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Straßen-Schuhe aus! Übrigens: Für Profi-Tänzerinnen sind individuell angepassten Spitzenschuhe Teil ihrer Arbeitskleidung, die sie täglich durch viele Stunden Training, Proben und Aufführung tragen. Bis zu acht Paar verschleißt eine Profi-Tänzerin - pro Monat.

Ballett ist Sport

Von wegen leichtfüßig

Hobby-Balletttänzer werden manchmal erstaunt angeschaut. Und berufliche Balletttänzer oder Primaballerinen begegnen einem wohl erst gar nicht. Sie scheinen versteckt zu sein, eher weniger dem Mainstream zugehörig. Vielleicht sogar etwas spießig? So ist das nun mal mit diesem Hobby. Wirklich jeder hat jedoch ad hoc ein gewisses Bild vor Augen: eine zierliche Frau in Tutu auf Zehenspitzen. Aber was steckt wirklich hinter diesem mit Vorurteilen belasteten Tanz?

Harmonie, Leichtigkeit, Anmut und Grazie sind die ersten Begriffe, die man mit Ballett assoziiert. Aber was da so federleicht aussieht, erfordert eine Menge Kraft. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich tanze Ballett seit 13 Jahren. Es formt neben der Muskulatur, der Balance und Elastizität auch die Persönlichkeit eines Menschen, denn ohne diese Disziplin, bei jedem Training sein Bestes zu geben, der Konzentration und der völligen Hingabe sowohl des ganzen Körpers als auch seiner Emotion funktioniert das Tanzen nicht.

In jeder Hinsicht stärkt das Ballett das Selbstbewusstsein. So kann es beim Meistern täglicher Herausforderungen eine gute Basis sein. Ballett ist außerdem ein Gefühl der Vertrautheit, ob es bei Übungen an der Barre ist oder über der Diagonalen. Seien es die Hobby-Tänzer oder die Profis – um die immer wiederkehrenden Grundübungen zum Warmmachen kommt kein Balletttänzer herum.

Aber so gibt es Sicherheit, denn jeder Schritt, jede Kombination baut aufeinander auf und bereitet auf die Tanzelemente einer kompletten Choreografie vor. Viele Elemente aus dem Ballett sind ebenfalls die Grundlage für andere Tanzformen. Tänzern, die mit ihrem ganzen Herzen tanzen, sieht man das Tanzen an der Körperhaltung an und andersherum fühlt man es selbst als Tänzer an seiner eigenen Körperwahrnehmung. Schon als Anfänger des Balletts spürt man nach ungefähr sechs Monaten regelmäßigen Trainings, dass die Beine definierter und straffer werden, man läuft aufrechter, so ändert sich insgesamt die Körperhaltung – und auch die Bauchmuskeln werden sichtbar.

Es ist sozusagen der perfekte Ausgleich zur Schreibtischarbeit und ein richtiger Ganzkörpersport. Es fördert zudem die Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit, so kann man während des Trainings also komplett den Alltag hinter sich lassen.

Süchtig nach Bewegung, wenn die Musik einsetzt

Als Tänzer kennt man es vielleicht, wenn man ganz im Innern den Drang verspürt, tanzen zu wollen. Egal, wo man gerade ist. Egal, was man gerade macht. Wenn sich wie von allein der Körper von dem Kopf bis zu den Zehenspitzen vollkommen anspannt und man wie berauscht in die Arabesque, die Attitude, in das Développé oder das Grand Plié gleitet. Automatisch werden Endorphine ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass man süchtig nach dem Tanzen wird. Sehr oft nehmen daher Hobbyballetttänzer mehr als nur eine Stunde pro Woche Unterricht.

Der Wiedererkennungswert des Balletts ist wohl damals wie heute eindeutig die Spitze. Die Voraussetzungen hierfür sind besonders zu beachten, denn neben Erfahrungen von mindestens zwei Jahren Trainings, ausgewachsenen Füßen und festen Bändern, benötigt man besondere Beweglichkeit im Fuß und viel Körperbeherrschung. Zu den Voraussetzungen für eine berufliche Ballettkarriere zählen unter anderem weite Auswärtsdrehungen in Hüftgelenken, eine starke und dehnbare Muskulatur sowie ein ausgezeichnetes Rhythmusgefühl und besonders eine mentale Stabilität. Darüber hinaus selbstverständlich der Ehrgeiz und die Disziplin.

Wessen Traum es tatsächlich ist, an einer Tanzakademie zu studieren, sollte in der Regel sechs bis acht Semester dafür einplanen. Die Gehälter schwanken auf einer Skala von 1000 bis 4000 Euro brutto. Mit Mitte 30 ist dann meistens Schluss mit der Karriere. Danach arbeiten viele als Trainer oder Choreograf. Aber wer sich einmal jedoch dem Ballett mit seinem vollen Herzen gewidmet hat, lässt es wohl sein ganzes Leben lang nicht mehr los.

Ihr wollt Christina tanzen sehen oder Euch vom Ballett verzaubern lassen?

Karten gibt es für 14,40 Euro und ermäßigt für Schüler und Studenten für 10 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209 / 14 77 999.

Auch dieses Jahr findet im Theater Marl wieder eine Tanzshow des Studios Tanz Kreativ statt. Am 6. Juli um 19 Uhr laden Tänzer, Musiker und Leser zum „Music, Words & Dance 2019“ ein – und auch Jugendredakteurin Christina Wilde ist dabei. Bei der Show handelt es sich dieses Mal um eine Kooperation mit der Musikschule der Stadt Marl und ist in dieser Form praktisch neu. Denn auf der Bühne wird ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und gelesenen Texten entstehen. Verschiedene Texte hierzu liest Cornelius Demming. Die musikalische Bandbreite erstreckt sich über sieben Jahrhunderte. Zudem werden die Musikstücke ausschließlich live von der Musikschule der Stadt Marl gespielt. Insgesamt werden ca. 20 Musiker sowie ca. 30 Tänzer in wechselnden Formationen auf der Bühne stehen.

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