Vor gelbem Hintergrund läuft eine Frau aus dem Bild heraus.
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In unserer Gesellschaft werden Frauen in vielen Punkten noch immer nachteilig behandelt.

Meinung zum Feminismus

Brauchen wir den Feminismus noch?

Feminismus ist meist ein Thema, das viel Gegenwind bekommt. Dabei ist er so wichtig für eine Gesellschaft, in der Ungerechtigkeiten immer noch an der Tagesordnung sind.

Von Zora* (Name v. d. Red. geändert)

Wenn ich über Feminismus rede, sind Leute häufig genervt. Auf Instagram bekommen Feministinnen wie Louisa Dellert und Margarete Stokowski Hasskommentare, die ihresgleichen suchen („Verreck du dumme ungef* Öko-Feministin“). Das wirft zwei Fragen auf: 1. Brauchen wir noch Feminismus? Und 2. Warum fühlen sich so viele Leute von feministischen Forderungen angegriffen?

Offiziell sind Männer und Frauen gleichgestellt. Offiziell. Immerhin war das vor 1958 nicht so. Also alles gut? Feminismus erledigt? Nein, und dafür gibt es viele Gründe: Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet. Häufig werden Femizide dann anschließend durch Begrifflichkeiten wie „Liebesdrama“ euphemisiert. Laut bpb verdienen Frauen trotz deutlich besserer Schulabschlüsse ca. 22% weniger als Männer. Familie und Karriere zu vereinbaren ist noch immer an zu viele Hürden gebunden.

Feminismus ist für alle da

Im Jahr 2020 stand eine Ärztin vor Gericht, weil sie auf ihrer Website über Abtreibungen informiert. Werbung sei das angeblich. Geil! Erst mal einen Rabattcode sichern. Und wenn wir schon untenrum angekommen sind: Vergewaltigung in der Ehe war bis 1997 keine Straftat. Wenn es nach einigen Politikern gegangen wäre, hätte sich das auch heute nicht geändert. Und das, obwohl die meisten Fälle von sexueller Gewalt im engen Umfeld des Opfers stattfinden.

Ich könnte noch stundenlang Ungerechtigkeiten aufzählen, z.B. dass ich mich, wenn im Dunkeln kaum traue, alleine draußen herumzulaufen oder, dass Slutshaming ein echtes Problem ist. Aber ich möchte auch noch darauf eingehen, was Feminismus Männern, Homosexuellen oder transsexuellen Personen bringt. Die Gesellschaft, so wie sie ist, ist nämlich nicht nur für Frauen benachteiligend.

Männerideale sind ebenso veraltet und unzeitgemäß

Es wird auch eine sehr klare Männerrolle priorisiert: Männer sollen stark sein und wenig emotional, immer Lust auf Sex haben und möglichst das Geld nach Hause bringen. Jungs spielen Fußball und weinen nicht. Rosa ist natürlich blöd und Tanzen per se ein No-Go. Das ist doch scheiße. Jungs sollen weinen dürfen und Pferde mögen! Warum sollte man sich in einer Welt voller Möglichkeiten so sinnlos einschränken. Warum sollten Männer doof angeguckt werden, wenn sie Elternzeit nehmen, weil sie ihre Kinder aufwachsen sehen wollen?

Und warum gibt es im Jahr 2021 noch immer Diskriminierungen von Personen, die nicht dem heteronormativen Bild entsprechen? Die gibt es übrigens nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene! Homosexuelle Männer dürfen bis heute kein Blut spenden. Was soll das?! Also ja, wir alle brauchen Feminismus noch. Dringend.

Aber warum fühlen sich so viele Männer und teilweise auch Frauen davon angegriffen? Bei den Frauen lässt sich das häufig auf internalisierte Denkmuster zurückzuführen. Die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten sind so tief verankert, dass sie nicht mehr als solche wahrgenommen werden – oder, man selbst hat aufgrund von bestimmten Privilegien viel erreicht und verliert dabei den Blick für die Frauen, die aufgrund struktureller Benachteiligung ausgebremst werden. Bei den Männern sieht das noch anders aus. Nach Jahrhunderten in einer Welt von Männern für Männer fühlen einige sich bedroht davon, in einer Welt von allen für alle zu leben. Wenn alle Personen die gleichen Chancen haben, muss für dieselbe Position schließlich mehr geleistet werden.

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