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Total verträumt wirkt Cape Reinga, der nördlichste Punkt Neuseelands.

Chris - eigentlich in Australien...

21 Tage für 20 Stationen

Teil 6 - Wenn ich schon mal hier unten am anderen Ende der Welt bin, kann man ja auch noch ein bisschen weiter reisen. Warum eigentlich nicht mal nach Neuseeland? Dort war ich zwar schon mal (Scenario berichtete), aber ich wollte trotzdem überprüfen, was sich nach zwei Jahren so verändert hat und vor allem ein paar wenige Ecken des Landes erkunden, die ich damals nicht sehen konnte.

Das klingt alles sehr spontan, aber um ehrlich zu sein war dieser „Ausflug“ schon im Vorfeld geplant. Schon vor meiner Abreise in Deutschland stand diese kurze Reise fest – und nun geht es endlich los. Zurück nach Neuseeland. Ich behaupte, dass hier meine Wanderlust begonnen hat. Über Facebook habe ich mir damals einen netten Reisegefährten gesucht. Leo, Franzose, 19 Jahre alt. Entgegen vieler Vorurteile gegenüber Franzosen ist sein Englisch nahezu perfekt und wir konnten von Anfang an gut miteinander kommunizieren.

Als ich in Neuseeland ankomme, fühlt es sich fast so an, als wäre ich wieder zu Hause. Bereits im Anflug auf Auckland erkenne ich die grünen Felder, die fast bis zur Küste reichen und das Meer berühren. Ganz anders als Australien, wo ich bisher eher trockenes Land gesehen habe. Leo holt mich vom Flughafen ab und wir holen gemeinsam unseren Camper Van bei der Vermietung ab. Diesmal ist das Modell etwas kleiner. 2016 haben wir die Insel mit einem sieben Meter langen Transporter unsicher gemacht. Nun ist die Wahl jedoch auf einen kleinen Toyota Estima, der als Camper Van umgebaut wurde, gefallen. Dies wird unser Zuhause für die nächsten drei Wochen sein.

Leo hat bis heute ein Praktikum in Auckland gemacht, aber aufgrund der vielen Arbeit noch nicht viel von Neuseeland gesehen und somit entschied er sich dazu, das Land mit mir zu bereisen. Bevor es losgeht, haben wir uns bereits eine Reiseroute zurechtgelegt, die meiner Route aus meiner letzten Reise ähnelte. Wir haben nun 21 Tage für genau 20 Stationen, bevor wir den Camper in Christchurch abgeben müssen und ich den Rückflug nach Australien antrete. Es kommt also ein straffes Programm auf uns zu. Es bedarf an genauer Planung, damit man auch wirklich alles in der kurzen Zeit schafft, was man sich vorgenommen hat. Aber wir sind da recht zuversichtlich.

Um 5 Uhr aufstehen für einen „heiligen“ Anblick

Es geht zunächst in den Norden nach Cape Reinga. Diesen Teil von Neuseeland musste ich bei meiner letzten Reise aus Zeitgründen leider überspringen. Cape Reinga ist der nördlichste Punkt von Neuseeland und hier treffen sich die Tasmansee und der Pazifische Ozean. Dieser Ort wird von den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, als heilig erachtet. Man behauptet hier sogar, dass es möglich ist, zu sehen, wo sich die Tasmansee und der Pazifik treffen. Leider konnte ich dies nicht erkennen, aber dennoch war der Anblick bei Sonnenaufgang unvergleichlich. Es hat sich also gelohnt, um 5 Uhr morgens aufzustehen.

