+
Kristina und Tobi haben sich in Sydney kennengelernt und sind Freunde geworden. Er hat Kristina den Denkanstoß gegeben, ihr Abenteuer in Australien frühzeitig zu beenden.

Scenarios Auslandsreihe: Kristinas neunter Teil aus Australien

Vorfreude auf Mamas Essen

  • vonKristina Wendt
    schließen

Kristinas Abenteuer am anderen Ende der Welt fand leider ein verfrühtes Ende. Dennoch ist sie dankbar, für all die neuen Freunde und die wieder gewohnte Umgebung.

Wie Ihr es Euch bestimmt denken könnt, sind wir in Australien auch nicht um das Corona-Virus herumgekommen. Auch hier wurde gebunkert, was das Zeug hielt: Klopapier, Nudeln und Reis. Also war das mit dem Klopapier-Kauf nicht nur in Deutschland so ein Trend. Egal in welcher Abteilung: Die Regale waren nahezu leer, als ob es morgen nichts mehr geben würde. Hinzu kommt, dass nach kurzer Zeit bereits die meisten Menschen mit Mundschutz aus dem Haus gegangen sind und einem am Hauptbahnhof stichprobenartig die Temperatur gemessen wurde. 

An einem Abend erzählte mir Tobi, den ich ebenfalls in Sydney kennengelernt habe, ganz überraschend, dass er ein Flugticket nach Deutschland gebucht habe und bereits ein paar Tage später zurückfliegen wolle. Er habe Angst, in Sydney festzusitzen, wenn sich Corona auf der ganzen Welt und somit auch in Australien so richtig ausbreitet und der nationale Lockdown kommt. Als er mir seine Begründung genauer erläutert hatte, begann ich über meine Situation nachzudenken. 

Ich habe in dieser Nacht nur wenig geschlafen und wollte am liebsten sofort zu Hause sein.  Warum wurden ausgerechnet mir hier so viele Steine in den Weg gelegt? Mein Bauchgefühl sagte mir bereits eindeutig, dass ich nach Hause fliegen soll. Abends habe ich mit meinen Eltern geskypt und ihnen von meinen Sorgen erzählt. Nach dem Gespräch war mir allerdings klar, dass ich nur nach Hause möchte. Noch am selben Tag habe ich einen Rückflug gebucht. 

Als ich meine Gastfamilie verließ, war das Nach-Hause-Fliegen keine Option für mich. In dieser neuen Situation schon. Wer hätte damit gerechnet, dass so ein Virus die ganze Welt auf den Kopf stellt? Das bedeutete also für mich, dass ich schon drei Tage später wieder in meinem eigenen Bett schlafen würde, es wieder sauber im Haus und ich wieder in vertrauter Umgebung sein würde. Außerdem stieg die Vorfreude auf Mamas Essen und die ganzen alltäglichen Kleinigkeiten, die man erst so richtig zu schätzen lernt, wenn man sie nicht mehr hat. 

Solène, meine französische Mitbewohnerin, war traurig darüber, dass ich aus der WG ziehe und sie verlasse. Ich habe mich noch ein letztes Mal mit Nina getroffen und mit ihr unter anderem über Corona und die jetzige Situation gequatscht. Sie wollte Sydney (zu diesem Zeitpunkt) auf keinen Fall schon verlassen. Glücklicherweise wohnt sie in Bielefeld, also nicht allzu weit weg von Recklinghausen. Somit können wir uns in Deutschland gut besuchen. 

Ein letzter Abend zusammen in Sydney 

Abends habe ich mich noch einmal mit Tobi getroffen, der nur 24 Stunden vor mir nach Hause fliegt. Er wohnt in der Nähe von Dinslaken, und wir haben abgemacht, dass auch wir uns, wenn die Umstände es erlauben, in Deutschland wiedersehen. Es ist witzig, dass meine Freunde, die in Sydney um die Ecke gewohnt haben, jetzt in ganz Deutschland verteilt sind. Auf der einen Seite kann man sich somit nicht mal eben im Park treffen, allerdings freue ich mich schon, zu sehen, wie ihre vier eigenen Wände aussehen. 

