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Kristina packt die Koffer. Die neue Unterkunft wartet aber zum Glück schon.

Scenarios Auslandsreihe: Kristinas sechster Teil bei Around the World

Ein Abschied und ein Neustart

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Vor wenigen Wochen hat Kristina von ihren Gasteltern erfahren, dass sie künftig kein Au-pair mehr brauchen. Doch für die Recklinghäuserin geht‘s erst mal gut weiter.

Clara, mit der ich hier schon viel zusammen unternommen habe, ist eine der Ersten, denen ich von meiner überraschenden und unfreiwilligen Planänderung erzähle. Auch sie hat vor nicht allzu langer Zeit ihre Gastfamilie verlassen, und ich habe ihr damals bei der Job- und Wohnungssuche geholfen. Jetzt schlägt sie mir sofort vor, dass ich im Gegenzug dafür übergangsweise bei ihr unterkommen könne.

 Sie erzählt noch am gleichen Abend ihrer neuen Gastfamilie, in der sie sich jetzt total wohlfühlt, von meiner Lage. Ihre Gasteltern bieten von sich aus sofort an, dass ich zu ihnen ziehen könne: „Sie kann lieber hier wohnen als in irgendeinem dreckigen Hostel.“ Total lieb! Von solchen Menschen sollte es meiner Meinung nach mehr auf der Welt geben. Auch Holly und Poppy, die Gastkinder, heißen mich willkommen und freuen sich. Somit kann ich die letzten Nächte in meiner Gastfamilie beruhigt und ohne Existenzängste schlafen.

Die letzten zwei Wochen in meiner Gastfamilie sind angebrochen. Aufgrund der Ferien habe ich nicht viel zu tun und widme mich Dingen wie die Schränke aufzuräumen, was eigentlich nicht zu meinen Aufgaben gehört. Aber ich möchte auch nicht den ganzen Tag nur im Bett liegen und darauf warten, dass die Familie mich braucht. Erst habe ich ein unwohles Gefühl dabei, die Gasteltern, darum zu bitten, mir ein paar Tage frei zu geben, da es eigentlich normale Arbeitstage für mich wären. Als ich allerdings davon erzähle, dass ich mir ein großes Feuerwerk in Sydney anschauen möchte, sagen sie von sich aus, dass ich sehr früh da sein müsse. 

Gesagt, getan: Ich stehe um vier Uhr nachts auf, damit ich um sechs Uhr in der Schlange für den Einlass auf den Opernplatz bin. Perfekt: Ich habe meiner Meinung nach den besten Platz in ganz Sydney, um das große Feuerwerk zu sehen. Viele von Euch denken bestimmt, dass es verrückt ist, mitten in der Nacht aufzustehen und den ganzen Tag bei 35 Grad in der Sonne zu sitzen, um ein zehnminütiges Feuerwerk zu sehen. Aber das stand auf meiner Bucket-List und hat sich mehr als gelohnt! 

Die Stimmung in der Familie ist trotz der aktuellen Situation entspannt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Christian und Sofia keinen blassen Schimmer davon haben, dass ihre große Gastschwester sie bald verlässt. Ich freue mich mittlerweile, dass ich bei Clara einziehe. Ich mag meine Familie, und sie haben alles getan, damit ich mich wohlfühle. Allerdings möchte ich ihnen nicht noch zur „Last“ fallen, wenn sie mich gar nicht mehr brauchen. 

Beim Abschied kullern dann doch die Tränen ...

Ich verlasse meine Familie schon donnerstags anstatt am Freitag, da ich abends noch mit der Gruppe, in der Clara auch ist, ausgehen möchte. Donnerstags?! Ja, genau. In Sydney muss nicht Wochenende sein, um feiern zu gehen. Hier steigt jeden Tag eine Party. 

Clara holt mich mittags ab, und meine Gastfamilie verabschiedet mich am Auto. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Tränen kommen, wenn ich sie umarme. Allerdings sind mir besonders die Kinder ans Herz gewachsen – verständlich, wenn man drei Monate jeden Tag mit ihnen zusammen war. Sofia und Christian wollen mich gar nicht mehr loslassen, Justin und Julia wünschen mir das Beste für die Zukunft. Abschiede sind immer schwierig. 

Nach ein paar Minuten im Auto geht es mir wieder besser, und die Vorfreude kommt wieder zum Vorschein. Jetzt geht die Jobsuche los, da ich nun kein Einkommen mehr habe und man ohne Geld schlecht reisen beziehungsweise leben kann. Ich schaue auf Facebook nach Nanny- und Babysitting-Jobs. Für mich steht fest, dass ich nicht zurück in eine Gastfamilie möchte, da ich Arbeit und Freizeit mehr voneinander trennen möchte. Eine weitere Möglichkeit für mich, Geld zu verdienen, ist „Uber eats“. Den Job kann jeder machen, der sich registriert hat. Man muss sich ein Fahrrad mieten und kann, wann immer man Lust und Zeit hat, Essen ausliefern. Das ist vielleicht nicht der entspannteste Job, allerdings gefällt mir dabei, dass man selbstständig fahren kann, wann man möchte. 

Mein Plan ist es, Anfang Februar mit dem Arbeiten anzufangen. Davon werde ich Euch selbstverständlich auch berichten! Mal schauen, wie sich meine Pläne bis dahin wieder verändern. Es bleibt auf jeden Fall spannend. (Kristina Wendt)

INFO Kristina Wendt (18, Recklinghausen) verlässt Recklinghausen für sechs bis acht Monate. Sie fliegt nach Australien. In Seaforth, einem Vorort von Sydney, passt sie in einer Gastfamilie als Au-pair auf zwei Kinder auf und hat vor, besonders nach dieser Zeit Land und Leute zu erkunden. Bei Scenario berichtet sie, was ihr in Australien widerfährt.

In Kristinas letztem Artikel könnt Ihr noch einmal nachlesen, wie es ihr ging, als sie von ihrem plötzlichen Ende als Au-Pair erfuhr.

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