In den nächsten paar Tagen machen wir an kleineren Orten Halt, unter anderem auch in Tauranga, wo ich damals für knappe zwei Monate gewohnt und Kiwis gepflückt habe. Vieles hat sich währenddessen in Neuseeland verändert, aber hier in dem Hostel ist die Zeit scheinbar stehen geblieben. Nichts hat sich verändert. Sogar die alten kaputten Töpfe, Pfannen und Tassen sind die gleichen wie damals. Schade eigentlich…

Auch das Tongariro Crossing steht noch auf dem Plan. Diese trostlose Landschaft dürften vielen Herr-der-Ringe-Fans als Mordor bekannt sein. Hier gibt es einen Great Walk, der sich ganze 18 km durch den Nationalpark schlängelt, bergauf und bergab. Dieser Strecke wollte ich nun eine zweite Chance geben, da wir 2016 leider in eine Wand aus Nebel geraten sind und somit keine Chance hatten, den Ausblick zu genießen. Leider ist es auch diesmal nicht anders. Zum wiederholten Mal macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es war vielleicht auch nicht meine beste Idee, Neuseeland im Winter zu bereisen. Aber wir schaffen es bis zum Gipfel. Danach müssen wir aufgrund des Wetters umkehren. Dies hört sich zunächst etwas dramatisch an, ist es auch, aber trotzdem können wir, zumindest teilweise, den Weg genießen.

Die nächsten zwei Wochen durchstreifen wir weite Teile des Landes. Doch das Leben im Camper Van unterscheidet sich grundlegend von dem in Australien. Wir haben ziemlich mit der enormen Kälte zu kämpfen. Selten ist es noch möglich, ohne Skiunterwäsche, Schlafsack und mit der Ski-Jacke über dem Kopf einzuschlafen, da es so kalt ist. Draußen haben wir um die 0° und nur mit unserer eigenen Körperwärme können wir den Camper nicht aufheizen.

Den warmen Schlafsack ungern verlassen

Wir frieren also grundsätzlich und das Schlimmste ist das Aufstehen in der Früh, wenn wir aus unseren mittlerweile doch warm gewordenen Schlafsäcken raus müssen. Man sagt ja, man gewöhnt sich an alles. Wir wollen mal das Beste hoffen, denn da wir immer weiter nach Süden reisen, wird es nicht unbedingt wärmer, sondern eher noch kälter. Aber wir werden sehen.

Kochen ist auch nicht gerade einfach. Wir haben einen kleinen Gaskocher, mit dem wir draußen im Freien kochen können, was jedoch bei diesen Temperaturen ziemlich schwierig ist, da es ewig dauert, bis sich beispielsweise Wasser im Topf erhitzt. Da wir keinen normalen Kühlschrank im Auto haben, können wir nicht wirklich frisch kochen. Daher fällt die Wahl auf Nudeln mit Fertigsoße – und wir befürchten, dass dieses Gericht die nächsten drei Wochen unsere Hauptmahlzeit sein wird.

Alles in allem macht die ganze Fahrerei durch Neuseeland jedoch recht viel Spaß. Es ist nicht mit dem Autofahren in Australien zu vergleichen. Die Landschaft in Neuseeland ändert sich alle zehn Minuten, man ist fast für sich allein und kann, wann immer man will, anhalten, um die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Viele unserer Ziele sind mir bereits bekannt, doch ich merke: Ihren Reiz verlieren sie auch beim zweiten Besuch und Anblick nicht. Die ganze Reise gleicht einem dreiwöchigen Déjà-vu.

Nachdem nun zwei Wochen unserer dreiwöchigen Reise vorüber sind, gehen wir noch mal unsere Reiseplanung durch und haken ab, was wir schon gesehen haben und was noch kommt. Mir ist nicht ganz klar, wie, aber wir haben es tatsächlich geschafft, unseren Drei-Wochen-Plan in nur zwei Wochen komplett durchzubekommen. Dies ist wohl unserem unübertrefflich gutem Zeitmanagement geschuldet.

Chris Riedel (25, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

Aber was machen wir nun den Rest der Zeit? Wir befinden uns nun in Queenstown, der Partystadt und der Hauptstadt des Adrenalins. Wir werden wohl nicht eine ganze Woche hier verbringen, aber wenigstens ein paar Tage. Denn es ist Wochenende und das bedeutet feiern. Auf die deutsch-französische Reise-Freundschaft. Prost!

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