Auf einem Tisch steht ein Laptop, dessen Bildschirm kaum sichtbar ist, vor lauter angeklebten Notizzetteln.
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Vor lauter Notizzetteln und To-do-Listen ist nichts mehr sichtbar? Vielleicht solltet Ihr Euch auch mal eine Pause gönnen.

Auch mal Pause machen

Toxic Productivity

  • Annika Mittelbach
    vonAnnika Mittelbach
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Viele von uns halsen sich momentan super viele Aufgaben auf, um nicht still zu stehen. Das tut unserer Psyche aber nicht immer gut, weiß Annika.

Vielleicht kennt Ihr im Moment auch die Angst davor, zu versumpfen, morgens gar nicht mehr aufzustehen, bis mittags im Bett liegen zu bleiben und den Tag mit Netflix und Co. ausklingen zu lassen. Habt Ihr Sorge, dass der Schimmel bei Euch genauso ansetzen könnte, wie beim Joghurt im Kühlschrank? Bevor das passiert, schreibt Ihr lieber jeden Tag ellenlange To-do-Listen und nutzt den Lockdown für stetige Selbstoptimierung.

Manche misten ihre Bude aus, manche lernen eine neue Sprache, andere machen auf einmal super viel Sport oder toben sich in der Küche aus. Die Menschen teilen sich im Lockdown gefühlt in diese zwei Extreme – die Hänger und die Überproduktiven. Tatsächlich ist beides nicht so richtig gesund.

Beschäftigung ohne selbstgemachten Druck bevorzugen

Natürlich muss man sich irgendwie bei der Stange halten und es ist auch gar nichts gegen ein neues Hobby einzuwenden. Die Gefahr besteht nur in sogenannter „Toxic Productivity“, also toxischer Produktivität. Das ist quasi, wenn das Leben nur noch aus To-do-Listen und Selbstoptimierung besteht. Wenn Ihr ständig den Tag viel zu voll mit Aufgaben habt und Euch überfordert fühlt. Das können sowohl Aufgaben von außen sein, von der Schule oder vom Chef, aber auch von innen, also Aufgaben, die Ihr Euch selbst aufhalst und die eigentlich nicht so wichtig sind.

Problematisch ist es, wenn Ihr Euch beispielsweise vorgenommen habt, jeden Tag Sport zu machen. Und dann kommt ein Tag, an dem das einfach nicht ins Programm passt. Vielleicht fühlt Ihr Euch nicht danach oder Ihr habt einfach keine Zeit, weil Ihr Euch mit einer Freundin zum Spazierengehen verabredet habt. Toxische Produktivität wäre dann, wenn Ihr Euch daraufhin schlecht fühlt, weil Ihr Eurer Aufgabe nicht nachgekommen seid.

Wenn das Hobby zum Zwang wird

Hier kommt dann eine Dimension von Zwang ins Spiel, die neue Hobbys problematisch macht. Wenn Ihr diese Teufelsspirale kennt, und merkt, dass Ihr Euch gestresst fühlt, obwohl die Welt um Euch herum grade eigentlich mehr oder weniger still steht, dann solltet Ihr gegen dieses Gefühl vorgehen und den Druck versuchen abzuschütteln. Denn auf Dauer wird Euch das mehr belasten, als Euch gutzutun. Fragt Euch öfter mal am Tag, warum Ihr grade tut, was Ihr tut. Unterscheidet Aktivitäten danach, ob Ihr sie tun müsst (wie Arbeit oder Schulaufgaben) oder ob Ihr sie tun wollt und ob ihr sie wirklich tun wollt oder Euch das nur einredet.

Ich will nicht sagen, dass Ihr nur noch tun sollt, was Ihr wirklich tun müsst. Eher, dass Ihr auch unbedingt Zeit finden solltet, für die Dinge, die Ihr tun möchtet. Also ein gutes Gleichgewicht zwischen Pflicht und Vergnügen finden. Wenn Ihr Joggen scheiße findet, geht nicht joggen. Wenn Ihr Bananenbrot gar nicht mögt, dann backt es nicht und wenn Euch Unordnung gar nicht stört, räumt auch nicht auf. Gönnt Euch Pausen. Gönnt Euch auch mal einen Feierabend.

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