres Pullovers über den Kopf, um ihren Blick abwenden zu können.
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Kopf einziehen und bloß nicht hinsehen, wenn da etwas durchs Zimmer krabbelt. 

Phobie

Die Angst kommt auf acht Beinen

Spinnen werden in diesem Leben definitiv nicht mehr zu Julias* Freunden. Egal ob auf Fotos oder als unliebsame Mitbewohner.

Von Julia Letsak* (Name v.d. Red. geändert)

Arachnophie – auch unter Spinnenphobie bekannt, bezeichnet eine Angststörung beim Menschen, bei der eine übersteigerte Angst vor Spinnen oder allgemein Spinnentieren vorliegt. Menschen mit dieser Phobie nehmen das Bild einer Spinne früher, länger und damit dominanter wahr als Unbetroffene. So schreibt es Wikipedia.

Ich kann das gut nachempfinden, denn ich habe diese Phobie. Ich weiß aber auch, dass bereits jetzt viele beim Lesen denken werden „ach komm, jeder ekelt sich doch vor Spinnen“. Ja, es mag sein, dass viele sich ekeln, sobald ihnen ein Achtbeiner über den Weg krabbelt oder, dass sie ängstlich reagieren, weil sie die Viecher einfach nicht mögen. Aber bei einer wirklichen Phobie sieht diese Angst noch mal ganz anders aus und das will mir zumindest nie wirklich jemand glauben.

Wollen meine Freunde sich einen Spaß erlauben, bekomme ich irgendwelche Memes oder „lustige“ Videos von Spinnen geschickt. Wie funny! Nicht. Und natürlich heißt es dann und generell in allen Spinnen-Szenarien immer „ach stell Dich nicht so an“ oder „die tut Dir doch nichts“ oder, ganz oben auf meiner Beliebtheitsskala an vermeintlich besänftigenden Sätzen, „die Spinne hat viel mehr Angst vor Dir, als Du vor ihr“.

Diverse Räume werden aus Vorsicht gemieden

Nein. Das hat sie definitiv nicht. Wenn sie das hätte, würde sie sich nicht in meiner Nähe aufhalten oder in meinem Wohnraum ihr Netz einrichten. Wenn sie so viel Angst vor mir hätte, wie ich vor ihr, würde sie jegliche Räume, in denen ich mich aufhalten könnte, meiden. So mache ich es nämlich, mit Orten, an denen Spinnen sehr wahrscheinlich sind.

Garagen, Keller? Sind für mich tabu. Meinen eigenen Keller habe ich noch nie gesehen, ganz einfach, weil ich diese modrigen Räume äußerst ungern betrete. Warum? Weil ich trotz gutem Zureden „ach da unten ist alles sauber, da sind keine Spinnen“ doch mit hundertprozentiger Sicherheit weiß, dass ich nach wenigen Sekunden dort unten mindestens einen Achtbeiner entdeckt habe. Womit wir wieder bei der Eingangsdefinition wären.

Schamgefühl und Atmung gehen verloren

Ähnlich ist es übrigens auch bei Garagen, denn dort hat meine Phobie – zumindest soweit ich weiß – begonnen. Irgendwann als Kind habe ich bei meinen Großeltern im Garten gespielt. Als ich etwas zum Spielen aus der Garage herausholen wollte, ist es dann passiert: Ich habe die Spinne auf dem Spielzeug zu spät bemerkt und sie hat es geschafft, mir mein in kurze Hosen gekleidetes Bein hochzulaufen. Von da an nahm das Drama seinen Lauf.

Aber wie unterscheidet sich nun meine Angst von einer „normalen“ Angst? Ich schreie nicht nur kurz angeekelt auf, wenn ich eine Spinne sehe, und klatsche dann mit dem Schuh drauf. Nein, ich fange an zu weinen (unfreiwillig), bekomme Herzrasen und Schnappatmung – kurzum, ich fange an zu hyperventilieren und das kann dann auch mal eine Weile dauern. Außerdem schalte ich in solchen Momenten jegliches Schamgefühl aus und klingle Nachbarn aus dem Bett, um Spinnen im Treppenhaus zu entfernen, oder halte auf der Straße wildfremde Leute an, wenn sich mal wieder ein Viech auf meinen Fahrradlenker verirrt hat. Entdecke ich eine Spinne in meiner Nähe, werde ich zusätzlich kurzfristig zu Flash und kann plötzlich so schnell rennen, wie ich es an diversen Bundesjugendspielen gerne gekonnt hätte.

Selbst Fotos sind zu viel des Guten

Videos, in denen Spinnen vorkommen, kann ich mir nicht anschauen. Fotos eines Achtbeiners berühren? Undenkbar. Selbst der bloße Gedanke an eine Spinne in meiner Nähe sorgt dafür, dass ich mich kräftig schütteln oder zumindest tief durchatmen muss. Ich weiß, das alles ließe sich therapieren, aber davor hab ich dann doch zu große Angst, weil ich mich in dieser Therapie ja zwangsläufig mit Spinnen beschäftigen müsste. Nö, dann lebe ich lieber weiter damit!

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