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Das Fahrradfahren ist in Kopenhagen eine beliebte Fortbewegungsmethode. So steigt Pia (r.) auch mit ihrem Besuch aus Deutschland auf den Drahtesel.

Pia in Dänemark

Anders als bei uns

Teil 5 - Jetzt bin ich schon eine ganze Weile hier in Dänemark und in dieser Zeit habe ich viel erlebt, viel über mich, aber auch über mein Studienfach und das Leben in Dänemark gelernt – und mir sind auch viele Unterschiede zu Deutschland aufgefallen.

Der erste Unterschied bezieht sich vielleicht nur regional auf Kopenhagen, aber das ist die Fahrradkultur. In Kopenhagen fährt fast jeder Fahrrad. Es gibt überall riesige Fahrradwege, worauf sogar zwei bis drei Fahrräder nebeneinander fahren können. Die Leute fahren hier auch nicht nur Fahrrad, wenn das Wetter gut ist, sondern auch bei Wind, Regen und Kälte. In Kopenhagen ist es genauso schwer, einen Autoparkplatz wie einen Fahrradparkplatz zu finden.

Oft schiebe ich mein Fahrrad, um es zu parken, einfach noch zwischen schon stehende Fahrräder und hoffe, dass sie in nächster Zeit nicht wegmüssen. Viele Fahrräder, sogenannte Cargo-Bikes, haben auch vorne einen Anhänger dran, wo Kinder, Erwachsene und Gegenstände mit transportiert werden können. Insgesamt macht Fahrradfahren hier sehr viel Spaß, weil es sehr flach ist, aber man muss auch aufpassen, weil so viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Also, ich jedenfalls möchte hier kein Auto fahren müssen…

Ein weiterer Unterschied, der mich vor allem an meinem ersten Tag an der Universität verwundert hat, sind gender-neutrale Toiletten. Vorne an den Toiletten ist ein Zeichen zu sehen, auf dem zur Hälfte eine Frau und zur anderen Hälfte ein Mann abgebildet ist. In den Toiletten gibt es verschiedene Kabinen, die auch direkt mit einem Waschbecken ausgestattet sind. Am Anfang fand ich es ein seltsames Gefühl, mit den Männern in einer Schlange zu stehen, weil ich es nicht gewohnt war, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und finde es eine sehr gute Idee.

Ebenfalls in der Uni hat mich überrascht, dass alle Klassenräume nicht abgeschlossen werden können. Alle Dozenten und Studierende können alle Räume mit ihrem Studenten-/Lehrkraft-Ausweis öffnen, unter anderem auch die Musik-Räume, Sporthallen oder das interne Fitnessstudio. Nachteilig daran ist nur, dass wir in der Mittagspause oder wenn wir rausgehen, immer alles mitnehmen müssen. Wir können die Uni auch immer betreten, alle Haupttüren lassen sich mit den Karten ebenfalls öffnen.

Etwas, was mir auch in der Uni, aber auch im Alltag aufgefallen ist, ist der informelle Umgang. In der dänischen Sprache gibt auch eine Unterscheidung zwischen „Du“ und „Sie“, aber die einzige Person, die die meisten Dänen siezen würden, ist die Königin. Wir sprechen die Dozenten und sie uns ebenfalls mit dem Vornamen an. Gleichzeitig werden wir auch in jeder E-Mail oder in der Einwohnerbehörde mit Vornamen angesprochen. Ich schreibe meine Mail an die Dozenten aber immer noch in einer förmlichen Sprache, weil ich es so gewöhnt bin. Auf einer Party, die von der Uni ausgerichtete wurde, habe ich auch meine Dozenten getroffen und mit ihnen zusammen ein Bier getrunken und über Persönliches geredet. Das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrkräften beruht generell auf einer persönlicheren Basis als bei uns in Deutschland. Ein weiterer Unterschied, der mir aufgefallen ist, der aber auch an meiner deutschen Hochschule liegen kann, ist der technische Fortschritt. Hier in Dänemark haben wir ein Programm auf dem Computer, beziehungsweise eine App mit einem Kalender, der uns angibt, wann wir wo Uni haben.

Hausarbeiten müssen nicht gedruckt werden

Gleichzeitig können wir in dem Programm auch sehen, was wir an dem Tag machen und welche Hausaufgaben wir bis dahin lesen müssen. Wenn wir eine Hausarbeit abgeben müssen, müssen wir sie nur in dem Programm hochladen und sie nicht mehr ausdrucken und in Papierform abgeben. Des Weiteren arbeiten wir oft im Unterricht mit sogenannten „Padlets“. Das bedeutet, wir öffnen eine Internetseite, schreiben zum Beispiel unsere Ideen zum Thema „Nachhaltigkeit“ auf diese Seite und alles wird sofort hochgeladen und kann vorne auf dem Beamer gezeigt werden, sodass jeder direkt mitlesen kann und danach alles fertig mitgeschrieben und gespeichert hat. Zum Thema Essen habe ich keine großen Unterschiede feststellen können. Die Dänen essen sehr ähnlich wie wir. Das Einzige, was ich vorher noch nicht kannte, ist ein Butterbrot, wo Bananen draufgelegt werden. Das „Bananenbrot“ wird hier als Snack gerne verzehrt. Die Dänen nennen es „Smørrebrød“ und belegen es auch mit vielen anderen verschiedenen Dingen, zum Beispiel kaltem Rotkohl oder Fisch. Übersetzt bedeutet „Smørrebrød“ offenes Sandwich.

Was ich als sehr angenehm empfinde, ist, dass hier alle Läden auch sonntags geöffnet haben. Ich muss mich also nicht darum kümmern, welcher Tag ist oder ob ich vergessen habe, Samstagabend einzukaufen. Manche Läden haben hier sogar 24 Stunden jeden Tag in der Woche auf, aber meistens nur die Läden, die direkt in der Innenstadt sind. Außerhalb haben alle Läden bis 22 Uhr auf.

Aber: Hier in Dänemark ist alles, auch wenn man die Kronen in Euro umrechnet, sehr teuer. Außerdem gibt es extra Steuer auf Süßigkeiten und alles Ungesunde, zum Beispiel auf Alkohol. Der letzte große Unterschied, der mir aufgefallen ist, ist das Krankenkassensystem. Es gibt nur eine gesetzliche Krankenkasse, durch die jeder Mensch in Dänemark gesetzlich versichert ist. Als ich hierhin gezogen bin, musste ich mich beim Auswärtigen Amt anmelden und meine „CPR-Nummer“, also meiner persönliche Erkennungsnummer, bekommen. Gleichzeitig mit der Nummer habe ich auch einen Arzt zugeteilt bekommen, zu dem ich gehen kann, wenn ich krank bin. Jeder bekommt einen Arzt zugewiesen, der in der Nähe der eigenen Wohnung praktiziert. Zum Glück war ich noch nicht krank, also kann ich nicht mehr dazu sagen, wie das alles abläuft.

Pia Friedl (22, Waltrop) geht für ein Semester nach Kopenhagen. Dort wird sie „Childhood in a Nordic perspective – a Danish setting“ studieren. Pia wohnt mit drei weiteren Studentinnen, dem Vermieter und mit dessen Tochter zusammen. Was sie in ihrem Auslandssemester alles so erlebt, schildert Pia ausführlich bei Scenario.

Manche Unterschiede empfinde ich als besser im Vergleich zu Deutschland und andere eher nicht. Ich kann mit allem gut leben und bin weiterhin sehr glücklich darüber, die Möglichkeit genutzt zu haben, um hier in Dänemark zu studieren.

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