Kathi (rechts im Bild) und Imker Micha tragen die Imkerkluft und bauen einen Bienenstock auseinander, um sich die Waben anzuschauen.
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Kathi (r.) durfte sogar selbst mit anpacken! Hautnah konnte sie Bienen bestaunen und von Imker Micha lernen.

VIP - Very Interesting People

Eine ruhiges Händchen fürs „Bienenyoga“

  • vonKathi Lenger
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Micha aus Herten ist seit einigen Jahren hobbymäßig Imker. Kathi hat ihn und seine Bienen besucht, um sich seine Arbeit mal genauer anzusehen.

In seinem Garten wachsen verschiedene Blumen- und Pflanzenarten, Kräuter, Sträucher – doch es sind nicht die bunten Blumen des Gartens, die ins Auge fallen, sondern die in einer Reihe aufgestellten Bienenstöcke. Denn Michael aus Herten, auch Micha genannt, hat ein ganz besonderes Hobby: Er ist Imker.

Angefangen hat alles vor drei Jahren. Zu dieser Zeit war das Thema Imkern brandaktuell. Die Faszination für die Tiere und der Reiz wurden immer größer. Kurz darauf haben Micha und ein Kumpel sich für einen Imkerkurs angemeldet. Ein Jahr lernten die beiden alles über Bienen, Bienenhaltung bis hin zur richtigen Ausstattung – von der Theorie bis hin zur Praxis war alles mit dabei. „Es ist eben wie die Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung“, erklärt Micha.

Nach dem Kurs besorgte sich Micha von einem Marler Imker drei Ableger (das sind durch imkerlichen Eingriff entstandene Bienenvölker). Als Imker ist es wichtig, Bienen genau zu beobachten und zu verstehen. „Schon im Kindesalter wird einem gesagt, dass Bienen gefährlich seien. Dabei stechen Bienen nicht ohne Grund“, erklärt der 32-Jährige.

Fleißige Bienchen bis zum Tod

Für uns haben Bienen eigentlich einen hohen Nutzen, denn rund 85 % der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab. Im Sommer wachsen Bienenvölker auf bis zu 50.000 Mitglieder an. „Es sind Arbeiterbienen, die Nektar sammeln, die Brut pflegen, Waben bauen und den Bienenstock von Ungeziefer bereinigen“, sagt Micha. Diese Bienen arbeiten sich im wahrsten Sinne des Wortes vier bis sechs Wochen zu Tode. Die Arbeiterinnen sammeln außerdem den leckeren Honig, den wir so gerne mögen.

Doch was sind die Aufgaben eines Imkers? „Ein Imker muss zunächst mit den Gewohnheiten der Bienen gut vertraut sein, um mit ihnen arbeiten zu können“, erklärt uns Micha. Vor allem sollten Imker ein ruhiges Händchen haben. Der Hertener nennt die Arbeit mit den geselligen Tieren auch „Bienenyoga“, denn wer hektisch ist, kann damit die Bienen verärgern. Ab dem Frühjahr ist es wichtig, regelmäßig nach den Bienen zu schauen: Sind sie gesund? Sind die Bienen von Parasiten befallen? Hat die Bienenkönigin Eier gelegt? Wie sieht das Brutnest aus? Haben die Bienen genug Pollen für die Brut? „Es ist ein komplettes Check-Up“, sagt Micha. Außerdem muss er darauf achten, dass die Bienenvölker nicht schwärmen und den heimischen Bienenstand verlassen, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Diese Gefahr droht besonders, wenn der Raum zu eng wird und das Bienenvolk zu stark entwickelt ist.

Fingerspitzengefühl und Smoker sind gefragt

Sobald die Kirschblüte blüht, fangen die Bienen an, den Honig in den Honigräumen der Beute zu lagern. Ende Mai, Anfang Juni, können Imker den ersten Honig ernten: Also öffnet Micha als erstes den Deckel der Beute, einem robusten Holzkasten mit herausnehmbaren Rähmchen, auf denen die Bienen ihre Waben ausbauen. Bienen mögen es nicht so gerne, ihren geliebten Honig abzugeben. So braucht der Imker Fingerspitzengefühl und verwendet für die Entnahme ein wirksames Mittel: „Man nebelt die Bienen mit Rauch ein, um sie dazu zu bringen, sich tief in ihre Bienenbeute zu verkriechen“, erklärt Micha. Dazu verwendet er eine Imkerpfeife oder Smoker, mit denen er Buchenspäne oder Kräuter verbrennt. Die Bienen kriechen dann in ihre Waben und sammeln so viel Honig wie sie können. In dieser Zeit kann der Imker ungestört einen der Holzrahmen mit den Honigwaben entnehmen. Hinter einer gutverschlossenen Wachsschicht befindet sich dann der goldglänzende Honig, den Micha nun noch herausarbeiten muss.

Die Aufgaben eines Imkers sind umfangreich. Sie vereinen also die Arbeit des Tierpflegers, des Meteorologen und des Produzenten und Verkäufers von Honig, Propolis und Wachs. Im Winter kann der Imker dann eine Pause machen, Vorbereitungen für das nächste Jahr treffen. Das heißt, Wachs schmelzen, Rähmchen bestücken, Beuten und Honigräume reinigen. Denn sobald die Temperaturen unter 12 Grad sinken ruht das Bienenvolk, bis es dann im Frühling wieder losgeht.

Im letzten Teil unserer VIP-Reihe hat Kathi Euch die Band Aiden Keen aus Recklinghausen vorgestellt.

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