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In Australien löscht ein Feuerwehrmann einen Brand in der Nähe eines Grundstückes.

Scenarios Auslandsreihe: Kristinas vierter Teil bei Around the world

Buschfeuer und „cheeky Kids“

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Ich werde an einem normalen Morgen um halb sieben von meinem Wecker geweckt, um in meinen Arbeitstag zu starten. Das Erste, was mir auffällt, ist, dass es seltsam in meinem Zimmer riecht. Nach kurzem Überlegen kann ich den Geruch zuordnen. Es riecht, als brenne das Haus. 

Ich stehe auf, und der Geruch hält an. Julia, meine Gastmutter, erzählt mir, dass es heute sehr heiß werden würde und die Gefahr der Buschbrände durch den starken Wind sehr hoch sei. Zusammen mit meinem Gastvater Justin informiert sie sich im Internet über die Lage. Währenddessen schreibt mir ein anderes Au-pair, dass ihre Familie Koffer packt für den Fall, dass ihr Haus evakuiert werden muss. 

Was ist, wenn wir aus dem Haus müssen?

Mir kommen viele Fragen: Was passiert, wenn wir aus dem Haus raus müssen? Wie schlimm muss ich mir die Brände vorstellen? Wie nah sind die Buschfeuer bei uns? 

Julia und Justin beschließen, Sofia und Christian heute nicht in die Schule gehen zu lassen: „Das ist eine Katastrophe. Wir bringen die beiden heute zur Oma.“ Christian hat Asthma, und es sei ein zu hohes Risiko für ihn, so viel Zeit draußen bei der schlechten Luftqualität zu verbringen. Tatsächlich ist es draußen ein wenig nebelig, und überall riecht es nach Rauch. Ich schließe alle Fenster im Haus und bleibe den ganzen Tag drinnen. 

Wenn meine Augen anfangen zu brennen, sobald ich das Haus verlasse, habe ich keine Lust rauszugehen und lege mich in meiner freien Zeit lieber ins Bett zurück. Meine Freunde wissen, dass ich jede freie Minute gern zum Schlafen nutze. 

Wir riechen den Rauch...

Der Tag verläuft entspannt, ich bin allein zu Hause und die Lage in meinem Ort bleibt ruhig. Wir riechen den Rauch durch den starken Wind, die Brände sind allerdings zwei Stunden mit dem Auto von uns entfernt. Abends beobachte ich, dass der Himmel grau wird. Mehr passiert zum Glück nicht, und keiner meiner Freunde hier muss das Haus verlassen. Meine Liebsten aus Deutschland erkundigen sich, ob es mir gut geht, da sie das Ausmaß der Buschfeuer im Osten Australiens im Fernsehen gesehen haben.

Allerdings ist es nur im Landesinneren so schlimm, und sowohl bei uns in den Vororten als auch in der Stadt kommen trotz höchster Warnstufe glücklicherweise nur die Rauchwolken an. Ich bin gespannt, wie es im Sommer hier aussieht, wenn es bereits im Frühling so schlimm ist. 

Einen Alltagsrhythmus gefunden

Ansonsten habe ich mittlerweile einen guten Rhythmus in meinem Alltag gefunden und weiß, wie ich den Zeitplan am besten einhalte. Das ist mir anfangs schwerer gefallen, da ich die Erwartungen meiner Gasteltern durch die Art, wie ich die Dinge gemacht habe, teilweise nicht erfüllt habe. 

Wenn die Kinder meiner Meinung nach pünktlich beim Sport waren, hieß es, dass ich an meiner Pünktlichkeit und an meinem Zeitmanagement arbeiten solle. Totaler Schwachsinn in meinen Augen! Da ich alles bestmöglich machen möchte und mir die Zufriedenheit meiner Gasteltern nicht egal ist, habe ich die „Kritik“ hingenommen und bin jetzt nahezu immer überpünktlich, damit bloß nicht mehr gemeckert werden kann. 

Kleinste Kritik zu Herzen nehmen

Ich unterhalte mich darüber mit ein paar anderen Au-pairs, und mir fällt auf, dass wir uns alle die kleinste Kritik unserer Gasteltern sehr zu Herzen nehmen. Manchmal auch zu sehr. Und ich bemerke bei mir selbst, dass ich sofort schlechte Laune bekomme, wenn Julia gestresst von der Arbeit nach Hause kommt und mal nicht so freundlich ist. Ich suche den Fehler dann sofort bei mir, obwohl ich gar nicht der Grund bin. In den ersten Wochen habe ich meist nur am Wochenende etwas mit anderen Au-pairs unternommen. 

Mittlerweile nutze ich meine freien Stunden unter der Woche und treffe mich unter anderem gern mit Amy, einem Au-pair, das im Nachbarort wohnt. Unsere Gastmütter sind Arbeitskolleginnen – und durch sie haben wir uns kennengelernt. Amy ist einen Monat vor mir hier angekommen, und an einem sonnigen Vormittag treffen wir uns bei ihr. Sie zeigt mir einen ihrer Lieblingsorte bei uns in der Nähe. Wir laufen nicht weit, schon können wir das türkisblaue Wasser sehen und setzen uns auf die Steine. 

Wenn ich mit Amy rede, fühlt es sich an, als würde ich sie schon ewig kennen. Wir können über alles reden und uns gehen nie die Gesprächsthemen aus. Ich finde, dass es nicht leicht ist, Menschen zu finden, mit denen ich nach kurzer Zeit so viel reden kann und gute Gespräche habe. Das ist besonders unter der Woche ein guter Ausgleich zum Alltag, vor allem zu der Arbeit mit den Kindern.

Strenge Erziehung? – Na ja... 

Denn meine Befürchtung, dass Christian und Sofia mir die Nerven raubn würden, bewahrheitet sich in manchen Situationen. Fast täglich provozieren sich die beiden, bis Christian seine Schwester schlägt und sie weinend zu mir rennt. Mein erster Eindruck, dass Julia und Justin ihre Kinder relativ streng erziehen, täuscht mich. Mit der Zeit merke ich, dass die Kinder inkonsequent erzogen werden. Man sagt nicht umsonst, dass die australischen Kinder „cheeky“ oder „naughty“ sind. Das bedeutet so viel wie frech oder unartig. 

Somit muss auch ich Christian zehnmal bitten, jetzt doch endlich in die Badewanne zu steigen. Wenn er und seine Schwester ihr ganzes Leben so erzogen wurden, kann ich in der kurzen Zeit, in der ich hier bin, nicht viel daran ändern. Es gibt Tage, an denen denke ich, dass ich die beiden endlich im Griff habe. 

Dann gibt es Tage, an denen sie weder auf mich noch auf ihre Mutter hören. Ich merke, dass ich einfach keine Geduld bei Kindern habe und besser mit Erwachsenen klarkomme, die verstehen, was ich von ihnen möchte und denen ich den Grund für mein Handeln erklären kann. Trotzdem starte ich jeden Tag mit neuer Energie, und die Zeit vergeht wie im Flug.

INFO Kristina Wendt (18, Recklinghausen) verlässt Recklinghausen für sechs bis acht Monate. Sie fliegt nach Australien. In Seaforth, einem Vorort von Sydney, passt sie in einer Gastfamilie als Au-pair auf zwei Kinder auf und hat vor, besonders nach dieser Zeit Land und Leute zu erkunden. Bei Scenario berichtet sie, was ihr in Australien widerfährt.

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