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Camper-Van Gooney fährt ständig durch die Gegend. Zeit für eine Pause, meint Besitzer Chris, und gönnt ihm einen Stopp beim Tasmansee.

Chris in Australien

Nach 101 Nächten ist Schluss

Teil 8 - In den vergangenen Monaten bin ich viel herumgekommen. Ich habe großartige Menschen kennengelernt und die australische Landschaft mit ihrer ganzen Pracht bewundern können. Dies hätte ich wohl kaum allein geschafft, denn ich hatte immer jemanden an meiner Seite, der es mir möglich gemacht hat, all das zu erleben: mein Camper-Van namens Gooney.

Insgesamt habe ich 101 Nächte in diesem Auto übernachtet, habe dadurch ca. 3 000 Dollar für Unterkunft gespart und bin insgesamt 19.800 Kilometer mit ihm gefahren. Man kann sagen, dass wir eine schöne Zeit miteinander hatten, aber leider geht diese bald vorbei. Mein geliebter Gooney muss verkauft werden.

Aber bevor es überhaupt ans Verkaufen geht, muss er noch einmal in die Werkstatt. Leider ist mir auf meinem Weg die Ostküste hoch die Windschutzscheibe gerissen. Als ich das Auto gekauft hatte, waren dort nur ein paar kleinere Steinschläge. Na ja … auf halber Strecke zwischen Brisbane und Cairns jedenfalls ist die Scheibe dann doch gerissen. Mit jedem Tag hatte sich dieser Riss vergrößert und ich musste eine neue Scheibe einsetzen lassen. In Cairns hat man mir gesagt, dass es unter Umständen schwierig sein kann, eine neue Scheibe einzusetzen, da am Fahrzeugrahmen womöglich Rostlöcher sind. Aber diese kann man erst sehen, wenn die Scheibe raus ist. Gesagt, getan.

Natürlich war der gesamte Rahmen mit Rost zerfressen. Die einzige Lösung: ein neuer Fahrzeugrahmen. Kosten: 2 000 Dollar oder verschrotten. Beide Optionen stehen für mich nicht zur Auswahl. Nach einer langen Diskussion setzen die Mechaniker doch eine neue Scheibe für 400 Dollar ein. Zwar mit ganz viel Kleber, aber es sollte zumindest eine Weile halten. No risk, no fun!

Kleiner Steinschlag – nicht dramatisch, oder?

Mit der neuen Scheibe bin ich sechs Monate froh und munter herumgefahren. Auf dem Weg zurück nach Newcastle trifft mich ein Steinschlag. Aber nur ein kleiner. Nicht weiter dramatisch, da ich bei O’Brien, dem australischen Carglass, den Steinschlag einfach mit Harz versiegeln lassen kann und die Scheibe dann nicht reißt. Der nächste O’Brien liegt ca. 30 Minuten von mir entfernt. Nichts wie hin! 50 Meter vor der Einfahrt reist die Scheibe erneut. Versiegeln ist somit nicht mehr möglich. Wie kann man nur so ein Pech haben?!

Also brauche ich wieder eine neue Scheibe, bevor ich das Auto verkaufe – und das muss ich jetzt tun. Kaum sind die Annoncen – ich stelle Gooney für 6 000 Dollar rein – online, trudeln die ersten Besichtigungsanfragen ein. Die Nachfrage ist groß. Die ersten Leute kommen bereits eine halbe Stunde später zur Besichtigung. Der Riss ist zwar nach wie vor in der Scheibe, aber ich habe bereits für den kommenden Tag einen Termin gemacht, um diese auswechseln zu lassen. Und wieder bin ich 400 Dollar los. Na gut! „Es hätte schlimmer kommen können“, denke ich noch – und das tut es …

Auf meinem Rückweg von O’Brien zu meinem Hostel in Melbourne stehe ich während der Hauptverkehrszeit im Melbourner Stadtzentrum an der Ampel – und Gooney bleibt liegen. Der Motor fängt an zu qualmen und ich halte selbstverständlich den gesamten Verkehr auf. Genau das hat mir noch gefehlt! Dennoch bleibe ich ruhig. Ich habe null Ahnung, was ich nun tun könnte. Da ich in der Vergangenheit schon öfter Probleme mit dem Öl hatte, kippe ich einfach mal etwas Öl nach. Fünf Liter, um genau zu sein.

Mit höllischem Lärm kann ich Gooney dann wieder zum Laufen bekommen. Es sind noch zwei Kilometer bis zum Hostel. Ich nehme all meinen Mut zusammen und fahre los, bete dabei, dass er durchhält. An der Ampel vor dem Hostel biege ich um die Kurve – und er geht erneut aus und fängt wieder an zu qualmen. Zum Glück reagiere ich schnell, schalte in den Leerlauf und manövriere mein Auto mit dem letzten Schwung auf einen Behindertenparkplatz direkt vor einem Café, wo ich dann aus dem vollkommen verqualmten Auto aussteige. Der Motor ist nämlich unterm Beifahrersitz.

Was nun? Den Pannendienst anrufen und abschleppen lassen, oder? Okay! Es stellt sich heraus, dass die Wasserpumpe kaputt ist. Deshalb überhitzte der Motor. Ich fülle also Wasser nach und fahre dann am nächsten Tag direkt in die Werkstatt, um sie reparieren zu lassen.

Mir rennt aber die Zeit weg – ich habe für den Autoverkauf zwei Wochen eingeplant, wovon nun schon zwei Tage verstrichen sind. Bald geht der Flieger in Richtung Heimat und das Auto muss logischerweise verkauft werden, bevor ich das Land verlasse. Die Werkstatt meldet sich und teilt mir mit, dass sie frühestens Dienstag mit der Reparatur starten kann. Das wird mir alles zu knapp. Ich greife zum Telefon und telefoniere rum. Bei der 20. Werkstatt habe ich Glück und ich kann mein Auto vorbeibringen.

Samstag sei mein Auto fertig, so sagen sie. Als dann jedoch der Samstagnachmittag beginnt, werde ich langsam etwas ungeduldig und rufe in der Werkstatt an. Der Lieferant hat das falsche Ersatzteil geliefert und somit ist das Auto erst am Dienstag fertig. Ich kann es auch nicht mitnehmen, da es bereits auseinandergebaut ist. Meine Nerven liegen blank. Weitere Anfragen von potenziellen Käufern kommen rein, die ich ablehnen muss. Meine Sorge ist, dass ich bis zu meiner endgültigen Abreise keinen Käufer finden und dass Auto mit massiven Verlusten verkaufen muss. Einige Leute zeigen aber ernsthaftes Interesse an Gooney. Darunter sind zwei mir sympathische Kanadier.

Kanadier freuen sich über ihr neues Gefährt

Chris Riedel (25, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

Das Auto ist tatsächlich am Dienstag fertig und während meiner Wartezeit hat es sich ergeben, dass die Kanadier das Auto nehmen werden. Preislich komme ich ihnen entgegen, sodass ich 4 500 Dollar, was genau meinem Kaufpreis entspricht, bekomme. Bei der Übergabe sind die beiden hochzufrieden mit dem Auto. Der Motor hört sich gut an, die Wasserpumpe läuft, alles perfekt! Ich freue mich, zwei „würdige“ Käufer gefunden zu haben. Nun heißt es aber Abschied nehmen. Leb wohl, Gooney!

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