Bis zum Schluss war eine gewisse Unsicherheit da: Auf der einen Seite habe ich mich gefreut, dass es nach Hause geht und ich meine Liebsten schon bald wiedersehe. Auf der anderen Seite hatte ich mich auf ein großes Abenteuer gefreut, das nun viel zu früh enden sollte. Dazu kam die Ungewissheit, ob meine Flüge vielleicht kurzfristig gestrichen würden und ich doch nicht nach Deutschland reisen könnte. Am schlimmsten war die Vorstellung, im Zwischenstopp Dubai festzusitzen. 

Auf dem Weg zum Flughafen hatte ich ein angenehmes Gespräch mit dem Taxifahrer. Er erzählte mir, wo auf der Welt er gelebt hatte und was ihn nach Sydney zog. Ich bedankte mich bei ihm und ging in das Flughafengebäude hinein. Dafür, dass es ein großer internationaler Flughafen ist, war nahezu jeder Schalter geschlossen. Das Erste, was ich am Flughafen machte, war, meine Koffer zu wiegen. Ich war bepackt wie ein Esel, und da wir keine Waage in der WG hatten, habe ich meine Koffer nach Gefühl gepackt: Glück gehabt, kein Übergewicht.

Am Schalter traf ich dann ein deutsches Mädchen. Nachdem wir ein paar Sätze gewechselt hatten, stellte sie sich zu mir in die Schlange, da sie ebenfalls über Abu Dhabi nach Düsseldorf fliegen würde. Zu zweit fühlt man sich automatisch sicherer an so einem Flughafen. Trotzdem konnte ich erst durchatmen, als ich im Flugzeug Richtung Düsseldorf saß. Wenigstens klappte hier alles reibungslos. 

Das Abenteuer wird fortgesetzt 

Nach über 24 Stunden kam ich in Düsseldorf an. Dort erwarteten meine Eltern mich voller Freude. Wir sind uns in die Arme gefallen, und ich konnte es kaum fassen, dass mein Abenteuer hiermit vorbei war. Es ist auf eine Art ungewohnt, wieder zuhause zu sein. Auf der anderen Seite fühlt es sich an, als sei ich nie weg gewesen. 

Auch Nina, die zunächst in Sydney bei ihrer Gastfamilie bleiben wollte, hat ihre Meinung geändert und ist zwei Wochen später als ich zurück nach Deutschland geflogen. Zusammen wollen wir so bald wie möglich in den Semesterferien noch einmal nach Australien fliegen, unsere Reisen nachholen und zusammen noch viel erleben, was wir jetzt leider streichen mussten. Möglicherweise nehme ich Euch dann noch einmal über Scenario mit. 

Ich bin froh, dass ich die Entscheidung getroffen habe, nach Deutschland zu fliegen. In Australien habe ich viele Erfahrungen gesammelt, mich persönlich weiterentwickelt, gelernt, dass es nicht immer geradeaus geht, aber auch viele tolle Menschen treffen dürfen und Freundschaften für das Leben geschlossen. Trotz der Tatsache, dass bei mir gefühlt nichts nach Plan gelaufen ist, kann ich jedem nur ans Herz legen, eine längere Zeit im Ausland zu verbringen, wenn sich die Chance ergibt!

Auch Jana hat ihren Freiwilligendienst in Litauen verfrüht abbrechen müssen. Sie kann aber von Deutschland aus ihre Schulklasse in Vilnius unterrichten. 

Lena hingegen bleibt in den USA. Sie möchte ihrer Gastfamilie weiterhin helfen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Kommunalwahl in Waltrop: Das sind die Bewerber/innen für das Bürgermeisteramt
Kommunalwahl in Waltrop: Das sind die Bewerber/innen für das Bürgermeisteramt
Antrag auf Bürgschaft von Schalke 04 stößt auf heftige Kritik von Ex-Innenminister: „Die Steuerzahler sollten auf keinen Fall...“
Antrag auf Bürgschaft von Schalke 04 stößt auf heftige Kritik von Ex-Innenminister: „Die Steuerzahler sollten auf keinen Fall ...“
Aus heiterem Himmel: Mann tritt Bekannten und fährt wieder davon
Aus heiterem Himmel: Mann tritt Bekannten und fährt wieder davon
"Tammy" - Ein Tagebuch zur Selbstfindung
"Tammy" - Ein Tagebuch zur Selbstfindung
Falschparker verwarnt: Dann rast der Transporter auf die Ordnungskräfte zu
Falschparker verwarnt: Dann rast der Transporter auf die Ordnungskräfte zu

Kommentare