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An manchen Tagen sprudeln die Einnahmen für die Krebsstiftung bei Chris. Gut für die Foundation – und ein bisschen auch für den Hertener, der auf Kommissionsbasis arbeitet. Die Australier hat er bislang als sehr großzügig kennengelernt.

Chris in Australien

Coins für Cancer – Cash für Chris

Heute ist ein großer Tag. Heute fange ich meinen ersten richtigen Job an. Nachdem ich nun ganze drei Wochen in Maitland gelebt habe, bin ich nun doch wieder zurück nach Newcastle gekommen. Es gefällt mir hier nun mal sehr gut und ich dachte mir, dass ich der Stadt dann doch noch eine Chance geben will, mir einen ordentlichen Job zu bescheren. Diesmal hat es sogar geklappt.

Heute arbeite ich nämlich für die National Cancer Foundation. Diese Stiftung sammelt Geld, um Krebspatienten, die vom Land kommen, eine Unterkunft in den größeren Städten für die Behandlung zur Verfügung zu stellen. All dies wird durch Spenden finanziert; diese werden grob auf zwei Arten eingebracht: Zum einen gibt es die Möglichkeit, von Tür zu Tür zu gehen, um dort Spenden zu erbitten. In dieser Angelegenheit sind die Australier sehr offen und viele Leute geben tatsächlich Geld, wenn man vorbeikommt.

Zwar habe ich in diesem Bereich keine wirkliche Erfahrung, aber ich denke trotzdem, dass es in Deutschland nicht so einfach wäre und kaum Leute Geld geben und sich sogar belästigt fühlen würden. Hier eben nicht. Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich mit einem kleinen Tisch und einer Spendendose in ein Einkaufszentrum zu stellen und dort Spenden von Passanten einzusammeln. Da sich Variante eins in Newcastle nicht wirklich angeboten hat, ging es also mit meinem Tischchen in Einkaufszentren in der näheren Umgebung.

Bei diesem Job bin ich quasi mein eigener Boss. Ich kann, solange ich will, an einem Ort stehenbleiben und nach Lust und Laune auch einfach gehen. Die Arbeit erfolgt auf Kommissionsbasis. Am Ende des Tages bekomme ich als Spendensammler 35 Prozent meiner eingenommenen Spenden, was meiner Meinung nach ziemlich viel ist. Die tägliche Bezahlung hängt also von meinen gesammelten Spenden ab. Unter Umständen kann es natürlich passieren, dass ich an einem nicht so guten Standort stehe und dort aufgrund von wenigen Passanten oder anderen Faktoren einfach nicht viel einnehmen kann. Dies ist dann sehr ärgerlich, wenn man beispielsweise acht Stunden an einem Standort verbringt und am Ende des Tages mit nur 80 $ nach Hause geht. An guten Tagen kann man jedoch auch um einiges mehr einnehmen. Einmal habe ich in sechs Stunden ganze 180 $ eingenommen. Dies ist zwar auch nicht die Welt, aber man darf nicht vergessen, dass man quasi nur rumsteht und nichts tut, abgesehen davon, dass man alle paar Minuten mal „Coins for Cancer“ in die Masse ruft.

Klingt auch alles ganz einfach, aber natürlich zählen hier auch die Selbstpräsentation und das Auftreten. Mein Chef, mit dem ich hin und wieder zusammen gesammelt habe, war, gelinde ausgedrückt, nicht sehr gepflegt unterwegs. Wenn man zusätzlich dazu noch kaputte Klamotten trägt und während des Sammelns die ganze Zeit nur am Handy hängt, ist es völlig klar, dass dabei am Ende des Tages nicht so viel rumkommt. Demzufolge habe ich immer versucht, mich entsprechend seriös zu kleiden. Ich habe mir sogar ein Hemd in den Farben des Logos der National Cancer Foundation gekauft. Mit diesem Konzept war ich letztendlich sogar recht erfolgreich. Zumindest sagen dies meine eigenen Einnahmen.

Wie bereits erwähnt, hängt der Umsatz auch immer ein bisschen von der Location ab, wo gesammelt wird. Diese kann ich mir natürlich nicht einfach aussuchen. Die Hauptzentrale der National Cancer Foundation vereinbart die Termine mit den Einkaufszentren im Umkreis und gibt uns dann die entsprechenden Orte durch. Einkaufszentren mit einem dazugehörigen Supermarkt wie Woolworths oder Coles sind daher am besten. Und ja, hier ist Woolworths ein Supermarkt. Manchmal hat man allerdings Pech, und man steht zwar in einem Einkaufszentrum, aber so weit weg vom Geschehen, dass kaum Passanten den Weg kreuzen.

Einmal musste ich sogar bis nach Gossfort fahren, was etwa zwei Autostunden von Newcastle entfernt liegt. Die Ausbeute an diesem Tag war ohnehin nicht die beste, da es geregnet hat und zudem noch ziemlich kalt war. Lediglich 285 $ konnte ich einsammeln; ich bekam also etwa 100 $ für den ganzen Tag. Nach sechs Stunden war ich dann auch ziemlich durchgefroren und wollte wieder zurück nach Newcastle fahren. Als ich zurück zum Auto kam, musste ich leider feststellen, dass ich ein Knöllchen bekommen hatte. Und hier in Australien kostet das alles ein bisschen mehr, nämlich ganze 83,60 $. Da hatten sich die ganze Arbeit und vor allem die Anfahrt so richtig gelohnt...

Leider war dies auch einer meiner letzten Einsätze, denn das Büro in Newcastle wird nun geschlossen, und der ganze Bereich wird in Zukunft von Sydney aus verwaltet. Aber glücklicherweise stimmt das Timing mal wieder, denn bald geht es für mich weiter. Ich verlasse Newcastle und fahre die Ostküste hoch. Nächster Stopp ist Port Macquarie.

Chris Riedel (25, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

Es wird mir wirklich schwerfallen, Newcastle zu verlassen. Irgendwie habe ich mich dann doch in diese Stadt am Meer verliebt...

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