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In diesem süßen Häuschen darf Chris alleine wohnen.

Chris in Australien

Zufällig im Paradies gelandet

Teil 7 - Nach mehreren Monaten Reise ist nun der Punkt gekommen, wo ein ordentliches Einkommen hermuss, da es mit der ganzen Reiserei sonst sehr schnell vorbei sein wird. Die Jobsuche hat sich bisher aber immer als recht schwierig erwiesen…

Man muss eben manchmal einfach Glück haben. Nach langer, wirklich langer Zeit ist es nun endlich so weit – und ich habe einen festen Job gefunden. Wenn man mich fragt, wie ich daran gekommen bin, sage ich immer: „Es war ein Unfall.“ Das trifft es auch ziemlich genau. Nachdem ich die ganze australische Ostküste hochgefahren bin, landete ich schließlich in Cairns. Diese ist quasi die letzte größere Stadt vor dem endlosen Regenwald und der Wüste. Danach kommt halt nichts mehr.

Ich bemühe mich nun hier um einen Job. Irgendwas mit Musik wäre ja ziemlich cool. Ich gebe also bei Gumtree, einem Onlineportal für Jobsuche, die Worte Cairns und Music ein. Kein Resultat. Erweitern wir mal den Suchradius. Aha, ein Treffer. Ein Hotel namens „Silky Oaks Lodge“ sucht Mitarbeiter für den Turn-Down-Service. Keine Ahnung, was das ist. Der einzige Grund, warum dieser Job aufpoppte, war die Tatsache, dass es in der Stellenbeschreibung hieß „Turn on the music“. Musikanmachen kann ich. Schicke ich einfach mal ’ne Bewerbung hin. Was kann schon schiefgehen? Ich rechne mal mit nichts, da die Anzeige ohnehin schon einige Wochen alt ist.

Wo habe ich mich da eigentlich beworben?

Ganz unerwartet bekomme ich einen Anruf, dass die Stelle frei ist und ich direkt morgen zum Probearbeiten kommen kann. Ich bedanke mich und sage zu. Glück muss man haben. Ich sollte nun aber mal genau nachschauen, wo ich mich denn da überhaupt beworben habe. Als ich die Homepage sehe, traue ich meinen Augen nicht. Die Silky Oaks Lodge ist ein 5-Sterne-Luxushotel und liegt mitten im Regenwald am Daintree River. Das billigste Zimmer kostet 600 Dollar pro Nacht. Hier wird wohl ein ganz anderer Standard herrschen als in den Hostels, wo ich bisher gearbeitet habe.

Die Probeschicht jedenfalls übersteh’ ich tadellos und man stellt mich direkt ein. Ich werde aber nicht für den Turn-down-Service eingestellt, sondern als „Housekeeper“ und bin mit einem Team für die Reinigung der Räume zuständig. Man darf sich allerdings kein gewöhnliches Hotel vorstellen, sondern eher ein Resort mit kleinen Häusern, Baumhäusern um genau zu sein. Durch das Resort fahren wir mit Buggies, in denen wir unsere Materialien für die Reinigung der Räume transportieren.

Sicherlich kann man sich vorstellen, wie ein Raum aussehen muss, wenn man 600 Dollar für eine Nacht bezahlt. Er muss makellos sein. Es darf kein Staubkorn auf dem Boden liegen und alles muss perfekt sein. Nachdem wir einen Raum gesäubert haben, kommt die Chefin persönlich und kontrolliert alles. Sollte irgendwas Gravierendes nicht in Ordnung sein, werden wir zurückgerufen. Kleinigkeiten korrigiert sie selbst. Vorerst bin ich der einzige Mann im Housekeeping-Team, was bedeutet, dass ich hin und wieder andere Aufgaben habe, wie zum Beispiel Gartenarbeit und Portierdienst. Ich verdiene im Großen und Ganzen nicht schlecht und auch mein Team ist super nett. Natürlich ist die Arbeit aber recht hart, zumal ich von zu Hause und meinem Leben als Student körperliche Arbeit nicht wirklich gewohnt bin.

Als Housekeeper werden wir meist in Zweier-Teams eingeteilt und bekommen dann Räume zugewiesen, die wir reinigen müssen. Die Betten müssen gemacht, das Badezimmer muss komplett gesäubert, die Minibar muss aufgefüllt werden und noch vieles mehr. Zu zweit dauert das Ganze an die 50 Minuten. Allein brauche ich für einen durchschnittlich verschmutzen Raum um die 1 ¼ Stunde.

Mit der Taschenlampe nach Staub suchen

Meiner Chefin ist in der Regeln nicht wichtig, wie lange wir für die Räume brauchen. Ihr geht es mehr darum, dass sie perfekt sind. Und damit meint sie wirklich perfekt. Wir müssen sogar unter den Betten und den Schränken mit Taschenlampen nach Staub suchen. Hört sich übertrieben an, aber man darf nicht vergessen, was man hier als Gast zahlt.

Mein Arbeitstag beginnt um 8.30 und endet meist um 15 oder 16 Uhr. Zwei Tage die Woche habe ich frei. Da ich mein eigenes Auto habe, kann ich an meinen freien Tagen das Umland erkunden. Die nächstgrößere Stadt ist Port Douglas und sie ist beliebter Urlaubsort vieler australischer Touristen. Von hier aus hat man Zugang zum berühmten Great Barriere Reef, dem größten Korallenriff der Welt.

Ich lebe hier sozusagen im Paradies. Das Schöne ist, dass auch ich mein eigenes Häuschen habe und hier ebenfalls im Regenwald wohnen kann. Zwar ist dieses nicht so luxuriös eingerichtet, wie die Häuser der Gäste, aber es ist immer noch besser, als im Camper Van zu schlafen. Und ich habe endlich etwas Privatsphäre, da ich mein Haus für mich allein habe. Viele der anderen Housekeeper leben ebenfalls hier.

Chris Riedel (25, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

Nach einiger Zeit wachsen wir zusammen und fühlen uns fast als Familie. Klar, wir verbringen auch die meiste Zeit miteinander. Wir machen gemeinsame Ausflüge und schuften hart für unser Geld. Alles in allem gefällt mir die Arbeit hier sehr. Es tut gut, sich für längere Zeit an einer Stelle niederzulassen und einem geregelten Tagesablauf nachzugehen, Geld zu verdienen und ein bisschen Routine in den Alltag zu bekommen. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er im Paradies lebt?! Man muss ja nicht gleich erwähnen, dass man beim Paradies angestellt ist…

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